Absurde Frisurendebatte um Alexandria Ocasio-Cortez

Alexandria Ocasio-Cortez ist in eine haarsträubende Debatte geraten (Bild: Reuters/Lucas Jackson)

Alexandria Ocasio-Cortez, die sich selbst als demokratische Sozialistin bezeichnet, wurde von der konservativen “Washington Times” für ihre Frisur kritisiert. Genauer: Dass sie dafür zu viel Geld ausgebe.

Der mit “EXCLUSIVE” überschriebene Artikel nennt als Quelle Personen aus dem Umfeld des Haar-Salons, den AOC regelmäßig besucht. Demnach gebe die Abgeordnete, sie sitzt für den 14. Kongresswahlbezirk New York Citys im Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten, umgerechnet etwa 70 Euro für einen Schnitt und 160 für Lowlights aus. Mit Trinkgeld, die Times legt da 20 Prozent an, würden insgesamt ungefähr 270 Euro zu Buche schlagen.

Die Zeitung schreibt weiter: “Die selbsternannte Sozialistin, die regelmäßig gegen die Reichen austeilt und sich über die Lebenshaltungskosten im Einzugsgebiet der Stadt beschwert, gibt fast 300 Dollar für ihre Haare in einem teuren Haar-Salon aus, den sie regelmäßig in Washington besucht.”

Jeff Sessions Frisur zahlen Steuerzahler mit

Nun hat der, mindestens reißerische, Artikel einige Probleme: 70 Euro für einen Haarschnitt sind, das berichtet etwa “Mashable”, absoluter Standard in Washington für einen Frauenhaarschnitt. So habe die App “Square” im Jahr 2016 die Preise in allen amerikanischen Städten verglichen, Washington sei demnach am teuersten mit knapp 70 Euro pro Schnitt, Männer zahlen durchschnittlich rund 54 Euro.

Zudem wirft der Times-Artikel AOC vor, nicht den eigens subventionierten Friseur, der exklusiv Politikerinnen und Politikerin im Russell Senate Office Building, gleich nördlich des Kapitols, zu nutzen. Dabei stand diese Einrichtung wiederholt in der Kritik, unverhältnismäßig viel Steuergeld zu kosten. Jeff Sessions, der ehemalige republikanische Justizminister, lässt sich dort noch immer regelmäßig die Haare schneiden - dafür zahlt er selbst umgerechnet gerade Mal 18 Euro, für den Rest kommt der Steuerzahler auf.

Von Sozialisten und kapitalistischen Praktiken

Da stellt ein Twitter-Nutzer, die wohl nicht ganz ernst gemeinte, aber auch nicht unberechtigte Frage: Wieso lässt sich AOC nicht einfach die Haare wie Sessions schneiden?

AOC indes verweigerte der “Washington Times” einen Kommentar zu dem Vorwurf. Sie reagierte allerdings auf Twitter und fragte dort sarkastisch: Wie könnten demokratische Sozialisten, wie sie und Bernie Sanders es nur wagen, an so kapitalistischen Praktiken, wie Waren einkaufen oder Dienstleistungen, teilzunehmen? Weiter schreibt sie: “Der rechte Flügel will für die eigenen moralischen Verfehlungen nun den demokratischen Sozialismus verantwortlich machen. Weil unsere politischen Ziele, wie die Gesundheitsversorgung für alle oder mehr Wohlstand für Arbeiter und Arbeiterinnen, haben ja nur das Ziel, dass wir gut aussehen.”

Dann weist sie noch darauf hin, dass Vizepräsident Mike Pence vor kurzem 600.000 Dollar, knapp 550.000 Euro, Steuergelder ausgegeben hat, um in seiner Limousine einen kleinen Umweg zu machen und einen Golfplatz des Präsidenten Donald Trump zu besuchen. “Da berichtet niemand”, schreibt sie dazu.

Doppelmoral – würde bei einem Mann auch berichtet?

AOC erhält seither online viel Zuspruch, zahlreiche Kommentare kritisieren die Doppelmoral, an die Frauen der Öffentlichkeit gehalten werden. Nicht zu Unrecht stellen viele Twitter-Nutzerinnen und -Nutzer Fragen, etwa: Wäre das auch eine Geschichte bei einem Mann? Ist es nicht der amerikanische Traum, auf dem das ganze Land fußt, dass man mit harter Arbeit gesellschaftlich aufsteigen kann? Dürfe nur reiche, privilegierte Menschen Statussymbole tragen oder Geld für ihr Aussehen ausgeben? Wie würden Politiker und Politikerinnen aussehen, wenn sie nur ihres Parteibuchs entsprechend gekleidet und gestylt wären? Und ist es nicht eigentlich Privatsache, wofür ein Mensch sein Geld ausgibt?