Aktien Frankfurt: Vorsicht vor Fed-Entscheidung

FRANKFURT (dpa-AFX) -Der Dax DE0008469008 hat am Mittwoch vor wichtigen geldpolitischen Entscheidungen in den USA seine Gewinne gegen Mittag fast komplett abgegeben. Zuletzt notierte der deutsche Leitindex mit plus 0,06 Prozent bei 14 819,32 Punkten. Damit steht er zwar weiter klar über seinem in der Vorwoche erreichten Tief seit März bei 14 630 Punkten, muss sich nun aber wieder mit der Marke um 14 800 Punkten arrangieren. Die war in den vergangenen Tagen ein zäher Widerstand, den der Dax aber geknackt hatte. Nun muss sich zeigen, wie nachhaltig diese Entwicklung ist.

Der MDax DE0008467416 der mittelgroßen Unternehmen verbuchte am Mittwoch ein Minus von 0,70 Prozent auf 23 871,38 Punkte. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 EU0009658145 gab um 0,1 Prozent nach.

Den Oktober hatte der Dax mit einem Minus von rund 3,8 Prozent beendet. Es war der dritte Verlustmonat in Folge gewesen. Die geopolitischen Sorgen zusammen mit hohen Renditen am Anleihemarkt gelten als die Hauptgründe für die Verluste am Aktienmarkt.

Von der Berichtssaison hierzulande kommen am Mittwoch kaum Impulse. Interessieren dürften im Verlauf aber einige Konjunkturdaten aus den USA, bevor am Abend nach dem europäischen Börsenschluss US-Anleihepläne sowie die Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed die Aufmerksamkeit der Anleger auf sich ziehen werden.

Laut Volkswirten wird die Fed das Zinsniveau wohl erneut unverändert lassen. Damit würde sie zum zweiten Mal in Folge still halten. Die Leitzinsspanne würde weiter zwischen 5,25 und 5,50 Prozent liegen. Spannend ist jedoch vor allem die Frage, ob die Notenbank auf den folgenden Sitzungen nochmal die Zinsen verändert.

"Das hohe Wachstum der US-Wirtschaft und der unverändert enge Arbeitsmarkt lassen eigentlich nur eine Botschaft zu: Die Fed wird weitere Zinserhöhungen nicht ausschließen und das aktuelle Niveau noch länger beibehalten", glauben die Börsen-Experten von Index Radar. Technologieaktien blieben daher im Fokus, da sie sensibel auf Zinsänderungen reagierten. Hohe Zinsen machen Finanzierungen der investitionsgetriebenen Tech-Konzerne teurer.

Im Blick stehen am Mittwochabend zudem Daten zu Anleiheauktionen in den USA - für Analyst Jochen Stanzl vom Broker CMC Markets ebenfalls ein Belastungstest für den Aktienmarkt, da der Markt hypersensibel gegenüber Faktoren reagiere, die zu steigenden Renditen führen könnten.

Versorger-Aktien wie RWE DE0007037129 und Nordex DE000A0D6554 wurden am Mittwoch von Nachrichten vom dänischen Windkraftkonzern Orsted DK0060094928 zunächst mit nach unten gezogen, dämmten ihr Minus dann aber etwas ein, da es sich eher um unternehmens- und weniger um branchenspezifische Probleme handelt. Orsted stellt zwei große Windkraftprojekte in den USA ein. Dies überschatte ein solides Quartal, schrieb Analyst Sam Arie von der UBS. Die entsprechenden Wertberichtigungen seien höher als erwartet. Orsted brachen in Kopenhagen um ein Fünftel ein.

Autowerte wurden von einer angehobenen Gewinnprognose durch den japanischen Autobauer Toyota JP3633400001 etwas gestützt. Im Dax verbuchten Mercedes-Benz DE0007100000 und BMW DE0005190003 moderate Aufschläge, Volkswagen DE0007664039 aber tendierten etwas schwächer.

Ein enttäuschender Ausblick des britischen Online-Modehändlers Asos GB0030927254 belastete die Papiere von Zalando DE000ZAL1111 nicht. Eine angehobene Ergebnisprognose des Modekonzerns Next GB0032089863, ebenfalls aus Großbritannien, wirkte entgegen. Zalando legten zuletzt etwas zu.

Versicherer als Profiteure hoher Zinsen waren gefragt. Hannover Rück DE0008402215 und Munich Re DE0008430026 gewannen bis zu zwei Prozent. Die seit Jahresbeginn starke Kursentwicklung der europäischen Rückversicherer sei gerechtfertigt und sollte weitergehen, schrieb Analyst Kamran Hossain von JPMorgan in einer aktuellen Studie. 2023 hätten die Unternehmen endlich deutliche Preiserhöhungen durchgesetzt, was sich 2024 fortsetzen dürfte./ajx/mis

--- Von Achim Jüngling, dpa-AFX ---