#AintNoCinderella: Warum Inderinnen keine Aschenputtel sein wollen

Eine Gruppe von Frauen in traditioneller indischer Kleidung geht eine Straße entlang. (Bild: ddp Images)

Junge Frauen von Neu-Delhi bis Bangalore haben sich via Twitter verbündet: Unter dem Hashtag #AintNoCinderella posten sie Selfies nach Mitternacht und fordern so zu mehr Gendergerechtigkeit auf. Der Auslöser für diese Aktion hat es in sich!

„Selbst schuld!“ – Diese zwei Worte müssen sich Frauen, die von Männern begrapscht, belästigt und bedrängt werden, besonders in Indien immer wieder anhören. „Warum müsst ihr so leicht bekleidet herumrennen? Warum müsst ihr zu so später Stunde noch unterwegs sein? Warum bleibt ihr nicht zu Hause, wenn ihr wisst, dass Männer so reagieren?“ Und wenn Frauen das alles doch tun und sexuell genötigt werden? „Selbst schuld!“

Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist ein großes Problem in Indien. An den Universitäten des Landes, in den öffentlichen Verkehrsmitteln und auf den Ausgehmeilen werden Frauen häufig belästigt. Die Politik kennt darauf meist nur eine Reaktion: Wegschauen. So äußerte neulich wiederholt ein Politiker seinen Unmut gegenüber dem Wehklagen der Frauen. Der rechtskonservative Lokalpolitiker Ramveer Bhatti sagte in einem Interview: „Frauen, die nachts draußen unterwegs sind, sind selbst schuld, wenn sie von Männern bedrängt werden.“

Auf diesen Macho-Spruch reagieren nun zahlreiche Inderinnen mit Selfies – die sie nach Mitternacht in der Öffentlichkeit aufgenommen haben.

Unter dem Hashtag #AintNoCinderella wollen die jungen Frauen zeigen, dass sie nicht gezwungen sein sollten, wie Aschenputtel im Märchen vor Mitternacht eine Feier zu verlassen, um sich sicher zu fühlen. Sie präsentieren sich als eigenständige, selbstbestimmte und moderne Inderinnen, die selbst entscheiden können, wann sie wo mit wem unterwegs sind.

Auslöser für die Aussage des Lokalpolitikers Bhatti und den nun folgenden Twitter-Protest ist ein Vorfall in der Stadt Chandigarh am vergangenen Wochenende. Eine 29-Jährige wurde kurz nach Mitternacht in ihrem Auto von einem weißen Geländewagen verfolgt, darin zwei Männer, die versuchten, das Auto der jungen Frau auszubremsen. Die Frau konnte zum Glück die Polizei verständigen, die nach wenigen Minuten eintraf und die beiden Männer festnahm. Allerdings wurden sie noch in derselben Nacht wieder auf freien Fuß gesetzt.

Ihre Verfolger seien offensichtlich aus einflussreichen Familien, mutmaßt die Frau nun in einem Eintrag auf ihrer Facebook-Seite. „Wenn Frauen in einer der sichersten Städte dieses Landes mit so etwas einfach klar kommen sollen, wo kommen wir da hin?“ Der Beitrag wurde inzwischen mehr als 15.000 Mal kommentiert und über 6.000 Mal geteilt, und auf Twitter zeigen junge Frauen: Sie haben keine Lust auf ein Cinderella-Dasein.

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