11 Mythen über die Gesundheit im Winter auf dem Prüfstand

Nina Baum
Freie Autorin für Yahoo Style
In den Wintermonaten sind besonders viele Menschen erkältet. (Bild: Getty Images)

Über die Sinnhaftigkeit von bestimmten Verhaltensweisen im Winter existieren viele Meinungen: Etwa, dass man mit Vitamin C Erkältungen vorbeugen kann, oder nicht ohne Mütze aus dem Haus gehen sollte, damit die Körperwärme nicht entweicht und man gesund bleibt. Doch was davon stimmt wirklich – und was ist sinnlos?

Jedes Jahr dasselbe: Kurz nach dem Jahreswechsel steigen die meisten Menschen wieder ins Berufsleben ein, gehen ein paar Wochen ihren gewohnten Tätigkeiten nach und – werden krank. Das zumindest ist kein Mythos, sondern ein unangenehmer Fakt. Laut dem Dachverband der Betriebskrankenkassen (BKK) wird jährlich in den Monaten Februar und März der höchste Krankenstand erreicht. Aber womit hat das zu tun?

Welcher Mythos beruht auf Fakten – und welche Annahmen sind einfach falsch? Hier kommen Allgemeinplätze auf den Prüfstand:

1. Man zieht sich eine Erkältung zu, wenn man zu lange draußen bleibt.

Laut Daniel Joseph Verret, HNO-Arzt aus der US-Metropole Dallas, ist an der Behauptung nichts dran. “Wenn einem kalt ist, steigert das nicht das Risiko, sich eine Erkältung einzufangen”, sagt Verret. Erkältungen werden durch Bakterien oder Viren ausgelöst, nicht durch Temperaturen. Im Winter sei dies häufiger der Fall, da Menschen sich meist auf engerem Raum innerhalb von Häusern oder Büros befinden und generell das Immunsystem mehr zu tun hat. Zeit im Freien zu verbringen, schützt laut Verret sogar davor, sich eine Erkältung zuzuziehen und stärkt die Abwehrkräfte.

2. Vitamin C kann Erkältungen verhindern

Vitamin C tut uns gut, keine Frage. Schützt es aber auch vor Erkältungen? Die Autoren eines Artikels, der in der “Cochrane Database of Systematic Reviews” veröffentlicht wurde, werteten 29 Studien zu dem Thema aus, und kamen zu dem Schluss, dass die regelmäßige Einnahme von Vitamin C eine Erkältung nicht verhindern kann. Zur Linderung der Symptome und einer verkürzten Regenerationszeit trägt Vitamin C allerdings sehr wohl bei.

3. In den Wintermonaten leiden mehr Menschen unter depressiven Verstimmungen

Grau, kalt und dunkel: In den Wintermonaten kann man schon mal den mentalen Blues bekommen. Aber sind zu der Zeit wirklich mehr Menschen depressiv und ungewöhnlich heftig verstimmt? Jein. Laut dem Arzt und Harvard-Professor John Sharp kommen Depressionen im Winter nicht häufiger vor als sonst. Was viele Menschen in den kalten Monaten erleben, sei eine saisonal-affektive Störung, auch SAD genannt. Die Symptome sind denen einer Depression aber lediglich ähnlich.

4. Hühnersuppe kann eine Erkältung vertreiben

Laut Sharp hat sie wirklich einen Effekt: Hühnersuppe kann sich positiv auf das Immunsystem auswirken, da sie die Aggregation von Neutrophilen stimulieren, also weiße Blutzellen zusammenbringen kann. Die weißen Blutkörperchen helfen dabei, Infektionen im Körper abzuwehren, damit man sich schneller besser fühlt.

Hühnersuppe hat tatsächlich positive Auswirkungen. (Bild: Getty Images)

5. Man verliert viel Körperwärme über den Kopf, daher soll man eine Kopfbedeckung tragen, um nicht krank zu werden

Richtig, man verliert Wärme über den Kopf. Doch ein Problem ist das nicht. Professor John Sharp zufolge verliert man Wärme über alle Körperteile, die nicht bedeckt sind. Eine Kopfbedeckung zu vergessen, stellt also kein großes Gesundheitsrisiko dar, wenn man sonst dick eingepackt ist.

6. Man soll in winterlicher Kälte keinen Sport treiben

Auch das ist ein Mythos. John Sharp: “Es ist in Ordnung, in der Kälte zu trainieren. Man sollte sich davor nur aufwärmen.” Ohne Vorbereitung können physische Aktivitäten im Kalten aber in der Tat gefährlich für den Kreislauf sein. Etwa, wenn man sich von der Couch erhebt und unmittelbar danach große Mengen an Schnee vor der Haustür wegschaufelt.

7. Trockene Haut ist eine lästige Nebenerscheinung gerade im Winter

Laut der New Yorker Dermatologin Debra Jaliman stellt trockene Haut ein echtes Problem in den kalten Monaten dar. Steuert man nicht mit Pflege entgegen, werde die Haut anfällig für Infektionen. Zwei Mal täglich, nach der morgendlichen Dusche und vor dem Schlafen, sollte man sich eincremen.

8. Wir brauchen mehr Schlaf im Winter

Im Winter wollen die meisten Menschen morgens länger im Bett bleiben. Aber brauchen wir wirklich mehr Schlaf, wenn es draußen kalt ist? Laut John Sharp nicht. Die Abwesenheit von Sonnenlicht lässt uns nur glauben, dass wir müder sind als sonst.

9. Im Winter braucht man keinen Sonnenschutz

Auf Sonnenschutz sollte man auch im Winter nicht verzichten. Laut Dermatologin Debra Jaliman sind UV-Strahlen das ganze Jahr über etwas, das man nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte. Jaliman empfiehlt bei langer Zeit im Freien Sonnenschutz mit Lichtschutzfaktor 30.

10. Erfrierungen zieht man sich nur schwer zu.

Falsch! Innerhalb von nur 30 Minuten kann man sich Erfrierungen zuziehen. Dafür muss es Debra Jaliman zufolge auch nicht Minus 20 Grad Celsius haben. Schon bei 0 Grad Celsius können Erfrierungen auftreten, je nachdem wie lange Körperteile wie Hände oder Füße ungeschützt an der frischen Luft sind.

11. Allergien treten in den Wintermonaten nicht auf

Bei Allergien kommt es vor allem darauf an, unter welcher Art davon man leidet. HNO-Arzt Joseph Verret: “Wenn man an Pollenallergien leidet, ist man im Winter wirklich besser dran. Wenn man jedoch empfindlich auf Allergene im Innenbereich reagiert, zum Beispiel Tierhaare oder Hausstaubmilben, dann können sich Allergien sogar noch verschlimmern.”