Angriff auf Einzelhandel: Amazon liefert auch günstige Artikel kostenlos

Willy Flemmer
Freier Autor für Yahoo

Amazon hat seine Versandbedingungen geändert. Der Online-Versandhändler liefert nun auch die günstigsten Artikel kostenlos an seine Prime-Kunden. Damit setzt der Konzern den Einzelhandel weiter unter Druck.

Das Einkaufen auf der Plattform von Amazon soll mit der Abschaffung des "Amazon Plus"-Labels noch attraktiver werden. (Bild: Getty Images)

Amazon bläst zu einem weiteren Angriff auf die Einzelhändler. Der E-Commercer hat Berichten zufolge an seinen Versandbedingungen geschraubt, indem er das Label "Amazon Plus" abgeschafft hat. Die Änderungen soll europaweit gelten.

Bisher mussten Produkte mindestens den Wert von fünf Euro haben, damit Amazon sie über den Prime-Dienst kostenlos liefert. Lag der Preis unter der Hürde, nahm der Konzern sie ins "Amazon Plus"-Programm auf. Um ein Produkt aus dieser Kategorie geliefert zu bekommen, musste der Kunde ihn zu einem Warenkorb im Wert von mindestens 20 Euro hinzufügen.

Von der Praxis hatte vor allem Amazon profitiert. Dadurch brauchte das Unternehmen keine Ware liefern, deren Versand teurer war als ihr Wert. Für Kunden war die Praxis jedoch ein Hindernis, das sie nicht selten vom Kauf eines "Amazon Plus"-Produkts abhielt. Zum einen schreckten viele vor dem hohen Mindestumsatz zurück, zum anderen waren die Bestellbedingungen zu unübersichtlich.

Auch für Händler auf Amazon war die Regel ein Ärgernis. Deren Umsatz bei günstigen Artikeln brach ein, wie das Tech-Magazin Chip.de berichtet, sobald Amazon ihnen das Label Plus anhängte.

Profiteure und Verlierer

Mit der Änderung der Versandbedingungen sollen für Händler und Kunden also neue Anreize geschaffen werden. Amazon selbst will damit offenbar auf die Wirtschaftlichkeit eines großen Prozentsatzes seiner Produkte verzichten. Die Entscheidung dürfte der Konzern auch mit Blick auf die Konkurrenz gefällt haben. Mit der neuen Versandpolitik setzt er den Einzelhandel, vor allem die stationären Supermarkt- und Drogerieketten, weiter unter Druck. Viele der "Amazon Plus"-Artikel stammten aus der Kategorie Hygiene – und die hatten sich viele Kunden lieber bei den Anbietern vor Ort besorgt.