Adetutu Alabi - das inspirierende Model mit den Stammesnarben

Vanessa Peschla
Lifestyle Editor
Adetutu Alabi ließ ihre Narben für ein Shooting dramatisch in Szene setzten (Courtesy: Adetutu Alabi)

Traditionell werden Kindern, die dem westafrikanischen Volk der Yoruba angehören, Ziernarben zugefügt. Nur so werden sie vollwertiges Mitglied ihres Stammes, wobei jeder Stamm sein eigenes Design hat. Größe, Muster und Körperstelle verweisen auf die jeweilige Zugehörigkeit, dienen also der Identifikation. Auch beim nigerianischen Model Adetutu Alabi sind solche Narben im Gesicht zu sehen - wobei sie sich heutzutage lautstark gegen die Fortführung dieser Tradition engagiert.

Alabi wurde ihr ganzes Leben lang für ihre Narben im Gesicht gehänselt. Sie wurde in der Schule verspottet und konnte auch keine richtige Beziehung führen. Der Vater ihrer Tochter Peace wollte sich nur nachts mit ihr treffen und verließ sie nach der Geburt des Kindes. Trotz aller Widrigkeiten schaffte sie es, ihren größten Wunsch wahr werden zu lassen: Model zu werden.

Alabi mit einem extravagantem Beauty-Look für eine Recycle-Campagne (Courtesy: Adetutu Alabi)

"Heute macht mir das Mobbing nicht mehr so viel aus, auch wenn ich immer noch beleidigt werde, wenn ich unterwegs bin", erzählte sie der afrikanischen Nachrichtenagentur The Nerve Africa. Sie hat sich mit ihren Narben abgefunden und möchte sie nicht mehr verstecken.

Obwohl Stammesnarben bei Kindern in Nigeria mittlerweile gesetzlich verboten sind, halten viele in ihrer Heimat an der Tradition fest. Daher nutzt Adetutu Alabi ihre Bekanntheit, um immer wieder darauf aufmerksam zu machen und sich darüber hinaus für Schönheit in jeder Form einzusetzen.

Die #TribalMarksChallenge

So rief sie 2018 die #TribalMarksChallenge ins Leben, um auf die traditionellen Ziernarben aufmerksam zu machen. Adetutu bat Frauen, die dasselbe durchgemacht hatten, sich stolz und selbstbewusst auf Instagram zu zeigen. Zahlreiche Frauen und auch Männer folgten ihrem Aufruf und posteten inspirierende Bilder, auf denen die Narben deutlich zu erkennen sind.


Auch bei ihren Fashion-Shootings geht das Model selbstbewusst mit ihren Narben um und lässt sie weder retuschieren noch durch Make-Up abdecken. "Sie sind sehr wichtig, deshalb will ich nicht, dass sie überschminkt werden. Sie können darum herum arbeiten. Die Narben sollen zu sehen sein, denn das ist mein Markenkern: Ich bin das Model mit den Stammesnarben", erklärt Alabi in der ARD-Sendung Weltspiegel. Dass sie ihre Narben so stolz trägt, soll auch anderen Frauen Selbstbewusstsein geben.

Auch bei Mode-Shootings sind Alabis Narben zu erkennen (Courtesy: Adetutu Alabi)

Dieser Erfolg macht sie stolz, doch das Wichtigste für das nigerianische Model ist, dass die Ziernarben niemandem mehr aufgezwungen werden. Jeder solle aus freien Stücken und in einem entscheidungsfähigen Alter für sich selbst entscheiden dürfen, ob er die Narben will oder nicht. Denn das ist es, wofür sie sich vor allem einsetzt: Das Recht auf Selbstbestimmung und die Akzeptanz verschiedenster Schönheitsideale.