7 Dinge, die ich bei einer Swingerparty für Frauen gelernt habe

Sophie Saint Thomas

An einem lauen Samstagabend in New York City hat der Skirt Club, eine „Underground Community für Mädchen, die mit Mädchen spielen“ eine „Spielparty“ (also Sexparty) im Prohibitions-Look geschmissen, um sein einjähriges Bestehen zu feiern. Ich ging, ich kam, und ich hatte den besten Abend meines Lebens.

Geneviève LeJeune gründete den Skirt Club 2014 in London, um als bisexuelle Frau eine Lücke in der damaligen Play-Party Szene zu füllen. Nachdem sie einige gemischte Sex Parties mit ihrer damaligen Beziehung besucht hatte, bemerkte sie einige Hürden dabei, mit anderen Frauen auf diesen Parties in Kontakt zu kommen und zu spielen.

“Meine Bisexualität wurde eher zu einem Grund für ihn, um einen Dreier zu haben”, erzählt LeJeune. Und welche bisexuelle Frau kennt es nicht?

Es gibt zwar auch gemischte Sexparties, bei denen sich die Teilnehmer vor allem auf die Einwilligung des anderen und das Miteinander konzentrieren sollen, aber LeJeune wollte eine exklusive Community erschaffen, in der sich Frauen mit anderen Frauen treffen, austauschen und experimentieren konnten - weit weg von den Augen, Händen und erigierten Genitalien der Männer. Bevor ich auf der Prohibitionsparty gelandet bin, war ich schon mal auf einer anderen Sexparty. Sie war gemischt, aber dankbarerweise auf eine Community ausgerichtet, die Einwilligung ernst nahm - es gab also keine unangenehmen Übergriffe. Trotzdem habe ich nur zugeschaut.

Dieses Mal war ich sehr angetan von der Idee, mich mit anderen Frauen zu treffen und mit ihnen zu spielen, da das - so wie bei LeJeune - als Frau in einer festen Beziehung mit einem Mann - sowieso mein Anliegen auf solchen Parties ist.

Mit einer Freundin (wir nennen sie Eva), eine ehemalige Liebhaberin, bin ich also zur Party gegangen. Die Drinks und die Outfits waren alle dem Motto der Prohibitionszeit angepasst. Das Event fand in einem privaten Penthouse in der Lower East Side statt. Es gab eine riesige Badewanne mit einem unglaublichen Blick über die Stadt, mehrere Schlafzimmer mit schneeweißen Bezügen, beheizte Toiletten, ein sehr großes Bett im oberen Stockwerk (mehr dazu später). Die dekadente Bude, die Drinks und die Kostüme waren natürlich alle so beabsichtigt. “Frauen lieben detaillierte Deko, Champagner, Cocktails, Mottos - eine richtige Party eben!”, erklärt LeJeune.

Ich möchte ein paar Sachen verraten, die ich im Skirt Club gelernt habe - und was man wissen muss, wenn man eine Girls Only Sex Party besucht.

Du musst weder lesbisch noch bi sein, um auf eine Sexparty nur für Frauen zu gehen

Den Statistiken zufolge halten sich 70% aller Skirt Club Mitglieder für eine 0-3 auf der Kinsey Skala, was bedeutet, dass sie wahrscheinlich hetero- oder bisexuell sind. Für Frauen, die sich als hetero bezeichnen, kann es sehr schwer sein, sexuelle Erfahrungen mit anderen Frauen zu machen. Natürlich kann man sich bei Tinder anmelden, aber die Qualität der Ehrlichkeit und Offenheit auf Sexparties ist beeindruckend. Hier geht es direkt zur Sache. Skirt Club bezeichnet sich als eine Untergrund-Gemeinschaft für Frauen, die mit Frauen spielen, und genau das ist es.

Trotz der User-Statistiken habe ich im Skirt Club die Erfahrung gemacht, dass die Frauen weitaus kompetenter sind, als das Spektrum auf der Kinsey Skala hergibt. Die Frauen wussten, was sie taten. Viele Frauen haben sich auch als Lesben bezeichnet. Egal, wo man sich selbst auf der Kinsey Skala einschätzen möchte - wenn du eine Frau bist, die Sex mit anderen Frauen haben möchte, dann ist der Club genau das Richtige für dich (obwohl es einen strengen Auswahlprozess gibt).

Safer Sex ist wichtig - auch ohne Penetration

Als wir durch das Penthouse liefen, fielen mir die große Auswahl an Dental Dams - Lecktücher, die zur Verhütung beim Oralsex genutzt werden - auf, die elegant in der Nähe der Betten und in der ganzen Wohnung ausgelegt waren. Ein Dental Dam ist ein dünnes Tuch aus Latex, das man über die Vagina legt. Lasst uns ehrlich sein: Sie sind nicht besonders beliebt. Auch, wenn lesbische Frauen ein geringes Ansteckungsrisiko für Geschlechtskrankheiten wie HIV, Hepatitis und Tripper haben, kann man sich trotzdem beim Oralex mit HPV oder Genitalherpes anstecken oder die Infektionen verbreiten. Dennoch - so ein Latextuch ist halt nicht sexy, deshalb machen es viele auch nicht, auch nicht beim Skirt Club. Trotzdem fand ich es gut, dass es sie gab.

An einem sehr schönen Punkt des Abends hat jemand einen Strap-on hervorgeholt. “Da war jemand mit einem Strap-on?”, fragt LeJeune, als ich ihr davon erzähle - denn der Skirt Club rät seinen Mitgliedern von der Nutzung ab. Dildos können durch die Penetration viel einfacher Geschlechtskrankheiten übertragen. Allerdings, zu meinem (und LeJeunes) Vergnügen, wurde auf der Party auch mit dem Strap-on Safer Sex praktiziert. (Das bedeutet, der Dildo wurde mit antibakterieller Seife und Wasser nach jeder Nutzung gewaschen, und es wenn mehrere Partner aktiv waren, wurden Kondome benutzt).

Icebreaker können die Stimmung anheizen

Zu Beginn der Party wurden wir von einer wunderschönen Hostess begrüßt, die uns ins Penthouse führte. Ich will ehrlich sein, wenn man von 60 Frauen umzingelt ist, die alle nur Sex wollen, ist das am Anfang etwas seltsam. Aber LeJeune und die anderen haben die Stimmung mit ein paar Programmpunkten aufgelockert.

Nach einer Burlesque-Performance von Karina Libido und einer witzigen Ansprache über die Befreiung der Frau von Zoe Nightingale spielten wir ein Trinkspiel, bei dem man Tequila-Shots von fremden Körpern trinken musste. Bei anderen Skirt Club Events werden “Mutproben” ausgehändigt, um die Teilnehmerinnen dazu zu ermutigen, sich kennen zu lernen. Ich bin keine Trinkerin, also konnte ich bei dem Tequila-Spiel nicht mitmachen. Glücklicherweise fing kurz darauf das Flaschendrehen an, und ich hab mit Freude mitgemacht. Schon bald hatten alle schon mal miteinander geknutscht, und ziemlich schnell ging es dann zum “Spielen” über.

Beim Flaschendrehen habe ich beobachten können, wie einige Leute gegangen sind - ich bin davon ausgegangen, dass es ihnen keinen Spaß machte. Ich dachte an die Kinsey Skala und hatte Angst, dass alle zu straight und langweilig sein könnten. Oh man, ich hatte ja gar keine Ahnung, wie falsch ich damit lag. Es stellte sich nämlich heraus, dass da eine richtige Orgie im oberen Stockwerk im Gang war, auf einem Bett, das so groß war, dass die ganze Familie von Angelina und Brad Pitt inklusive 800 Kinder drin schlafen konnte. Und ich saß unten und spielte Flaschendrehen.

Wie jeder andere Sex ist auch lesbischer Sex mega heiß

Skirt Club präsentiert sich durchaus von einer sanften Seite - vermutlich, um neugierige Frauen nicht abzuschrecken. “Wir sind nicht kuschelig, aber auf jeden Fall auf der pinken und blumigen Seite von Sex; und nicht so sehr im Strap-on-Bunker verbarrikadiert. Aber die Betten sind definitiv nicht Rosenblüten bestreut”, beschreibt LeJeune ihren Club. Es gibt lieblichen, leidenschaftlichen Sex, bei dem die Schlüpper dranblieben (ich zähle alles mit Orgasmus zu Sex). Es gab anonymen “leck meine Muschi sofort”-Sex und hier und da sogar ein paar Peitschenhiebe. Es gab Gespräche über Düfte, es gab stöhnende Frauen, Gruppensex und höfliches Knutschen in der Badewanne.

Isobel Fuller, Eventmanagerin des Skirt Clubs, weist mich darauf hin, dass die Meisten Sex zwischen zwei Männern für immer hart und zwischen zwei Frauen für immer weich halten. Die Wahrheit ist, dass homosexueller Sex nicht anders als heterosexueller Sex ist; er kann langsam sein, er kann leidenschaftlich sein, er kann mega-aggressiv und heiß sein. Für diejenigen, die noch nie Sex zwischen zwei Frauen gesehen haben, kann der Skirt Club zu einer Offenbarung werden.

Man muss nur so weit gehen, wie man möchte

Ob es nur ums Küssen oder direkt um eine Orgie geht: Bei einer Play-Party muss man erst die Einwilligung der Anderen bekommen (und das gilt für alle anderen Situationen im Leben auch). Das bedeutet, dass man sich vorher schon im Klaren darüber sein muss, ob man überhaupt mitmachen möchte - aber natürlich darf man jederzeit seine Meinung ändern.

Wenn man erstmal auf so einer Party ist, kann es sehr leicht vorkommen, dass die Genitalien das Denken für den Kopf übernehmen. Deshalb ist es essentiell, dass man sich vorher schon Gedanken darüber macht, wo die eigenen Grenzen sind, was man sich von der Party überhaupt erhofft und wie weit man gehen möchte. Es hilft auch, wenn man sich nicht betrinkt und bei diesen Grenzen bleibt, um am nächsten Morgen nichts bereuen zu müssen.

Der Skirt Club zielt auf Frauen ab, die in einer festen Beziehung mit Männern sind und mit Frauen schlafen möchten (so wie ich). Es ist ungemein wichtig, mit dem Lebenspartner vorher klar abzusprechen, wo die Grenzen liegen. Wer das nicht macht wird unweigerlich in Teufels Küche kommen. Wer mehr erfahren möchte und wissen will, wie man auf Play Parties miteinander umgeht, sollte sich Effy Blues Play Party Etiquette Buch zu Herzen nehmen.

Sex Parties sind nicht für jede*n

Anderen Menschen beim Sex zuzuschauen ist im echten Leben ganz anders als im Porno. Es ist unordentlich, real und kann einen ganz schön nervös machen. Für manche heterosexuelle Frauen, die am Skirt Club aus Neugier teilnehmen, reicht es schon, anderen zuzusehen um zu merken, dass das nichts für sie ist. Ich hab einige Frauen gesehen, die früher gegangen sind, statt mitzumachen, und das ist auch voll okay so. Und es ist auch voll okay, wenn man sich in solche Parties verliebt und regelmäßig hingeht, oder wenn man merkt, dass man doch auf der Kinsey Skala höher liegt. Egal, was deine Reaktion auf der Play Party ist, niemand wird dich deshalb verurteilen.

Das Fazit

Ich war eine der Teilnehmerinnen, die am längsten blieb (ohne die von meinem Partner und mir festgelegten Grenzen zu überschreiten), und ich hatte einen fantastischen Abend. Der Skirt Club hat mir genau das gegeben, was ich wollte: einen sicheren Ort, um mit anderen queeren Frauen zusammen zu kommen. Obwohl ich mich selbst als queer bezeichne, weil ich mich auch zu nicht-binären Menschen hinzu gezogen fühle, würde ich mich durchaus auch als bisexuell bezeichnen und auch dieser Community hinzuzählen. Ein Vorurteil gegenüber bisexuellen Menschen ist es, dass wir nicht in der Lage sind, monogam zu leben. Als ich jünger (und dümmer) war, habe ich diesen Stereotyp verkörpert - ich war noch auf der Suche nach meiner sexuellen Orientierung und meinen Vorlieben. Beim Schreiben dieses Artikels habe ich die Sorge gehabt, dass ich vielleicht diese Vorurteil noch verstärke - denn in Wahrheit sind bisexuelle Menschen nicht nur in der Lage dazu, monogam zu leben, viele bevorzugen das sogar.

Aber es gibt definitiv nicht-monogame oder semi-monogame (wenn man in einer monogamen Beziehung ist, die Ausnahmen wie etwa Sex Parties erlaubt) Menschen. Es gibt auch nicht-monogame Heterosexuelle, von denen auch genügend ihre Einstellung beim Betrügen statt in offener Kommunikation ausleben - leider. Es gibt im ganzen LGBTQ-Spektrum unterschiedliche Auslegungen von Monogamie. Meine Erfahrungen im Skirt Club sprechen nicht für alle bisexuellen Frauen. Wir können safe spaces für Frauen, die in Beziehungen mit Männern sind, herstellen, damit sie mit anderen Frauen schlafen - und trotzdem verstehen, dass nicht alle bisexuellen Menschen darauf stehen.

Auf der Skirt Club Party war nicht nur für den Moment meine Leidenschaft entfacht. Das Gefühl der Erregung hielt noch Tage später an, was sehr gut für meine Beziehung war. Frauen in festen Partnerschaften sollten ihre Männer natürlich daran erinnern, dass ihre Penisse trotzdem geliebt und geschätzt werden. Bei der Erfahrung mit anderen Frauen geht es nämlich nicht um sie, sondern um euch selbst. “Das Problem mit Männern ist, dass sie mit dem Schwanz denken”, sagt LeJeune. Deshalb ist es auch in Ordnung, Räume zu schaffen, in denen Jungs nicht erlaubt sind.

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