Mit 53 Millionen Euro gegen Erektionsstörungen oder Haarausfall – und für Frauengesundheit

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Scham, Stigma aber auch fehlendes Wissen: Nico Hribernik und Manuel Nothelfer (von links) wollen Menschen eine Plattform bieten, die sich mit ihren Beschwerden nicht in die Arztpraxis trauen.
Scham, Stigma aber auch fehlendes Wissen: Nico Hribernik und Manuel Nothelfer (von links) wollen Menschen eine Plattform bieten, die sich mit ihren Beschwerden nicht in die Arztpraxis trauen.

Intimgesundheit, Haarausfall oder psychische Belastungen – Manuel Nothelfer und Nico Hribernik lassen sich von Themen, über die andere vielleicht nicht so gerne sprechen, nicht einschüchtern. Für ihre Gesundheitsplattformen, die sie unter dem Dach von Wellster Healthtech betreiben, haben sie zuletzt viel Wachstumskapital bekommen: 35 Millionen Euro flossen bereits vor einem halben Jahr, jetzt wurde die Finanzierungsrunde um weitere 18 Millionen Euro aufgestockt.

Gestemmt wurde die Runde von Claret Capital und Mangrove Capital Partners. Die bestehenden Investoren Dermapharm, HV Capital und SevenVentures, der Investmentarm der ProsiebenSat.1-Gruppe, hatten bereits im ersten Schritt nachgelegt. Dass die Geldgeber ihre Portemonnaies öffneten, dürfte auch daran liegen, dass es in den USA bereits erfolgreiche Vorlagen für das Geschäftsmodell gibt: Während der Anbieter Hims bereits im Januar 2021 mit einem Börsengang zu einer Bewertung von 1,6 Milliarden US-Dollar vorgelegt hat, wurde Wettbewerber Roman in der letzten Finanzierungsrunde mit 4,4 Milliarden Dollar bewertet. Wellster will nachziehen und im Bereich vertikal integrierter Gesundheitsplattformen die Nummer eins außerhalb von Nordamerika werden.

Szeneköpfe halfen in den ersten Monaten

Frühe Unterstützung hatten Hribernik und Nothelfer durch erfolgreiche Unternehmer als Investoren bekommen. So investierten etwa die Flixbus-Gründer, Serienunternehmer Mato Peric oder Reinold Geiger, Gründer und CEO des Kosmetikkonzerns l’Occitane, in die Plattform.

Gegründet haben Hribernik, der einst beim Pampers-Hersteller Procter & Gamble arbeitete und als Head of Brand bei Flixbus Startup-Luft schnupperte, und der frühere Ergo-Direkt-Vorstand und Betreut.de-Mitgründer Nothelfer ihre Plattform im Jahr 2018 unter dem Namen Direct Health Service in München. Seitdem hat das Gründerduo mehrere Plattformen gestartet: Spring für Männergesundheit, easy. im Bereich Mental Health und easy.test, das medizinische Heimtests anbietet.

Die Wellster-Gründer wollen die erweiterte Finanzierungsrunde nun nutzen, um eine Plattform für Frauengesundheit aufzubauen. Angeboten werden sollen Behandlungen für Intimgesundheit sowie medizinische Lifestyle-Produkte.

Kooperation mit Online-Apotheken

Allen Plattformen gemeinsam sein soll eine Kombination aus digitaler Beratung und individuellen Behandlungsansätzen durch Nahrungsergänzungsmittel oder Medikamenten. In Deutschland verbietet das Arzneimittelgesetz (AMG) Anbietern wie etwa Spring, apothekenpflichtige Arzneimittel selbst zu vertreiben – das Startup muss dafür deshalb den Weg über Arztpraxen und Online-Apotheken gehen.

Seit dem Launch der ersten Plattform Mitte 2019 hat das Unternehmen, das derzeit etwa 70 Mitarbeiter beschäftigt, nach eigenen Angaben eine Reihe an Meilensteinen erreicht: Rund 1,5 Millionen Online-Sprechstunden sowie deutlich mehr als 100.000 Behandlungen seien abgeschlossen worden. Wachstum stellen die beiden Gründer stark in den Fokus: Auch direkte Übernahmen von bestehenden Unternehmen am Markt kommen für die beiden Gründer in Frage, um schnell mehr Martktanteile zu gewinnen.

Dieser Artikel erschien zuerst am 22. Juni 2021 und wurde mit Informationen zur erweiterten Finanzierungsrunde aktualisiert.

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