Alltagsfrage: Warum heißt Himalayasalz so, obwohl es nicht aus dem Himalaya kommt?

Hannah Sommer
Freie Autorin für Yahoo Style
Optisch macht Himalayasalz einiges her – doch was hat es mit dem Namen auf sich? (Bild: Getty Images)

Es ist rosa, vor allem in Bioläden erhältlich und viel teurer als die herkömmliche Variante: sogenanntes Himalayasalz. Doch das hübsche rosa Würzmittel steht in der Kritik: Es handelt sich bei der Bezeichnung um eine Irreführung des Verbrauchers, denn das Himalayasalz kommt nicht aus dem Bergmassiv um den Mount Everest.

Auf Blogs für Naturheilkunde wird Himalayasalz als Millionen Jahre altes Naturprodukt angepriesen, das eine viel höhere Reinheitsgarantie aufweisen würde als normales Salz. Wertvolle Spurenelemente hätten zudem eine gesundheitsfördernde Wirkung. Die vielseitigen positiven Effekte sowie die Täuschung, das Salz stamme aus dem weltbekannten Himalaya, schlagen sich auch deutlich auf den Preis nieder. Der ist im Gegensatz zu normalem Salz deutlich höher.

Bei Gicht, Rheuma und Bluthochdruck soll das Salz helfen, sich außerdem positiv auf den Säure-Basen-Haushalt auswirken. Schon Alexander der Große soll ein Liebhaber des rosa Würzmittels gewesen sein.

Himalayasalz: Woher kommt es wirklich?

Besonders der Name ist für viele Käufer attraktiv. Hersteller schmückten sich viele Jahre mit der fälschlichen Bezeichnung, um dem Produkt einen – imaginär – höheren Wert zuzusprechen und so mehr Geld für ihr Salz zu nehmen. Dabei kommt das Salz gar nicht aus dem Himalayagebirge: Es wird überwiegend in der pakistanischen Provinz Punjab abgebaut – 200 Kilometer von der namensgebenden Region entfernt. Manche Hersteller bezeichnen den Ort als “Ausläufer des Himalayagebirges”, um den Namen zu rechtfertigen. Die Herkunftsbezeichnung “Himalaya” wird weltweit schlichtweg als attraktiver empfunden als die “pakistanische Provinz Punjab”, weshalb lange darauf verzichtet wurde, dies so zu deklarieren. Häufig sind geografische Angaben ein Zeichen für besondere Wertschätzung und folglich einen höheren Preis – wie am Beispiel von Parma-Schinken, Spreewald-Gurken, Feta-Käse zu sehen ist. Sie spielen eine große Rolle für die Vorstellungen über die Qualität des Produktes. 

Allerdings hat der Bundesgerichtshof in einem Grundsatzurteil von 2016 festgestellt, dass der Name nicht verwendet werden darf, wenn das Salz aus Punjab stammt. Nur wenn das Produkt genau in dem erwähnten Gebiet produziert wird, ist der Hersteller auch berechtigt, die geografische Herkunftsangabe zu Werbezwecken zu verwenden. Das rosa Salz ist seitdem häufig mit dem Namenszusatz “aus Pakistan” versehen oder als “Pinkes Kristallsalz” deklariert. 

Die Verbraucherzentrale hält den Hype um das teure Produkt grundsätzlich für Humbug. Auf ihrer Website klärt sie auf, dass das als Allheilmittel angepriesene Salz keine nachweisbare gesundheitsfördernde Wirkung hat. Außerdem sei die deutsche Bevölkerung nicht hinreichend mit Jod versorgt, weshalb ein herkömmliches Jodsalz die bessere, günstigere und gesündere Alternative darstelle.

Das rosa Salz wird überwiegend in der pakistanischen Provinz Punjab abgebaut. (Bild: Getty Images)

Kostspielige Angelegenheit

Himalayasalz wirkt sich auch auf den Geldbeutel aus: Für ein Kilo muss der Käufer fünf bis zehn Euro zahlen und somit einen wesentlich höheren Preis als für normales Salz. Der hohe Preis ärgerte unter anderem den Leipziger Biomarkt “Biomare” so sehr, dass er seine Kundschaft direkt am Regal über das Produkt aufklärt – ein ungewöhnlicher Schritt.


Auf der kleinen Infotafel steht, dass das Salz tatsächlich gar nicht aus dem Himalaya stamme, es sich um ganz gewöhnliches Steinsalz handle, wie es auch in Deutschland vorkommt, und viele der ihm zugeschriebenen Eigenschaften frei erfunden seien, um den hohen Preis zu rechtfertigen.

Weite Transportwege

Die Verbraucherzentrale verweist zusätzlich noch auf den ökologischen Fußabdruck des rosa Salzes: Die Abbauregion in Pakistan ist Tausende Kilometer von Deutschland entfernt, was zu weiten Transportwegen führt. Alternativ befinden sich deutsche Salinen in Rheine, Bad Doberan, Bad Reichenhall oder Bad Friedrichshall quasi um die Ecke.

Salz kann als Heilmittel in vielen Bereichen eingesetzt werden, etwa zur Behandlung von Hautkrankheiten: