Amazon soll Suchergebnisse zu eigenen Gunsten manipulieren

Sandra Alter
Freiberufliche Journalistin
(Bild: Getty)

Amazon soll seine Suchalgorithmen geändert haben, berichtet das Wall Street Journal. Demnach erscheinen in den Suchanfragen eigene Produkte des Online-Versandhändlers nun als erstes, um für mehr Profit zu sorgen. Amazon dementiert die Vorwürfe.

Wer bei Amazon ein Produkt in die Suchmaschine eingibt, bekommt die relevantesten und meistverkauften Produkte angezeigt. So war es zumindest in der Vergangenheit. Das soll sich nach einem Bericht des Wall Street Journals (WJS) aber geändert haben. Das renommierte, internationale Wirtschaftsmagazin beruft sich auf Informationen aus internen Quellen, die besagen, dass der geheime Suchalgorithmus bereits Ende 2018 verändert wurde. Dahingehend, dass eigene Marken des Onlinehändlers in den Ergebnislisten bevorzugt angezeigt werden, um den Profit steigern.

Dem WJS-Bericht zufolge, soll das im Unternehmen zu heftigen Streitigkeiten geführt haben. Es habe einen zwölf Monate andauernden Kampf zwischen Managern des Handelsgeschäfts in Seattle und dem Experten-Team im kalifornischen Palo Alto gegeben, bis die Änderung im Algorithmus schließlich durchgeführt wurde.

Kartellrechtlich problematisch

Die Manager vertraten demnach den Standpunkt, dass auch Supermärkte ihre Eigenmarken prominent platzieren würden. Die Suchexperten waren dagegen, weil die Änderung das Nutzererlebnis verderben würde. Laut der Informanten sprachen sich auch die hauseigenen Anwälte gegen die Änderung aus, da sie zu kartellrechtlichen Problemen führen könnte.

Amazon dementiert die Vorwürfe. „Wir haben die Kriterien, die wir für die Ranglisten der Suchergebnisse benutzen, nicht zugunsten des Profits verändert. Wenn wir neue Funktionen, einschließlich Suchfunktionen, testen, untersuchen wir eine Reihe von Messgrößen, einschließlich der langfristigen Rentabilität, um festzustellen, wie sich diese neuen Funktionen auf das Kundenerlebnis und unser Geschäft auswirken, so wie es jedes rational arbeitende Unternehmen tun würde. Wir treffen jedoch keine Entscheidungen auf der Grundlage dieser einen Metrik. Amazon gestaltet sein Einkaufs- und Entdeckungserlebnis so, dass Kunden die Produkte bekommen, die sie wollen, unabhängig davon, ob es sich um Eigenmarken oder Produkte unserer Vertriebspartner handelt“, sagte eine Amazon-Sprecher auf Anfrage des Wirtschafts-Nachrichtenmagazins CNBC.

Derzeit steht Amazon wegen des Falles im Visier von Wettbewerbsbeobachtern der Europäischen Union und der USA. Laut CNBC hat ein Justizausschuss, der sich mit kartellrechtlichen Untersuchungen wichtiger Technologieunternehmen beschäftigt, in der vergangenen Woche bei Amazon Unterlagen angefordert, die darlegen, wie eigene Produkte in den Suchalgorithmus einfließen und welche Daten Verkäufern zu Verfügung gestellt werden.

Der WJS-Bericht wirkte sich unmittelbar auf den Aktienkurs von Amazon aus. Der fiel am Montag zeitweise um rund 2 Prozent.

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