Aldi vs. Lidl: Starkoch Nelson Müller vergleicht die Discounter-Riesen

Ann-Catherin Karg
Freie Journalistin

Preise, Geschmack, Bio-Angebote, Marken und Eigenmarken, Schadstoffe und Fairness: Der Starkoch Nelson Müller hat für die Doku-Reihe “ZDFzeit“ Produkte von Aldi und Lidl verglichen, um herauszufinden, bei welchem Discounter die Verbraucher besser aufgehoben sind.

Starkoch Nelson Müller (Bild: ddp images)

Aldi und Lidl bieten sich regelmäßig erbitterte Preiskämpfe und wollen ihren Kunden die jeweils günstigsten Preise bieten. Im Test wurden 15 Markenprodukte wie Haribo Goldbären, Coca-Cola oder Butter von Kerrygold über neun Wochen hinsichtlich ihrer Preisentwicklung verglichen. In dieser Zeit reduzierte Lidl die Preise fünf Mal, Aldi (Nord und Süd zusammengefasst) drei Mal. Dennoch waren die Produkte bei Aldi insgesamt einen Hauch billiger. Dort kostete der Korb mit den 15 Produkten 38,13 Euro, bei Lidl waren es drei Cent mehr.

Wer hat mehr Marken im Sortiment?

Wer Wert auf ein vielfältiges Sortiment bei Markenprodukten legt, ist bei Lidl besser aufgehoben. Die Testkäufer, die 26 Produkte besorgen sollten, fanden bei Lidl 20 Markenprodukte, bei Aldi waren es nur elf. Insgesamt vertreibt Aldi rund 160 Markenprodukte, denen 950 bei Lidl gegenüberstehen.

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Der Eigenmarken-Check

Zusammen mit 50 Freiwilligen testete Nelson Müller mit Kaffee, Orangensaft, Toast, Müsli und Erdbeermarmelade fünf der beliebtesten Frühstücksprodukte der Eigenmarken von Aldi und Lidl. Im Geschmackstest lagen die Produkte von Aldi insgesamt vorne, nur den Filterkaffee fanden die Probanden von Lidl besser.

Lidl hat rund 200 Produkte aus Bio-Obst und Gemüse. (Bild: Getty Images)

Wie sieht es mit den Schadstoffen aus?

Für den TV-Test wurden Zitrusfrüchte ins Labor geschickt, um herauszubekommen, wie viele Schadstoffe sich auf ihnen befinden. Die Grenzwerte wurden nicht überschritten und doch warnte der Lebensmittelchemiker und Toxikologe Prof. Hajo Haase von der TU Berlin insbesondere vor dem Schalenbehandlungsmittel Imazalil, das in Studien an Tieren mit der Entstehung von Krebs in Verbindung gebracht wurde.

Zudem wiesen die Wissenschaftler zehn weitere Stoffe auf den Früchten nach, die nicht deklariert werden müssen, aber durchaus bedenklich sind. Dr. Britta Schautz von der Verbraucherzentrale sprach von einem “Giftcocktail, den man vermeiden sollte“. Im Vergleich schnitten die Produkte von Aldi ein bisschen ab als die von Lidl.

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Der Bio-Check

Wer giftige Stoffe auf Obst und Gemüse vermeiden will, greift zu Bio-Produkten. Lidl wirbt mit dem streng überwachten Bioland-Siegel für sein Bio-Obst und Gemüse-Sortiment, das etwa 200 Produkte umfasst. Bei Aldi sind es etwas mehr als 300. Das Fazit von Nelson Müller: “Wer hochwertiger Bio bei ausgewählten Produkten haben möchte, geht zu Lidl. Wer eher das breite Angebot haben möchte, geht zu Aldi. Ich finde: Jeder hat etwas davon und die Natur profitiert auch!“

Bei Aldi sind fünf Prozent aller Waren Fair-Trade-Produkte (Bild: Getty Images)

Wer ist gegenüber den Herstellern fairer?

Bei Aldi sind fünf Prozent aller Waren Fair-Trade-Produkte, bei Lidl gerade einmal ein Prozent. Nach einer Studie der Hilfsorganisation “Oxfam“, die Fairnesspunkte bei Discountern vergibt, erreichte Aldi Süd zuletzt aber nur 19 Prozent, Lidl neun und Aldi Nord gerade einmal fünf Prozent. Dazu sagte Nelson Müller: “Oxfam schreibt in der Studie, dass zwar erste Schritte zu erkennen seien, diese aber auch gegangen werden müssten. Bis dahin sollten wir Verbraucher uns überlegen, dass die sehr niedrigen Preise immer zulasten anderer entstanden sind!“

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