5 Fakten zu den Gorillas-Entlassungen

Gorillas-CEO Kagan Sümer hat im Firmenmeeting am heutigen Dienstag keine guten Nachrichten zu verkünden
Gorillas-CEO Kagan Sümer hat im Firmenmeeting am heutigen Dienstag keine guten Nachrichten zu verkünden

Noch bevor die betroffenen Mitarbeiter von ihren Entlassungen erfuhren, wurde die News online verbreitet. Am Montagabend berichtete das Manager Magazin als Erstes über die bevorstehende Kündigungswelle beim Schnell-Lieferdienst Gorillas. Damit kam das Wirtschaftsmagazin Gorillas-Chef Kagan Sümer zuvor: Erst am Dienstagmorgen gegen 9:30 Uhr soll der Gorillas-CEO zu einem All-Hands auf Zoom eingeladen haben, in dem Sümer zur Belegschaft über die bevorstehenden Kürzungen sprach.

Aus Unternehmenskreisen hat Gründerszene die wichtigsten Informationen aus dem Meeting erfahren:

Wie viele Personen sind von den Entlassungen betroffen?

Rund 300 Personen. Das entspricht knapp der Hälfte des 600-köpfigen Teams im Headquarter, das bei Gorillas „Global Offices“ heißt. Das umfasst alle Personen, die keine lokalen Aufgaben haben, sondern sich beispielsweise um das gesamte Marketing kümmern. Diejenigen, die für die lokalen Teams an den anderen Standorten arbeiten, sind bislang nicht betroffen. Das kann sich aber noch ändern. So heißt es von Gorillas in einem Statement zu den Kündigungen: „In den kommenden Wochen werden an den jeweiligen Standorten weitere lokale Gespräche und Verhandlungen folgen.“

Um welche Abteilungen geht es?

Fast alle Abteilungen in der Firma sind betroffen. Kagan Sümer selbst hat auf Linkedin den Link zu einem Dokument geteilt, in das sich entlassene Mitarbeiter mit ihren Kontaktdaten eintragen können. Bislang gibt es rund 30 Eintragungen, in den Abteilungen Finanzen bis hin zur IT. Einen Bereich hat es jedoch besonders stark betroffen: Wie aus Unternehmenskreisen zu hören ist, habe Sümer vor allem im Bereich HR den Rotstift angesetzt. Diese Abteilung wurde in den vergangenen Monaten mit dem extremen Wachstum der Firma entsprechend stark vergrößert. Nach der Entlassungswelle wird das Unicorn erst einmal kaum Recruiter, People Manager oder ein Onboarding-Team brauchen.

Aus welchen Ländern stammen die betroffenen Mitarbeiter?

Im Herbst vergangenen Jahres hat Gorillas seinen Hauptsitz rein formal nach Amsterdam verlegt, die Firma hatte sich von einer GmbH in eine niederländische Holding umfirmiert. Der Großteil des globalen Teams saß bis dato jedoch weiterhin in der deutschen Hauptstadt – entsprechend viele Berliner Angestellte sind betroffen.

Wie Gründerszene erfahren hat, wird das Global Office in den Niederlanden komplett aufgelöst. Dort sitzen diejenigen, die für die Firmenzentrale arbeiten. Bislang waren das etwa 75 Personen. Nur einem kleinen Teil sei ein Umzug nach Berlin angeboten worden, der Rest sei von den Entlassungen betroffen. Fortan wolle Gorillas alle seine Global-Office-Angestellten in Berlin zentralisieren, heißt es.

Wie rechtfertigte Gorillas-CEO Sümer die Kündigungen?

In dem All-Hands-Meeting am Dienstagmorgen sprach Kagan Sümer zu allen Global-Office-Angestellten und rechtfertigte den radikalen Schritt mit den sich veränderten Kapitalmärkten. Auch Auszüge einer entsprechenden E-Mail kursieren bereits in den sozialen Netzwerken. Die Finanzierungssituation, insbesondere für noch nicht profitable Unternehmen wie Gorillas, habe sich in den vergangenen Wochen dramatisch verschlechtert, steht in der E-Mail. Eine Entwicklung, die Sümer bereits habe kommen sehen, wie er behauptet. Deshalb fokussiere man sich seit einer Weile darauf, profitabel zu werden. Ein Grund, weshalb das Unicorn einige schwere Entscheidungen habe treffen müssen: Zum einen will sich Gorillas demnach fortan nur noch auf fünf Kernmärkte fokussieren – das sind Deutschland, die Niederlande, Großbritannien, Frankreich und die USA. Für die übrigen Märkte Spanien, Italien, Dänemark und Belgien prüfe man aktuell „alle möglichen strategischen Optionen“.

Wie liefen die Kündigungen ab?

Nach dem großen Teammeeting fanden in den jeweiligen Ländern noch sogenannte „Some Hands“ statt, zu denen die jeweiligen Länderchefs eingeladen hätten, wie Gründerszene aus Unternehmenskreisen erfuhr. Die einzelnen betroffenen Mitarbeiter seien im Anschluss zu Einzelgesprächen eingeladen worden und hätten ihre Kündigung erhalten. Teilweise dauerten die Gespräche noch den ganzen Tag über an. Laut Informationen von Gründerszene finden die Termine vor allem in den jeweiligen Büros statt, falls die Mitarbeiter nicht vor Ort sind, dann über einen Videocall. Unter seinen Linkedin-Post kommentierte Sümer, dass die Abfindungen „deutlich höher“ seien als gesetzlich vorgeschrieben.

Wie geht es jetzt weiter?

Eigentlich sollte die jüngste Finanzierungsrunde längst abgeschlossen sein – doch mehrere Investoren sollen abgesagt haben, weiß Gründerszene aus Unternehmenskreisen. Die Firma selbst äußert sich nicht zu dem geplanten Investment. Die Entlassungswelle könnte nun aber der letzte Versuch sein, für Investoren attraktiver zu werden, das schreibt das Manager Magazin unter Berufung auf Insider.

Falls dies nicht gelingen sollte, droht der Firma das Geld auszugehen. Dann bliebe als weitere Option noch, an größere Konkurrenten wie etwa Getir zu verkaufen. Eine Notlösung, die Sümer anscheinend unbedingt verhindern will. Aktuell gebe es noch vier Player im Quick-Commerce-Markt, wie der Gründer in der E-Mail an seine Belegschaft schreibt. Am Ende würden nur noch „ein oder zwei Player“ übrigbleiben, prognostiziert er. „Gorillas wird dieser Player sein“, schreibt Sümer.

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