150 Preiserhöhungen beim Gas für Juni, Juli und August – und durch den Notfallplan könnte es noch teurer werden

So entwickelte sich der Gaspreis von David Frank, einem 36-Jährigen Mann aus der Nähe von Köln - Copyright: David Frank
So entwickelte sich der Gaspreis von David Frank, einem 36-Jährigen Mann aus der Nähe von Köln - Copyright: David Frank

Gas könnte bei vielen Verbrauchern künftig noch mehr zu Buche schlagen als ohnehin schon. Angesichts der deutlich verringerten Gaslieferungen aus Russland hat die Bundesregierung die Alarmstufe des Notfallplans Gas ausrufen. Der Notfallplan hat drei Stufen: Die jetzt ausgerufene Alarmstufe ist die zweite. Die dritte wäre die Notfallstufe.

Versorgungsunternehmen sollen zwar noch keine Möglichkeit erhalten, ihre Gaspreise nach dem Energiesicherungsgesetz zu erhöhen, sondern erst, wenn die Bundesnetzagentur eine „erhebliche Reduzierung der Gesamtgasimportmengen nach Deutschland“ festgestellt hat. Dennoch sagte Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) am Donnerstag bereits: „Die Preise sind jetzt schon hoch, und wir müssen uns auf weitere Anstiege gefasst machen.“

Erdgas-Odyssee
Erdgas-Odyssee

„Als ich den Brief gesehen habe, war ich geschockt und erleichtert zugleich“

Einer, der die Preiserhöhungen bereits mitbekommen hat, ist David Frank, ein 36-jähriger Unternehmensberater aus Köln. Er bezieht sein Gas über die Stadtwerke München. Vor kurzem bekam er einen Brief, dass der Preis von 4,91 Euro auf 8,96 Euro steigt – also doppelt so hoch wird wie zuvor.

„Ich habe den Gas-Vertrag ziemlich genau vor einem Jahr abgeschlossen und die Erhöhung ist ab Juli fällig“, sagt Frank zu Business Insider. Der Juli sei der früheste Zeitpunkt, an dem sein Anbieter die Preise erhöhen dürfe. Bis dahin bestand die Preisbindung.

„Als ich den Brief gesehen habe, war ich geschockt und erleichtert zugleich“, sagt Frank. Einerseits „geschockt“, weil sich die Kosten fürs Gas verdoppelt haben. Andererseits „erleichtert“, weil bei vielen anderen die Erhöhungen noch „viel drastischer“ ausgefallen sind.

Die Preiserhöhung liegt im Schnitt bei 35 Prozent

Denn: Er habe überlegt zu wechseln, aber alle Alternativen, die er sich angeguckt habe, waren „deutlich teurer“ als das, was ihm jetzt angeboten wurde. Und nicht nur das: Hätte er bei den Stadtwerken in München den gleichen Tarif neu abgeschlossen, wäre er aktuell nicht nur doppelt, sondern viermal so teuer, sagt Frank.

Mittelfristig rechnet er nicht damit, dass die Preise so bleiben. „Ich erwarte, dass das bei weitem nicht das Ende der Fahnenstange ist“, so Frank.

Frank ist kein Einzelfall. Das Vergleichsportal Verivox hat auf Anfrage von Business Insider recherchiert, wie viele Preiserhöhungen von den Versorgern beim Gas bereits vor dem Ausrufen des Notfallplans Gas bekannt sind. Das Ergebnis: Bei den örtlichen Versorgern zählt das Vergleichsportal bisher 150 Preiserhöhungen für Juni, Juli und August dieses Jahres. In der Höhe liegt der Durchschnitt bei 35 Prozent, was laut Verivox bei einem Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden Mehrkosten von 635 Euro pro Jahr entspricht.

Eine Familie müsste im Jahr 560 Euro mehr zahlen

"Damit setzt sich der Trend des Jahres fort. Nahezu alle Grundversorger haben im Jahresverlauf teilweise mehrfach ihre Preise angepasst", so ein Sprecher zu Business Insider. Verivox zählt seit Januar 1130 Preisänderungen von Grundversorgern um durchschnittlich 34 Prozent. Eine Familie mit einem Gasverbrauch von 20.000 Kilowattstunden müsste somit im Jahr 560 Euro mehr zahlen.

Doch auch über alle Tarife hinweg macht sich der Aufwärtstrend deutlich. Das durchschnittliche Preisniveau beim Gas ist seit dem Beginn des Krieges in der Ukraine um 33 Prozent gestiegen. 20.000 Kilowattstunden Gas kosten seither über 700 Euro mehr. Das Strompreisniveau ist im selben Zeitraum um 13 Prozent gestiegen, was bei einem Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden rund 185 Euro mehr ausmacht.

Der Verivox-Sprecher: „Sollte die Alarmstufe des Notfallplans Gas in Deutschland ausgerufen werden, sind noch deutlich höhere Gaskosten wahrscheinlich – ihr Umfang lässt sich zum aktuellen Zeitpunkt jedoch nicht abschätzen.“

Mit Material der DPA

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