„Abstoßende“ Instagram-„Beileidsbekundungen“ nach Hurrikan Dorian

Nach dem verheerenden Hurrikan Dorian erklären viele in den sozialen Medien ihr Mitgefühl für die Menschen in den Bahamas. Nicht jeder trifft dabei den richtigen Ton...

Als der Monstersturm Dorian verheerende Schäden auf den Bahamas anrichtete und dabei mindestens fünf Menschen ums Leben kamen, waren Millionen Menschen weltweit in Gedanken bei den Betroffenen.

Eine Handvoll Instagram-Nutzer sprachen zwar ihr Beileid in den sozialen Medien aus, wurden jedoch für ihre leeren Worte kritisiert.

Unter den zahlreichen Posts mit den Hashtags #prayforbahamas und #bahamas – mit denen Tausende ihre Unterstützung ausdrückten – befanden sich auch Bilder von spärlich bekleideten Frauen und Männern.

Ein Beileidsbeitrag, nachdem Hurrikan Dorian auf den Bahamas gewütet hatte. Quelle: Instagram
Eine andere Frau nahm ein Foto von sich selbst im Bikini, um ihr Mitleid mit den Betroffenen des Wirbelsturms Dorian zu zeigen. Quelle: Instagram

Ein längerer Beitrag begann mit den Worten: „Es tut mir in der Seele weh, während ich hier sitze und die Nachrichten höre und das Video von Hurrikan Dorian sehe.“

Doch im Kommentarbereich des Beitrags taggte die Nutzerin die Marke des Bikinis, den sie auf dem Foto trug.

Eine weitere bekannte Instagram-Influencerin, die über 500.000 Follower hat, teilte ein Urlaubsfoto von sich, das sie auf den Bahamas im seichten Wasser zeigt. Gleichzeitig bot sie der Nation ihre Unterstützung an.

Viele User merkten an, dass das Bild unpassend für die von ihr gewählten Worte sei.

„Das ist eine sehr seltsame Bildwahl, um seine Sorge um die Bahamas zu zeigen“, schrieb jemand.

„Das klingt wirklich mehr danach, als würdest du das Hashtag eines Unglücks nutzen, um für dich selbst Werbung zu machen.“

Instagram-Influencer wurden für ihre Posts zu den Bahamas kritisiert. Quelle: Instagram
Eine weitere Instagram-Nutzerin postete ein Urlaubsfoto. Quelle: Instagram

Ein Mann teilte ein Foto von sich selbst mit der Bildunterschrift: “Ich denke an das Land, das ich liebe.”

Weiter unten in der Bildunterschrift hatte er Dutzende auf Fitness bezogene Hashtags wie #gymlife, #fitness und #motivation eingefügt.

Irgendwo dazwischen war #bahamas versteckt.

Ein Mann verwendete ein Foto von sich selbst mit nacktem Oberkörper, um seine Gedanken zu den Bahamas auszudrücken. Quelle: Instagram
Eine Frau schrieb, sie sei erschüttert darüber, was Hurrikan Dorian auf den Bahamas angerichtet hatte. Quelle: Instagram

Eine andere spärlich bekleidete Frau postete ein Foto von sich selbst in einem roten Bikini mit der Bildunterschrift: „Ich bete für die Sicherheit dieses wunderschönen Landes #Bahamas.“

Jemand kritisierte das Foto und schrieb auf Instagram: „Stell dir vor, du benutzt eine Katastrophe wie Dorian, um deinen A***** auf Instagram zu zeigen.“

„Hier ist ein Foto meines A*******, um zu beweisen, wie sehr ich für die Sicherheit dieses wunderschönen Landes bete“, schrieb jemand anderes.

„Respektvoll wie Scheiße“, kommentierte jemand.

Und ein weiterer entsetzter User schrieb: „Das ist echt abartig, lösch das.“

Eine Frau wurde dafür kritisiert, dass sie ein Foto von sich in einem roten Bikini gepostet hatte. Quelle: Instagram

Hurrikan Dorian sorgte am Montag auf den Bahamas für massive Überschwemmungen und die Inselgruppe war zudem extrem starkem Wind und Wassermassen ausgesetzt. Die zuständigen Behörden rieten den Einwohnern, Auftriebshilfen und Hämmer bereitzuhalten, um im Notfall aus ihren Dachböden entkommen zu können.

Der Sturm forderte mindestens fünf Todesopfer.

„Dies ist eine Tragödie historischen Ausmaßes“, sagte Premierminister Hubert Minnis angesichts der Schäden.

Er nannte die Verwüstung „beispiellos und umfangreich“.

Der furchterregende Sturm der Kategorie 4, der jetzt auf Kategorie 3 heruntergestuft wurde, bewegt sich mittlerweile so gut wie gar nicht mehr voran. Auf seinem bisherigen Weg hat er Dächer zerfetzt und Autos umhergeschleudert – selbst die Rettungskräfte mussten sich in Sicherheit bringen, bis das Schlimmste vorbei ist.

Die Behörden sagten, sie hätten eine „ungeheure“ Anzahl an Anrufen von Personen erhalten, die in ihren überschwemmten Häusern eingeschlossen waren.

Satellitenaufnahmen zeigen, wie Hurrikan Dorian sich seinen Weg über die Bahamas bahnt. Quelle: AAP

Ein Radiosender erhielt über 2000 Notrufe, darunter auch Berichte über ein fünf Monate altes Baby, das auf einem Dach festsaß und eine Großmutter mit sechs Enkeln, die ein Loch in ein Dach geschnitten hatte, um den steigenden Fluten zu entkommen.

Andere Berichte handelten von einer Gruppe von acht Kindern und fünf Erwachsenen, die auf einem Highway festsaßen und von zwei Sturm-Schutzräumen, die überflutet worden waren.

Die Todesfälle auf den Bahamas kommen nach einem ebenfalls durch den Sturm verursachten Todesfall in Puerto Rico.

Laut dem Premierminister wurden mindestens 21 Menschen auf den Bahamas verletzt und mit Helikoptern evakuiert.

Der Polizeichef Samuel Butler forderte die Menschen auf, Ruhe zu bewahren und ihre GPS-Koordinaten mitzuteilen. Er sagte jedoch auch, dass die Rettungskräfte abwarten müssten, bis sich die Wetterlage stabilisiert.

„Wir können einfach nicht zu euch kommen“, erklärte er dem bahamaischen Radiosender ZNS.

Bis Dienstagmorgen hatte sich Dorian zu einem Hurrikan der Kategorie 3 abgeschwächt. Er hat die Bahamas jedoch weiterhin fest im Griff, da er fast zu einem Stillstand gekommen ist.