Was alle Eltern über Video-Spielsucht wissen sollten

Video-Spielsucht ist ein Begriff, der von Eltern und psychiatrischen Fachleuten seit zehn Jahren verwendet wird, da sie glauben, dass es sich dabei um eine echte Erkrankung handelt. Und jetzt erhalten sie Unterstützung von offizieller Seite: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat das „Gaming Disorder“, also die Video-Spielsucht, als neuen psychischen Krankheitszustand in die 11. Ausgabe der „International Classification of Diseases“ aufgenommen.

Ihr Kind liebt Videospiele. Aber wie wissen Sie, ob er oder sie süchtig ist? Bild: Getty Images.

Laut WHO gibt es drei Hauptkriterien für die Diagnose von Video-Spielsucht: Das Spielen hat so viel Vorrang vor anderen Aktivitäten, dass eine Person oft aufhört, andere Dinge zu tun, eine Person spielt weiter, selbst wenn es Probleme in ihrem Leben verursacht oder sie das Gefühl hat, dass sie nicht aufhören kann, und das Spielen verursacht erhebliche Schwierigkeiten und führt zu Beeinträchtigungen in den Beziehungen einer Person zu anderen wie auch bei der Arbeit oder im Schulleben. Wenn Ihr Kind ein paar Tage von einem Spiel völlig eingenommen ist, aber sich danach wieder normal verhält, zählt das nicht. Laut WHO müssen Personen mindestens zwölf Monate lang ein solches Verhalten zeigen.

Man muss anmerken, dass sich die Haltung der WHO zur Video-Spielsucht von der des Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-5) unterscheidet, dem Handbuch, das von Gesundheitsexperten in den USA und anderen Ländern zur Diagnose von psychischen Störungen verwendet wird. Das DSM-5 spricht von „Internet Gaming Disorder“, sagt jedoch, dass dies eine Erkrankung ist, die mehr klinische Studien und Erfahrungen benötigt, bevor sie als echte Störung in das Buch aufgenommen werden kann.

Die WHO schreibt auf ihrer Webseite, dass alle Menschen, die Videospiele spielen, sich bewusst sein sollten, dass Video-Spielsucht eine echte Erkrankung ist und dass es wichtig ist, darauf zu achten, wie häufig sie Videospiele spielen. Es wird jedoch auch darauf hingewiesen, dass die Videospiel-Sucht nur eine kleine Gruppe von Spielern betrifft.

Es ist ganz normal, dass Sie das Spielverhalten Ihres Kindes nach dieser Nachricht im Auge behalten wollen.

Im Allgemeinen sollten Eltern die Zeit begrenzen, die ihre Kinder täglich vor dem Bildschirm verbringen, und dazu gehören neben Fernsehen, Computern, Handys und Tablets eben auch Videospiele, erklärt Gina Posner, Kinderärztin am MemorialCare Orange Coast Medical Center in Fountain Valley, Kalifornien, Yahoo Lifestyle.

Kinder, die 18 Monate oder jünger sind, sollten gar keine Zeit vor einem Bildschirm verbringen und Kinder unter fünf Jahre sollten generell nicht länger als eine Stunde vor dem Bildschirm verbringen, sagt sie. Für diejenigen, die sechs Jahre und älter sind, liegt es im Ermessen der Eltern. „Die maximale Bildschirmzeit sollte zwei Stunden täglich sein, aber weniger ist immer besser“, sagt Posner.

Posner sagt, dass es wichtig ist, Ihren Kindern in Bezug auf die Zeit vor dem Bildschirm und für Videospiele klare Grenzen zu setzen. Sagen Sie zum Beispiel, dass Ihr Kind zuerst seine Hausaufgaben machen muss und/oder eine Stunde hinausgehen und spielen muss, bevor es Videospiele spielen darf. Und selbst dann sollten Sie deutlich machen, dass sie dies nur für einen begrenzten Zeitraum dürfen.

Wann ist viel zu viel? (Bild: Getty Images)

Wenn Ihr Kind anfängt, sich aufzuregen, wenn es nicht den ganzen Tag spielen darf, ist das ein eindeutiges Zeichen dafür, dass es zu viel ist, sagt Posner.

Die Behandlung der Video-Spielsucht basiert im Allgemeinen auf der kognitiven Verhaltenstherapie, die generell in zwei Phasen vorgenommen wird, erklärt Simon Rego, leitender Psychologe am Montefiore Medical Center/Albert Einstein College of Medicine, gegenüber Yahoo Lifestyle. In der ersten Phase muss man dem Kind klarmachen, dass das Spielverhalten ein Problem darstellt und nach Auslösern und Anhaltspunkten suchen, die das Spielverhalten verbessern oder verschlechtern. Ein Psychotherapeut würde auch problematische Gedanken ansprechen, die entweder mit dem Aufhören des Spiels oder den Gedanken, die sie am Spielen hindern, verbunden sind, sagt er.

Das Ziel ist dann, das Verhalten von pathologisch zu problematisch zu verändern, um dann in der Lage zu sein, es auf „vernünftige Art” zu managen, sagt Rego. Leute müssen nicht zwingend mit dem Spielen aufhören, aber sie müssen lernen, es mit Parametern zu managen, wie zum Beispiel nur mit Freunden zu ausgewählten Zeiten während des Tages zu spielen statt nachts alleine in ihrem Zimmer.

Wenn Sie vermuten, dass Ihr Kind eine Video-Spielsucht hat, dann ist es wichtig, Hilfe zu suchen.

Seien Sie sich aber bewusst, dass es trotzdem noch eine recht junge Diagnose ist und Sie müssen vielleicht ein wenig suchen, um jemanden zu finden, der sich auf diese Art von Verhalten spezialisiert hat.

Korin Miller