9 schlechte Angewohnheiten, die deine*n Chef*in furchtbar nerven

Amelia Edelman

Manche Tabus am Arbeitsplatz sind offensichtlicher als andere. Ich war beispielsweise durchaus überrascht, als mir mein damaliger Chef eine Standpauke über die Wahl meiner Accessoires hielt und mich aufforderte, in Zukunft doch bitte Ohrringe zu tragen, die besser zu der Firma passen würden. Als eine andere Chefin mich jedoch mal zur Seite nahm, um mir zu sagen, dass „9 Uhr morgens auch 9 Uhr morgens heißt“, wusste ich, dass ich es verdient hatte. Auf der Arbeit kann das, was von einigen als lustige kleine Eigenheit gesehen wird, von anderen als so ärgerlich wahrgenommen werden, dass sie morgens schon schlecht gelaunt ins Büro kommen. Und während einige schlechte Eigenschaften (wie lügen oder gemein sein) einfach inakzeptabel sind, gibt es auch andere Verhaltensweisen (wie eine Abwehrhaltung oder das Ausplaudern von allzu intimen privaten Dingen), die die Grenze überschreiten. Vielleicht glaubst du, dass du locker mit diesen Eigenschaften davonkommst, aber die Chancen stehen gut, dass dein*e Chef*in sie bereits bemerkt hat – und genervt ist.

Was sind also die nervigsten Mitarbeitereigenschaften, die tatsächlich schlimmer sind, als sie zunächst scheinen? Wir sprachen mit erfahrenen weiblichen Vorgesetzten, die in den Bereichen Medien, Personal, Technik, High-End-Gastronomie und Foodservice tätig sind, um sie nach ihren Erfahrungen zu fragen. Du denkst vielleicht, dass deine Angewohnheiten harmlos sind, aber es ist gut möglich, dass sie dein*e Chef*in in den Wahnsinn treiben.

Das ist wahrscheinlich die schlimmste, weil häufigste schlechte Angewohnheit: Nicht richtig zuhören. Du bist gerade mitten in einer Aufgabe, als dein*e Chef*in hereinstürmt und dir detaillierte Anweisungen für die nächste gibt. Während du mit einem Ohr zuhörst, bist du zeitgleich damit beschäftigt, an der Aufgabe weiterzuarbeiten. Multitasking machst du ja wohl mit links. Tja, schön wär’s.

Das wahrscheinlichere Szenario ist, dass du deinen Boss zwei Tage später erneut nach der Aufgabe fragen musst. Das bedeutet für sie oder ihn doppelte Arbeit. Deswegen tu euch beiden den Gefallen: Wenn sie oder er das nächste Mal mit einer neuen Aufgabe auf dich zukommt, schnapp dir einen Block oder öffne das Notizen-Programm auf deinem PC und mache dir Notizen.

Das Gleiche gilt für sich wiederholende Projekte, die jedes Mal dem gleichen Prozess folgen. Julia arbeitet als Managerin in einem Personalunternehmen in New York und ist genervt von der „Unfähigkeit, die Prozesse von einem Projekt ins nächste zu übertragen. Jedes Mal, wenn man ein neues Projekt startet, muss man nicht den gesamten Prozess neu erfinden. Wir haben Vorlagen, wir haben Tabellenkalkulationen; alles ist schon da. Es ist absolut nicht erforderlich, jedes Mal das Rad neu zu erfinden.“

Wenn du im Service arbeitest, zum Beispiel in der Gastro oder dem Hotelgewerbe, kann Plauderei durchaus Teil des Jobs sein. Aber es ist eine Sache, mit eine*r Kund*in über das Wetter zu plaudern. Es ist eine andere, ihr oder ihm alle Details über deine letzte Trennung zu erzählen. Jane ist Restaurantmanagerin und sagt: „Es gibt nichts Schlimmeres für mich, als wenn Mitarbeiter*innen zu viel Privates mit unseren Gästen teilen. Das ist sowas von unangemessen.“

Genauso unnötig? „Mir jedes einzelne Symptom und den minutiösen Krankheitsverlauf runterzubeten, wenn du dich krankmeldest“, meint Nikola, die für einen gemeinnützigen Verein für Energieeffizienz in Chicago arbeitet. Sie fügt hinzu, dass die vielen Informationen, abgesehen davon, dass sie unangemessen sind, leicht so wirken können, als versuche jemand, die Wahrheit einer erfundenen Geschichte durch eine Vielzahl von Details zu beweisen. „Sag einfach, dass du krank bist“, rät sie.

Wovon du ausgehen kannst: Dein Boss weiß, wie er oder sie ihren Job zu machen hat. Es mag offensichtlich klingen, aber so zu tun, als wüsstest du mehr als sie oder er, ist kein guter Weg, um zu beweisen, was du alles kannst. Pam ist Managerin in New York und berichtet: „Besonders junge Typen kommen oft mit einem Riesenego auf mich als weibliche Vorgesetzte zu und wollen mir Sachen erklären, von denen sie wohl annehmen, dass ich sie nicht weiß oder kann. Mir wollten Berufseinsteiger schon beibringen, wie man Espresso macht oder wie ich mit einer Kamera umzugehen habe, die ich seit zehn Jahren benutze.“

Abgesehen vom Mansplaining gibt es noch eine Sache, die für Pam von großer Wichtigkeit ist: Dass ihre Mitarbeiter*innen den Unterschied zwischen einem normalen Arbeitstag und einem Tag, an dem ein wichtiger Kundentermin ansteht, verstehen. „Du musst ein Bewusstsein dafür haben, wann es in Ordnung ist, mit Kolleg*innen zu plaudern, Witze zu machen und zu lachen, und wann nicht“, erklärt sie. „Es scheint simpel, aber wenn mir ihr Verhalten nicht passt, bringe ich Leute einfach dazu, den Mund zu halten. Um es ganz klar zu machen: Ich habe keine Lust, dieses selbstverliebte Millennial-Verhalten zu managen. Stell dein Handy auf lautlos, verlasse den Arbeitsplatz, wenn du ein persönliches Telefonat tätigen musst und schau dir nicht in voller Lautstärke Youtube-Videos an, wenn andere Leute um dich herum versuchen, zu arbeiten.“

Der gleichen Meinung ist Jaya, die ein Tech Team in Boston leitet. „Ich treffe gerade bei Mitarbeiter*innen im Millennialalter oft auf jede Menge Ansprüche und größenwahnsinniges Verhalten. Sie arbeiten gerade mal einen Tag bei uns und fragen dann nach einer Beförderung. Als mir einige Mitarbeiter*innen sagten, dass ich theoretisch gesehen auch zu den Millennials gehöre, konnte ich nur lachen. Den Schuh zieh ich mir nicht an.“

Wenn dein Boss dich kritisiert, ist es ganz normal, dass du dich verteidigen möchtest. Und auch wenn du natürlich den Mund aufmachen sollst, wenn du fälschlicherweise angeklagt wirst, musst du nicht alle möglichen kleinen Gründe aufzählen, wieso du gar nichts dafür kannst, dass das Projekt verspätet ist. Wenn dir beispielsweise gesagt wird, dass deine Arbeit einfach nicht den Standard erfüllt, solltest du das Feedback für den Moment einfach annehmen und deine*r Vorgesetzten versichern, dass du dich in Zukunft mehr anstrengen wirst.

„Ausreden bringen niemanden weiter“, sagt Julia. „Genauso wenig, wie Feedback immer als Kritik aufzufassen. Klar kommt es immer darauf an, wie die Information der oder dem Mitarbeiter*in präsentiert wird. Aber selbst wenn ich ganz nüchtern bin und einfach nur versuche, konstruktives Feedback zu geben, gibt es immer noch Mitarbeiter*innen, die alles, was kein Lob ist, persönlich nehmen.“

Du bist intelligent, kreativ und denkst effizient. Warum gibst du also auf, wenn du das Gefühl hast, dass es plötzlich etwas anstrengend werden kann? „Behandle ein Hindernis nicht gleich wie ein unlösbares Problem. Es ist eine Herausforderung, die es zu meistern gilt. Es passiert leider viel zu oft, dass Mitarbeiter*innen Herausforderungen als Grund nehmen, wieso sie etwas nicht lösen können, anstatt kreative Wege finden, um Situationen zu begegnen,“ sagt Julia.

„Zu sagen, diese Aufgabe sei ein Job für jemanden oberhalb deiner Gehaltsklasse, impliziert, dass deine Arbeit nicht gut genug ist, um in diese Gehaltsklasse aufzusteigen“, fügt Nikola hinzu. Einfach dazusitzen und dem Problem beim Eskalieren zuzusehen kann den Eindruck erwecken, dass du nicht an Wachstum interessiert bist­ – weder an deinem eigenen, noch an dem deiner Firma.

Hey, wir waren alle schon mal an diesem Punkt. Vielleicht hast du nur eine schlechte Woche, oder du fühlst dich nicht mehr wirklich mit dem Job verbunden und bewirbst dich schon woanders. So oder so: Bis zu dem Tag, an dem du deine Sachen packst, eine anerkennende Abschieds-E-Mail schickst und dich aufmachst zu neuen Ufern, hast du immer noch diesen Job. Verhalte dich dementsprechend.

Das Gegenteil von „keine Eigeninitiative“ ist: Nicht nein sagen können. Wir alle wollen unseren Vorgesetzten zeigen, dass wir uns engagieren, aber es ist wichtig, deinem Boss zu signalisieren, wenn du schon genug Arbeit auf dem Tisch hast. Wenn du weiterhin Aufgaben übernimmst, obwohl du schon längst in Arbeit ertrinkst, wird das deine Performance nicht besser machen. Hab deswegen keine Angst davor, zu sagen: „Ich kann das aktuell nicht leisten. Können wir über andere Möglichkeiten reden, diese Aufgabe zu erledigen?“

Julia sagt, dass es außerdem wichtig ist, dir darüber im Klaren zu sein, für wen du eigentlich arbeitest. „Es ist ein Problem, wenn du jedem Hilfe zusicherst, der dich darum bittet. Dein Job beinhaltet nicht, alles zu tun, worum Leute dich bitten, sondern darum, das zu tun, was dein*e Vorgesetzte*r von dir verlangt.“ Und deine Grenze zu kennen und zu kommunizieren, möchten wir hinzufügen.

Ja, es ist wichtig, deine Meinung zu äußern, wenn du das Gefühl hast, dass auf der Arbeit gerade gehörig was falsch läuft oder wenn du immer wieder mit eine*r Kolleg*in aneinanderrasselst. Jaya erklärt, dass oftmals nicht die Beschwerden das Problem sind, sondern dass die meisten Mitarbeiter*innen nur ihren Standpunkt wahrnehmen. Es ist eine Sache, deine Vorgesetzten auf ein Problem aufmerksam zu machen. Eine andere ist es, in das Gespräch zu gehen und dir schon überlegt zu haben, wie dieses Problem gelöst werden könnte. Zeig deinem Boss, dass du dich bereits mit der Fragestellung beschäftigt hast und bereite im besten Falle eine Liste mit Lösungsvorschlägen vor. So zeigst du, dass du nicht nörgeln, sondern das Thema anpacken möchtest.

Ach ja, der gute alte 9-to-5-Rhythmus. Wenigstens auf eins kann man sich in dieser turbulenten Zeit noch verlassen. Daran ist einfach nicht zu rütteln… Oder doch? Die Versuchung, weniger zu arbeiten, ist omnipräsent. Jeder kommt mal zu spät oder verpasst einen Zug. Aber wenn du andauernd später im Büro aufkreuzt, als du solltest, vermittelt das einfach den falschen Eindruck. Darüber waren sich alle Managerinnen, mit denen wir gesprochen haben, einig. Pam erklärt: „Wenn jemand jeden Tag zu spät kommt – selbst wenn es immer nur eine Viertelstunde ist, nervt mich das. Besonders, weil wir nach Deadlines arbeiten. Woher soll ich wissen, wann die oder der Mitarbeiter*in reinkommt und ob die Arbeit dann auch fertig wird, oder ob ich noch zusätzliche Manpower für das Projekt brauche?“

Julia sagt, nichts nerve sie mehr, als wenn ein*e Mitarbeiter*in mit 9-bis-5-Routine regelmäßig „um 16.58 Uhr seine Sachen zusammenpackt“. Klar solltest du in der Regel rechtzeitig gehen können, aber wenn du auch mal eine halbe Stunde länger bleiben kannst, um ein wichtiges Projekt abzuschließen, wird dein Boss sicherlich auch gerne mal ein Auge zudrücken, wenn du einen wichtigen Termin hast und früher losmusst.

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