Abfindungen: Wer sie bekommt und wie hoch sie ausfallen können

Ann-Catherin Karg
Freie Journalistin

Wenn deutsche Top-Manager wie Wendelin Wiedeking, Thomas Middelhoff oder Klaus Zumwinkel ihren Posten räumen, lassen sie sich das mit Abfindungen versüßen, die auch mal im mittleren zweistelligen Bereich liegen können. Aber gibt es für normale Angestellte überhaupt einen Anspruch auf eine Abfindung und mit wie viel Geld kann man dabei rechnen?

Wenn Mitarbeiter gekündigt werden, wird hin und wieder eine Abfindung fällig. Doch wem steht sie zu und wie hoch fällt sie aus? (Bild: Getty Images)

Einen automatischen Anspruch auf eine Abfindung im Kündigungsfall gibt es nicht. Oft bieten die Unternehmen Angestellten aber eine Einmalzahlung an, um damit einen Prozess vor dem Arbeitsgericht zu vermeiden. Ein solcher könnte nämlich auch dazu führen, dass sie den geschassten Mitarbeiter wieder einstellen und ihn auch für die Zeit bezahlen müssten, in der er nach der Kündigung gar nicht gearbeitet hat. In anderen Fällen bieten Unternehmen zum Beispiel gezielt älteren Mitarbeitern eine Abfindung an, damit diese früher in Rente gehen.

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Welche Summe ist normal?

Als Ausgangsbasis für eine Abfindung kann man einen halben oder ganzen Monatsbruttolohn pro Beschäftigungsjahr zugrunde legen. Davon müssen keine Beiträge zur Renten-, Kranken-, Pflege- oder Arbeitslosenversicherung abgeführt werden. Ein Anspruch auf eine Abfindung dieser Größenordnung besteht aber nicht. Im Einzelfall kann die Einmalzahlung niedriger, aber auch höher ausfallen. Wie hoch die Abfindung ausfallen kann, hängt von mehreren Faktoren ab.

Welche Faktoren sind entscheidend?

Unter den Faktoren, welche die Höhe einer Abfindung maßgeblich beeinflussen können, sind zum Beispiel die vermutlichen Erfolgsaussichten in einem Kündigungsschutzprozess, die Beschäftigungszeit und das Gehalt des Arbeitnehmers, sein Alter und Familienstand, die Perspektive, eine neue Stelle zu finden, die Dringlichkeit der Kündigung für den Arbeitgeber, rechtliche Zweifel am Kündigungsgrund und nicht zuletzt auch das Verhandlungsgeschick des Arbeitnehmers beziehungsweise seines Anwalts. Generell empfiehlt sich ein Anwalt vor allem für Inhaber einer Berufsrechtsschutzversicherung.

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Was ist mit Arbeitslosengeld und Steuern?

Sobald die ordentliche Kündigungsfrist verstrichen ist, hat man als gekündigter Arbeitnehmer Anspruch auf Arbeitslosengeld – auch, wenn man eine Abfindung erhalten hat. Durch die Fünftelregelung für außerordentliche Einkünfte im Steuerrecht kann die Abfindung so berechnet werden, als wäre sie über fünf Jahre verteilt ausgezahlt worden. Damit wird verhindert, dass sich der Jahresbruttoverdienst inklusive der Abfindung so erhöht, dass mehr Steuern fällig werden.