Alltagsfrage: Warum bekommt man nicht nur bei Kälte eine Gänsehaut, sondern auch in emotionalen Momenten?

Hannah Sommer
Freie Autorin für Yahoo Style
In romantischen und schönen Momenten bekommen viele Menschen eine Gänsehaut. (Symbolbild: Getty Images)

Bei Kälte fängt man an zu zittern. Zusätzlich bilden sich auf dem Körper unzählige kleine Erhebungen, die optisch an die Haut einer gerupften Gans erinnern. Doch dieses Phänomen lässt sich nicht nur bei niedrigen Temperaturen beobachten. Auch emotionale Situationen können für einen echten “Gänsehaut-Moment” sorgen. Die Ursache für das Zusammenspiel von Gänsehaut und Emotionen ist allerdings noch nicht hinreichend geklärt.

Wie entsteht eine Gänsehaut?

Eine Gänsehaut erfolgt reflexartig, sie kann nicht bewusst gesteuert werden. Sie wird über Nervenbahnen in der Lederhaut hervorgerufen, die unter der dünnen und glatten Oberhaut liegt. In der Lederhaut befinden sich neben den Nerven auch Drüsen, Haarbälge und Blutgefäße. Sobald die Körpertemperatur zu hoch ist, erweitern sich die Blutgefäße. Gleichzeitig werden Schweißdrüsen aktiviert, um den Körper zum Schwitzen zu bringen.

Bei Kälte hingegen ziehen sich Gefäße und die Muskeln an den Haarfollikeln zusammen. Dadurch richten sich die Härchen auf, die Haarbälge bilden kleine Hügel – und fertig ist die Gänsehaut. Ein Überbleibsel aus der Vergangenheit: Unsere Vorfahren hatten ein dichtes Fell, das aufgestellt für Luftpolster sorgen und so vor Kälte schützen konnte.

Die Gänsehaut ist auf unsere Vorfahren zurückzuführen. (Symbolbild: Getty Images)

Deshalb sträuben sich die Haare bei Angst

Prof. Dr. Christian Kaernbach, Emotionsforscher und Professor für Allgemeine Psychologie an der Universität Kiel, hat mit der “Welt” über die Entstehung von Gänsehaut in bedrohlichen Augenblicken gesprochen. Laut dem Wissenschaftler liegt die Ursache für Gänsehaut durch Angst ebenfalls in der Vergangenheit: Bei Furcht tendieren manche Lebewesen dazu, ihr Fell aufzustellen und dadurch gegenüber dem Feind größer zu erscheinen. Dies lässt sich beispielsweise auch bei Katzen beobachten.

Gänsehaut bei Musik – mehr Emotionen?

Weshalb man bei schönen Filmen, in romantischen Momenten oder besonders bewegenden Situationen eine Gänsehaut bekommt, bleibt für die Wissenschaft weiter ein Rätsel, für das Erklärungsansätze gesucht werden. Einige Menschen reagieren auf bestimmte Musik mit einer Gänsehaut. Bei der 2016 veröffentlichten Studie des US-amerikanischen Forschers Matthew A. Sachs stellte sich heraus, dass die Personen, die beim Musikhören eine Gänsehaut bekommen, über eine besondere Hirnstruktur verfügen und deshalb offenbar mehr Emotionen wahrnehmen können als andere.

Video: Dieser Instagram-Account verpasst dir Gänsehaut