5 Mythen über „vorzeitiges Rausziehen“ & was wirklich dahinter steckt

Bedsider
Illustrated by Elliot Salazar.

Von Yvonne Piper

„Vorzeitiges Rausziehen” hat eigentlich einen schlechten Ruf. Viele nehmen es überhaupt nicht als Möglichkeit der Verhütung wahr - und trotzdem haben 60 Prozent der Paare es schon mindestens einmal so eingesetzt. Von Wissenschaftlern wird „vorzeitiges Rausziehen” meistens abgelehnt und trotzdem wissen wir mehr darüber als über andere Möglichkeiten der Verhütung. Doch bevor du es komplett ausschließt, wollen wir die Faktenlage klären.

Mythos 1: „Vorzeitiges Rausziehen” funktioniert nicht. Also lasst es einfach.

Von 100 Paaren, die diese Methode regelmäßig und entsprechend „geübt” nutzen, sind in einem Jahr nur vier schwanger geworden. Trotzdem bleibt das „vorzeitige Rausziehen” oft eine gewisse Herausforderung. Bei 100 Paaren, die es nur ab und an praktizieren, sind 22 in einem Jahr schwanger geworden.

Es geht also nicht darum, dass „vorzeitiges Rausziehen” grundsätzlich nicht funktioniert. Es geht eher darum, dass es schwierig ist, jedes Mal, den richtigen Moment zu erwischen. Kondome und Pille funktionieren in dieser Hinsicht nicht unbedingt anders. Sie erfüllen ihren Zweck, wenn man sie immer richtig verwendet. Im alltäglichen Leben wird es aber eben manchmal kompliziert. Und dann verhütet „vorzeitiges Rausziehen” eine Schwangerschaft fast so zuverlässig wie ein Kondom.

Mythos 2: Präejakulat ist sicher, denn es enthält keine Spermien.

Es gibt nur sehr wenige Studien zu diesem Thema, deswegen sind sich die Experten uneinig. Drei kleine Studien haben vor längerer Zeit keine Spermien in Präejakulat gefunden, aber insgesamt nahmen nur 43 Männer an diesen Studien teil. Einige der Männer hatten Gesundheitsprobleme, außerdem wurden mehrere Präejakulat-Proben nicht sofort analysiert. Deswegen kann man nicht sagen, ob ihre Spermien normal geschwommen sind.

Illustration: Elliot Salazar.

Eine vor kurzem durchgeführte Studie mit 27 gesunden Männern untersuchte jeweils mehrere Proben Präejakulat. Die Forscher untersuchten sie sofort und fanden heraus, dass sie ein Drittel aktive Spermien enthielten. Möglicherweise entstammten die einer früheren Ejakulation und können ausgeschwemmt werden, wenn ein Mann uriniert. Trotzdem hatten auch die Männer, die nach einer Ejakulation uriniert hatten, noch Spermien im Präejakulat.

Insgesamt kann man sagen, dass die Studie nicht ausschließen kann, ob Präejakulat eine Schwangerschaft auslösen kann, es ist aber durchaus möglich. Außerdem suggerieren die Ergebnisse, dass „vorzeitiges Rausziehen” für einige Männer besser funktioniert als für andere. Doch wenn du nicht gerade eine Präejakulat-Probe deines Partners da hast und über großartige Mikroskop-Fähigkeiten verfügst, wird es schwer herauszufinden, zu welcher Gruppe dein Gegenüber gehört.

Mythos 3: Nur verantwortungslose Menschen setzen auf „vorzeitiges Rausziehen”.

Sechzig Prozent der Frauen zwischen 15 und 44 Jahren in den USA haben „vorzeitiges Rausziehen” schon mal praktiziert. In der aktuellsten Studie aus den USA gaben 5 Prozent der Paare an, dass sie sich komplett auf diese Methode verlassen. Wenn man Paare dazu addiert, die zusätzlich mit einer anderen Methode verhüten, dann kommt man auf 10 Prozent. In anderen Worten: Personen aus allen Altersgruppen nutzen „vorzeitiges Rausziehen” zur Schwangerschaftsverhütung.

Mythos 4: „Vorzeitiges Rausziehen” hat gar keine Vorteile.

Es ist vielleicht nicht die effektivste Methode, aber das heißt noch lange nicht, dass es gar keine Vorteile hat. Keine Hormone, keine Kosten, keine Vorbereitung, keine Verschreibungspflicht, kein Apothekenbesuch, Spontanität - es gibt viele Gründe für „vorzeitiges Rausziehen”. Bei Frauen, die zuvor von vaginalen Infektionen wie bakterieller Vaginose betroffen waren, kann „vorzeitiges Rausziehen” sogar wiederkehrende Infektionen verhindern.

Illustration: Elliot Salazar.

Mythos 5: „Vorzeitiges Rausziehen” ist einfach

Es braucht Übung, Kommunikation und Notfallpläne, um „vorzeitiges Rausziehen” wirklich zu perfektionieren. Hier sind ein paar Tipps:

Übt das „vorzeitige Rausziehen”, während dein Partner ein Kondom trägt. Weiß er, wann er kommt? Schafft er es im richtigen Moment rausziehen? Falls nicht, nutzt lieber eine andere Methode.

Informiert euch über euren jeweiligen Stand sexuell übertragbarer Infektionen. „Vorzeitiges Rausziehen” kann zwar eine Schwangerschaft verhindern, doch vor Sexualkrankheiten schützt es nicht!

Kommuniziert miteinander. Sprecht darüber, was passiert, wenn doch ein Unfall passiert, wenn su schwanger wirst oder eine Sexualkrankheit übertragen wird.

Hab eine Notfallausrüstung da. Wenn das „vorzeitige Rausziehen” doch nicht klappt, solltest du andere Verhütungsmittel zuhause haben.

Kenn deinen Cyclus. Dabei helfen zum Beispiel Apps. An besonders fruchtbaren Tagen sollte zusätzlich ein Kondom verwendet werden.

Wenn Effektivität deine höchste Priorität ist, dann ist „vorzeitiges Rausziehen” wahrscheinlich nicht die passende Option für dich. Doch viele von uns tun es und es funktioniert für sie. Ist es perfekt? Ganz bestimmt nicht. Aber es ist eine Möglichkeit, die an jedem Ort und zu jeder Uhrzeit umsetzbar ist.

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