Das sind die 10 größten Sex-Irrtümer unserer Generation

Henriette Hell

Was uns in Sachen Sex wirklich antörnt, zerfleischt oder nervt?

1. Wir denken, dass uns Filter sexier machen

Machen wir uns nichts vor: Wir sind alle süchtig nach Filtern. Instagram, Tinder und Co. haben uns „gelehrt“, dass wir makellos sein müssen, um gelikt, geliebt und schlussendlich flachgelegt zu werden. Aber das ist Quatsch! Perfektion ist nichts als langweilig. Vor allem wenn es um Intimität geht. Wer, bitte, braucht vorgetäuschte Orgasmen, gekünsteltes Stöhnen oder pornöse Verrenkungen nach Drehbuch? Echter Sex ist auch mal dreckig, verrückt, emotional aufwühlend, enttäuschend, peinlich. Und das ist gut so. Ich garantiere euch: Auch Rihanna, Angelina Jolie oder Gigi Hadid ist schon mal ein „Muschipups“ entfahren. Und wer seinem Partner beim Stellungswechsel schonmal versehentlich das Knie ins Gesicht gerammt hat, ist ebenso wenig allein. Na, und? Ist doch lustig.

2. Wir denken, dass mit uns etwas nicht stimmt, weil wir nicht durch Cunnilingus zum Höhepunkt kommen können

Nur zum Teil! Leider gibt’s nur SEHR wenige Menschen, die richtig gut mit ihrer Zunge umgehen können. Daran sind aber zum Teil wir selbst Schuld. Der Schlüssel zu einem guten Sexleben ist und bleibt Kommunikation. Erkläre deinem Freund*in genau, wie du es gerne hättest. Dadurch wird er oder sie selbstbewusster und Versagensängste, die vielleicht dazu geführt haben, dass er oder sie dich nicht so gerne leckt, lösen sich in Luft auf. Mit etwas Glück entwickelt sich dadurch sogar ein gewisser Ehrgeiz …

3. Wir schämen uns, wenn wir Lust aufs Fremdgehen haben

In jeder Beziehung kommt irgendwann der Tag, an dem wir einem anderen Menschen begegnen, den wir begehrenswert finden. Vielleicht verlieben wir uns sogar ein bisschen. Und dann kommt die große Scham. Wir haben gelernt uns zu schämen, wenn wir ans Fremdgehen denken. Dabei ist das reine Biologie! Lust zu empfinden ist kein Schwerversprechen, sondern erstmal etwas Wunderschönes. Es wäre ein Fortschritt hinzunehmen, dass die Natur uns so geschaffen hat. Im nächsten Schritt kann man mit seinem Partner über seine Bedürfnisse sprechen, vielleicht sogar eine offene Beziehung zur Debatte stellen. Oder es wie Vivienne Westwood handeln, die sagt, dass wir „Sex nicht mit Liebe verwechseln“ dürfen und kein Problem damit hat, wenn ihr jüngerer Partner sich hin und wieder austobt.

4. Wir denken, dass wir unbedingt zusammen kommen sollten

Im Kinohit „Fifty Shades of Grey“ genügen ein paar Stöße – und die bis dato noch jungfräuliche (!) Hauptdarstellerin kommt gleichzeitig mit ihrem Lover zum Orgasmus. Unrealistischer geht’s nicht! Trotzdem denken viele Zuschauer, es sei normal, was in solchen Streifen gezeigt wird – und bewerten ihr eigenes Sexleben als dementsprechend schlechter. In Wahrheit ist es viel entspannter, nacheinander zu kommen. Ein Gentleman verwöhnt zuerst in aller Ruhe mit Zunge oder Hand. Danach wird gevögelt, dann kann er sich fallenlassen. Wenn du Glück hast, kommst du dabei ja eh nochmal „on top“.

Sex ist NICHT nur dann gut, wenn wir einen Orgasmus haben. Im Gegenteil: Laut der Sexualtherapeutin Elia Bragagna finden es 76 Prozent der Frauen total okay, wenn sie nicht jedes Mal zum Höhepunkt kommen

5. Wir denken, dass unser Smartphone uns dabei hilft mehr Sex zu kriegen

Von wegen! Wusstet ihr, dass unsere Generation, die nach 1990 geboren ist, statistisch gesehen deutlich weniger Sex hat als ihre Eltern? Das wundert mich kein bisschen: Wir sind total übersättigt –von Pornos aus dem Internet (Studien belegen das) und davon, dass es heute durch Tinder und Co. so unkompliziert ist, einen Sexpartner zu finden. Uns fehlt die Herausforderung! Viele gehen ja mittlerweile nicht mal mehr zu den Dates, die sie bei Tinder ausgemacht haben – sie bevorzugen schnelles Sexting via Smartphone. Wir werden durch die fortschreitende Digitalisierung immer fauler, auch in Liebesdingen.

6. Wir halten das Vater-Mutter-Kind-Modell immer noch für das „Endziel“

Jeder Mensch ist mal Single oder in einer festen Beziehung. Irgendwann kommen dann Ehe, Kinder, vielleicht eine Scheidung … meist in exakt dieser Reihenfolge. Aber warum eigentlich? Wer zwingt uns dazu, diese gelernten Beziehungsformen alle schön brav nacheinander durchzuspielen – obwohl uns vielleicht Phase X viel besser gefallen hat als jene, in der wir aktuell stecken? Um noch deutlicher zu werden: Das „normale“ Mutter-Vater-Kind-Modell ist durch die fortschreitende Liberalisierung längst nicht mehr zeitgemäß. Immer mehr erfolgreiche, attraktive Frauen denken erst in ihren Vierzigern daran, sich fest zu binden. Sie wollen sich vorher lieber austoben. Wenn man merkt, dass man nicht für die Monogamie geschaffen ist – was spricht dagegen, eine offene Beziehung zu führen?

7. Wir halten Dirty Talk für stillos

Es zählt nicht, was man sagt, sondern WIE man es sagt. Der Sexualforscher Ulrich Clement hat mal in einem Interview gesagt, es mache einen großen Unterschied, ob jemand „Los, f*** mich!“ sagt oder „Los, lass uns f*****!“ Im ersten Fall macht man sich selbst zum Objekt. Verwendet man hingegen das Wort „uns“, macht man sich zum ebenbürtigen Partner und betont das symmetrische Miteinander – ideal für Feministinnen, wenn ihr mich fragt. Aber, hey, wer denkt beim Sex schon ernsthaft an Grammatik …

8. Wir verweigern aus Eitelkeit und Unsicherheit die geilsten Stellungen

Was glaubt ihr, wie viele Freundinnen mir schon gebeichtet haben, dass sie es nicht so gerne haben, wenn ihr Partner*in sie oral befriedigt – aus Angst, er könne ihren Geruch „da unten“ nicht mögen?! Erschreckend viele. Andere Frauen zieren sich z.B. bei Tageslicht in die Hündchenstellung zu gehen – weil sie denken, ihr Partner könne vom Anblick ihres üppigen Hinterteils abgeschreckt werden. So ein Unsinn! Bitte merken: Männer nehmen ihre Umwelt in Phasen höchster Erregung wie auf Droge wahr. Sie haben nur noch ein eingeschränktes, verzerrtes Blickfeld. Das kann man sich wie einen schmeichelhaften Instagramfilter vorstellen, durch den uns die Männer in diesem Moment als die heißeste Frau des Planeten sehen. Insofern:Relaxt!

9. Wir denken, dass wir nie wieder so viel heißen Sex haben würden wie in unseren Zwanzigern

Von wegen, das Beste liegt noch vor uns, Mädels! Auch wenn euer Hintern und eure Oberschenkel mit 44 vielleicht nicht mehr ganz so knackig sein werden wie mit 22 – eure sexuelle Genussfähigkeit nimmt mit den Jahren stetig zu, weil ihr (endlich!) ganz genau wisst und eurem Lover auch ganz offen sagt, was ihr im Bett braucht, um auf eure Kosten zu kommen. Zahlreiche Studien belegen das. Also freut euch auf alles, was noch kommt …

10. Wir täuschten Orgasmen vor, aus Rücksicht auf das zerbrechliche Ego unseres Partners.

Orgasmus? Ja, bitte! Aber nicht um jeden Preis. Es ist gigantisch, wenn unser Partner*in es schafft, dass wir zum Höhepunkt kommen. Aber sobald sie zu versessen darauf sind, es uns zu besorgen, wird’s unentspannt. Und Studien belegen, dass nicht gerade wenig Frauen lediglich deshalb einen Orgasmus vortäuschen, um das zerbrechliche Ego des Partners*in zu schonen. Die Folge? Sie landen in einer Art Teufelskreis, weil es keine Chance gibt, das individuelle Orgasmusverhalten wirklich zu entschlüsseln.

Noch mehr geile Millennial-Mythen klärt Henriette Hell in ihrem neuen Buch „Die Sexbibel fürs 21. Jahrhundert. Erst kommen, dann gehen “ auf. (Erschienen im Ullstein-Verlag, 12,99 Euro)

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