32-Stunden-Schicht während Flut: Hotelrezeptionist wird im Netz als Held gefeiert

Moritz Piehler
Freier Autor
Satchel Smith hielt im Hotel alleine die Stellung und versorgte 90 Gäste (Bild: Angela Chandler/Facebook)

Eigentlich hätte seine Schicht wie gewohnt nach acht Stunden enden sollen. Doch nachdem das Hotel von Flutwasser eingeschlossen wurde, sorgte ein Angestellter eigenhändig 32 Stunden lang für alle Gäste und wird nun im Netz dafür gefeiert.

Am Mittwochnachmittag setzte Satchel Smiths Vater den 21-Jährigen wie gewohnt an seinem Arbeitsplatz in den Homewood Suites in Beaumont, Texas ab. Seine Schicht an der Rezeption sollte um 15 Uhr beginnen, um 23 Uhr würde er Feierabend haben. Doch dann kam der Regen. Der Südwesten der USA wird gerade von den Nachwehen des Tropensturms Imelda heimgesucht. Eine Folge davon sind heftige Überschwemmungen, die vor allem den US-Bundesstaat Texas betreffen. Beaumont wurde besonders heftig erwischt, es hörte einfach nicht auf zu regnen. Bald war klar, dass das Hotel von der Außenwelt abgeschnitten war. Und Satchel Smith war der einzige Angestellte vor Ort, der es zur Arbeit geschafft hatte.

90 Gäste waren auf den jungen Mann angewiesen. Und der Student erledigte seine Schicht mit vollem Einsatz. Das blieb keineswegs unbemerkt. Eine Userin postete die Geschichte des Hotel-Samariters auf Facebook. “Lernt Satchel kennen,” schrieb sie zu dem Bild von einem freundlich lächelnden Smith. “Satchel war die ganze Nacht hier. Er bediente die Telefone, beantwortete uns jede unserer Fragen und stellte sicher, dass wir heiße Getränke und ein warmes Frühstück bekamen.” Und das alles habe er mit Anmut, Freundlichkeit und einem wunderschönen Lächeln auf dem Gesicht gemeistert. “Wenn ihr Satchel trefft, sagt ihm, dass er unser Held ist”, beendete die Frau den Post, der seitdem fast 30.000 Likes sammelte und 14.000 Mal geteilt wurde.

Durch den Social-Media-Post wurden auch amerikanische Nachrichtensender auf den besonderen Einsatz des jungen Mitarbeiters aufmerksam. In einem Interview mit dem TV-Sender CNN erzählte Smith, er sei normalerweise nur an der Rezeption. Jetzt war er plötzlich Koch, Hausmeister und Zimmermädchen in einer Person. “Ich habe noch niemals in der Küche gearbeitet und kann auch nicht gut kochen”, sagte Smith über sich selbst. Beim Frühstück und Abendessen halfen Gäste dem jungen Hansdampf in allen Gassen. Dazu brachten sie auch noch Essen zu den Menschen, die in ihren Autos auf dem Highway vor dem Hotel festsaßen. Der Collegestudent, der ein Leichtathletikstar an der Lamar Universität ist, hatte trotz seiner nach außen gezeigten guten Laune selbst ganz schönes Nervenflattern, erzählte er CNN: “Es war schon eine sehr intensive, überfordernde Situation.”

Ganze 32 Stunden dauerte der Sondereinsatz von Satchel Smith, erst am Freitagmorgen gelang es schließlich einer Kollegin, zu ihm ins Hotel zu kommen. Selbst dann machte Smith nur eine kurze Schlafpause und half weiter, bis das Wasser soweit zurück gegangen war, dass sein Vater in wieder abholen konnte. Sein eigenes Auto erlitt bei der Flut einen Totalschaden. Schon beim Hurrikan Harvey hatte Smith vor zwei Jahren sein Auto verloren, doch der 21-Jährige sah das Positive: Das Haus seiner Familie sei immerhin verschont geblieben. Und gute Taten zahlen sich womöglich doch aus. Unter dem Facebook Post über seine Flut-Heldenschicht verabreden sich bereits User, um Geld zu sammeln für ein neues Auto.