AfD-Verband will gegen Nürnberger Christkind hetzen - und erntet "Lovestorm"

Benigna Munsi wird nun zwei Jahre lang das Nürnberger Christkind verkörpern. Wichtigste Aufgabe ist die Eröffnung des Christkindlesmarkts (Bild: Daniel Karmann/dpa)

Auf das neu gewählte Nürnberger Christkind gibt es offenbar zwei Sichtweisen: Die einen sehen in der 17-Jährigen Benigna Munsi eine junge Frau mit einem gewinnenden Lächeln, die eine hervorragende Besetzung für die traditionsreiche Rolle sein dürfte.

Auf der Webseite des Christkindlesmarkts werden unter anderem ihr Engagement im Jugendchor und als Ministrantin ihrer Kirchengemeinde hervorgehoben. Sie spielt mehrere Instrumente, besuchte eine Ballettschule und sammelt Schauspielerfahrung an einem Jugendtheater - Talente, die ihr bei öffentlichen Auftritten sicher zugute kommen werden. “Ihre frische, herzliche, empathische und unbekümmerte Art, ihre Ehrlichkeit und Offenheit hat die Jury beeindruckt. Wir sind sicher, dass sie die Aufgabe, auf alle Menschen zuzugehen, mit ihrer spontanen Art hervorragend meistern wird“, begeistert sich der städtische Pressesprecher Dr. Siegfried Zelnhefer in der Mitteilung zur Wahl, die einstimmig ausgefallen war.

So sehr freute sich Benigna Munsi über die Wahl zum Christkind (Bild: Daniel Karmann/dpa)

Andere sehen nur eines: Ihre Hautfarbe. Der Vater der gebürtigen Nürnbergerin stammt aus Indien, sie ist die erste Person of Color, die zum Christkind gewählt wurde. Leider wenig überraschend, finden sich deshalb in den Kommentarspalten zu Beiträgen über die Wahl zahlreiche rassistische Postings. Und ebenso wenig überraschend springen auch einzelne Verbände der AfD auf den Zug auf.

Der AfD Kreisverband München-Land hat offenbar ein Problem mit dem Nürnberger Christkind (Bild: Screenshot/Facebook)

“Nürnberg hat ein neues Christkind. Eines Tages wird es uns wie den Indianern gehen”, kommentierte etwa der AfD Kreisverband München-Land die Wahl auf Facebook. Die bayerischen AfDler wollen in dem etwas kryptischen Beitrag das nicht-weiße Christkind offenbar als Vorbotin des “Volkstods” markieren - nebenbei ein klassischer Fall von Täter-Opfer-Umkehr, schließlich litten und leiden auch die indigenen Völker Amerikas vor allem unter der rassistischen Gewalt weißer Siedler.

Doch die Reaktion fiel anders aus, als erwartet: Offenbar wurde irgendwo in den Weites des Netzes zu einem “Lovestorm” mobilisiert, unter dem Beitrag finden sich aktuell fast 1500 Kommentare, und in fast allen wird Benigna Munsi mit Komplimenten überhäuft, der Stadt Nürnberg zu ihrer Wahl gratuliert und der AfD-Verband für seinen Rassismus kritisiert.

Diese Antworten hatte die AfD aus dem Münchner Land wohl eher nicht erwartet (Bild: Screenshot/Facebook)

Eine Reaktion des AfD-Verbandes auf diese Welle der vorweihnachtlichen Liebe stand zuletzt noch aus.

Aktualisierung: Der AfD-Kreisverband München-Land hat seinen Beitrag kommentarlos gelöscht.

Aktualisierung: Auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur erklärte die AfD-Kreisvorsitzende München-Land, Christina Specht, dass der Kommentar nicht den Werten der AfD entspreche und von einem Redakteur des Kreisverbands eigenmächtig gepostet worden sei. "Solche Inhalte teile ich definitiv nicht. Ich möchte mich im Namen des Kreisverbands bei Frau Munsi entschuldigen”, sagte Specht. “Wir finden, dass sie ein sehr gutes Christkind für Nürnberg sein wird." Der Redakteur sei inzwischen zurückgetreten, für Beiträge des Kreisverbandes gelte ab sofort das Vier-Augen-Prinzip.