2020 keine Fashion Shows mehr: Yves Saint Laurent geht mutig voran

Ann-Catherin Karg
Freie Journalistin

Normalerweise gibt es laut der French Federation of Fashion and Haute Couture mindestens sechs große Fashion Shows pro Jahr, bei denen die Designer ihre Kollektionen für Männer, Frauen sowie Haute Couture präsentieren. 2020 wird es für Yves Saint Laurent nichts dergleichen geben, hat das Modehaus jetzt verkündet. Andere könnten nachziehen - und das nicht nur wegen Corona.

Yves Saint Laurent wird in den folgenden Monaten des Jahres 2020 an keiner Modenschau teilnehmen. (Bild: Getty Images)

Die Männerschauen in Paris und Mailand, die unter anderen Umständen im Juni und Juli ein fester Termin im Modekalender 2020 gewesen wären, sind abgesagt. Für die Modewochen im Herbst steht diese Entscheidung offiziell noch aus. Unabhängig davon, wie sie aussehen wird, wird Yves Saint Laurent daran auf keinen Fall teilnehmen. Das hat das französische Luxusunternehmen in einem Instagram-Post bekanntgegeben.

YSL strebt nach mehr Selbstbestimmtheit

Creative Director Anthony Vaccarello sieht den Rückzug als eine Möglichkeit, künftig dem eigenen Rhythmus zu folgen und die Kontrolle über den eigenen Kalender zurückzuerobern. Dabei bedeutet das nicht, dass das Label überhaupt nicht mehr an den internationalen Schauen teilnehmen wird. Vaccarello schreibt dazu: ”Saint Laurent übernimmt die Verantwortung des eigenen Kalenders und lanciert seine Kollektionen nach einem Plan, der mit einer aktuellen Perspektive konzipiert wurde und von Kreativität angetrieben wird.“

Stylische Quarantäne: Die Stars machen ihr Zuhause zum Runway

Giorgio Armani fordert Entschleunigung

Dass das enge Korsett der Pflichttermine weder der Kreativität dienlich ist noch den Kunden, hat Anfang April Giorgio Armani in einem Brief an das US-Branchenmagazin ”WWD“ angeprangert. Er rief dazu auf, die besondere Notsituation der Corona-Pandemie zu einer grundlegenden Entschleunigung der Branche zu nutzen. Erreichen will er das durch ein weniger an Kollektionen, weniger Shows und einen Saisonrhythmus, der demjenigen der Verbraucher näher ist.

Giorgio Armani möchte, dass sich die Modeindustrie verlangsamt. (Bild: Getty Images)

”Das ist der Weg, auf dem unserer Arbeit wieder Wert gezollt wird. Nur so begreifen die Kunden, wie wichtig und wertvoll die Arbeit von uns Designern ist”, sagte Armani. Im selben Schritt kündigte der Designer an, die Frühjahrskollektion 2020 werde bis Anfang September in den Läden bleiben. Die Pre-Fall-Kollektion werde entweder ganz übersprungen oder auf ein Minimum reduziert.

Statt Haute Couture: Auf Instagram trägt man jetzt #HomeCouture

Von Yves Saint Laurent und Armani könnte eine Signalwirkung ausgehen

Mit Vaccarello und Armani drücken zwei Branchen-Riesen aus, was von Designern schon länger bemängelt wird: Wer mindestens sechs Schauen im Jahr bedienen muss, wird in der Modewelt verbrannt, und die Kreativität bleibt zwangsläufig auf der Strecke. Gut möglich, dass andere namhafte Labels nach dieser Vorarbeit nachziehen werden und die Modebranche tatsächlich einen gravierenden Umbruch erlebt.

Die Non-Profit-Organisation Fashion Revolution verweist außerdem auf ein weiteres Problem, das unweigerlich mit dem ungezügelten Konsum immer neuer Ware verbunden ist: Die prekären Bedingungen, unter denen Menschen die Ware produzieren. Ein ethischerer Umgang mit Mode würde auch deren Arbeit fairer und sicherer machen.

VIDEO: Mode in Zeiten des Coronavirus