Archäologen finden das "Buch der Toten" in einem altägyptischen Grab voller Mumien – es sollte den Weg ins Jenseits weisen

Foto einer Mumie, die in der Ausgrabungsstätte von Tuna al-Gebel gefunden und auf einer Pressekonferenz am 15. Oktober vorgestellt wurde. - Copyright: Egyptian Ministry of Tourism and Antiquities
Foto einer Mumie, die in der Ausgrabungsstätte von Tuna al-Gebel gefunden und auf einer Pressekonferenz am 15. Oktober vorgestellt wurde. - Copyright: Egyptian Ministry of Tourism and Antiquities

Archäologen haben bei Ausgrabungen auf einem 3500 Jahre alten Friedhof ein altägyptisches "Totenbuch" entdeckt. Es war mit Zaubersprüchen gefüllt, die den Verstorbenen den Weg ins Jenseits weisen sollten. Die Schriftrolle wurde im Rahmen einer Präsentation der neuesten archäologischen Funde auf dem Friedhof von Tuna al-Gebel in Mittelägypten enthüllt. Sie ist schätzungsweise 43 bis 49 Fuß (fast 15 Meter) lang.

Die Forschenden fanden viele Schätze — neben der Schriftrolle auch Mumien

Solche Schriftrollen waren im alten Ägypten ein üblicher Bestandteil von Gräbern. Ihre Beschwörungsformeln waren eine Art übernatürliche "Reiseversicherung", sagt Sara Cole. Sie ist stellvertretende Kuratorin in der Altertumsabteilung des J. Paul Getty Museums, gegenüber der New York Times.

Ein Sarkophag, der in der Ausgrabungsstätte Tuna al-Gebel in Mittelägypten gefunden wurde, wird am 15. Oktober 2023 Journalisten präsentiert. - Copyright: Egyptian Ministry of Tourism and Antiquities
Ein Sarkophag, der in der Ausgrabungsstätte Tuna al-Gebel in Mittelägypten gefunden wurde, wird am 15. Oktober 2023 Journalisten präsentiert. - Copyright: Egyptian Ministry of Tourism and Antiquities

Eine erste Untersuchung der in Tuna al-Gebel gefundenen Schriftrolle ergab einen Hinweis auf das "Buch der Toten". Das bestätigt das ägyptische Ministerium für Tourismus und Altertümer in einer aus dem Arabischen übersetzten Erklärung vom 15. Oktober.

Die Schriftrolle war nicht der einzige Schatz, der an der Stätte gefunden wurde, die während des Neuen Reiches (circa 1550 bis 1070 vor Christus) errichtet wurde. Archäologen fanden Mumien, von denen man annahm, dass sie hochrangigen Beamten gehörten. Von denen waren einige noch in ihren verzierten Steinsarkophagen in gutem Erhaltungszustand, berichtet Live Science.

Dazu gehört auch die Mumie von Ta-de-Isa. Live Science berichtet, dass sie die Tochter eines Hohepriesters war.

Das Bild zeigt einen Sarkophag, der am 15. Oktober 2023 in der Ausgrabungsstätte von Tuna al-Gebel gefunden und Journalisten präsentiert wurde. - Copyright: Egyptian Ministry of Tourism and Antiquities
Das Bild zeigt einen Sarkophag, der am 15. Oktober 2023 in der Ausgrabungsstätte von Tuna al-Gebel gefunden und Journalisten präsentiert wurde. - Copyright: Egyptian Ministry of Tourism and Antiquities

Das "Buch der Toten" war im alten Ägypten was Besonderes — und es war teuer

Bei dem Fund wurden auch seltene Kanopengläser aus Alabaster gefunden. In denen wurde während der Mumifizierung spirituell wichtige Organe aufbewahrt, sowie "Tausende" von Amuletten, heißt es in der Erklärung.

Der Fund einer Kopie des "Buches der Toten" ist nicht so ungewöhnlich. Aber es sei "sehr selten", ein Exemplar noch in dem Grab zu finden, in dem es begraben wurde, erklärte Foy Scalf, Ägyptologe an der Universität von Chicago, in einer E-Mail an Live Science.

Scalf merkte jedoch an, dass nicht viele Informationen über die Schriftrolle veröffentlicht wurden und es schwierig ist, ohne weitere Untersuchungen zu wissen, wie wichtig sie ist.

Lara Weiss, eine Expertin für das "Buch der Toten" und Geschäftsführerin des Roemer- und Pelizaeus-Museums in Deutschland, sagte gegenüber Live Science: "Wenn es so lang und gut erhalten ist, dann ist es sicherlich ein großartiger und interessanter Fund."

Ein Bild zeigt kleine Statuen von Mumien, die in der Tuna-al-Gebel-Stätte gefunden wurden, ausgestellt während einer Pressekonferenz am 15. Oktober 2023. - Copyright: Egyptian Ministry of Tourism and Antiquities
Ein Bild zeigt kleine Statuen von Mumien, die in der Tuna-al-Gebel-Stätte gefunden wurden, ausgestellt während einer Pressekonferenz am 15. Oktober 2023. - Copyright: Egyptian Ministry of Tourism and Antiquities

Die Reise ins Jenseits galt als ziemlich schwierig und diese Anweisungen, die dem Verstorbenen mit ins Grab gegeben wurden, sollten dem Geist helfen, den Weg dorthin zu finden. Das erklärt John Taylor, Kurator des Britischen Museums für das Alte Ägypten und den Sudan, in einem Blogbeitrag aus dem Jahr 2010.

Sie waren recht teuer, da man seinen Namen in die Schriftrolle schreiben musste, damit sie funktionierte. Einige wurden nach einer Vorlage geschrieben, sodass der Name des Verstorbenen in ein leeres Feld eingetragen werden konnte. Aber die Reichsten konnten sich aussuchen, welche Zaubersprüche sie einfügen wollten, was diese Schriftrollen einzigartig machte.

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