Arthritis-Patienten haben an feuchten, windigen Tagen tatsächlich mehr Schmerzen

Es ist nicht nur ein Märchen – feuchtes Wetter kann Arthritis tatsächlich schmerzvoller machen. [Foto: Getty]

Schon lange nehmen wir an, dass feuchtes, windiges Wetter Schmerzen schlimmer macht. Die aktuelle Forschung hat das jetzt bestätigt.

Bei Menschen, die unter Erkrankungen wie Arthritis oder Migräne leiden, ist laut Wissenschaftlern der Universität Manchester die Wahrscheinlichkeit um 20% höher, dass sie bei feuchtem, windigem Wetter an schlimmeren Schmerzen leiden.

Für die Studie wurden mehr als 2.600 Teilnehmer gebeten, ihren Schmerzgrad an verschiedenen Tagen aufzuschreiben. Die Patienten, die unter Arthritis, Migräne, Fibromyalgie oder peripherer Neuropathie litten, hatten sehr viel mehr Probleme bei höherer Feuchtigkeit.

Obwohl bisher noch unklar ist, warum das so ist, könnte es sein, dass ein Druckabfall eine Schwellung des Gewebes verursacht.

Wenn das Gelenk wie bei Arthritis bereits entzündet ist, könnte dieses Gewebe gegen Nerven drücken und somit Schmerzen verursachen.

„Seit Hippocrates nehmen die Menschen an, dass ihre Symptome durch das Wetter beeinflusst werden,“ sagte der Hauptautor Professor Will Dixon. „Ungefähr drei Viertel der Menschen mit Arthritis meinen, dass ihre Schmerzen durch das Wetter beeinflusst werden.“

Drei Viertel der Arthritis-Betroffenen sagen, dass das Wetter ihre Symptome beeinflusst, schrieben die Forscher in der Fachzeitschrift npj Digital Medicine.

Manche zeigen mit dem Finger auf kaltes, windiges Wetter, während andere der Hitze und Luftdruckveränderungen die Schuld geben.

Viele gehen sogar so weit, zu sagen, dass sie anhand der Steifheit ihrer Gelenke voraussagen können, ob es regnet oder die Sonne scheint.

Durch den niedrigen Druck, zu dem es bei feuchtem Wetter kommt, kann das Gewebe anschwellen. [Foto: Getty]

Die Teilnehmer schrieben mit einer Smartphone-App zwischen einem und 15 Monate lang auf, wie schlimm ihre Schmerzen waren. Ihre Handys hielten auch fest, wie das Wetter an diesen Tagen war.

Nachdem sie 5,1 Mio. Schmerztagebücher gesammelt hatten, fanden die Forscher heraus, dass feuchtes, windiges Wetter die Schmerzen der Patienten um 20% verschlimmerte.

Zum Vergleich: An einem „normalen Tag“ lag ihr Schmerzrisiko bei fünf von 100. Wenn es nass und windig war, erhöhte es sich auf sechs.

Die Ergebnisse zeigten auch, dass nasskaltes Wetter ebenfalls zu Symptomen führen kann. Bei trockenem Wetter war das Risiko am geringsten.

Temperaturen und Regen an sich zeigten keine Wirkung. Ein Zusammenhang zu Schmerz konnte nur dann festgestellt werden, wenn beides gemeinsam auftrat.

Die Forscher hoffen, dass in weiteren Studien herausgefunden wird, warum das so ist, sodass sich hoffentlich schon bald „die Tür für neue Behandlungsmethoden öffnet.“

Laut ihnen könnte es eines Tages vielleicht sogar möglich sein, eine „Schmerzvorhersage“ zu treffen, die Betroffenen dabei hilft, ihre alltäglichen Tätigkeiten anhand ihres Schmerzrisikos zu planen.

Dr. Stephen Simpson, Leiter im Forschungsbereich des gemeinnützigen Vereins „Versus Arthritis“, der die Studie finanzierte, fügte hinzu: „Wir wissen, dass von den 10 Millionen Menschen in Großbritannien, die an Arthritis leiden, über die Hälfte täglich lebenseinschränkende Schmerzen erleidet.“

„Für Menschen mit Arthritis kann es einen großen Unterschied machen, wenn sie die Möglichkeit erhalten, ihre Schmerzen selbst handzuhaben, sodass sie weiterhin arbeiten können, vollwertige Mitglieder der Gemeinschaft sind und einfach dazugehören.“

„Diese Forschung wird uns helfen, die weiteren Zusammenhänge und die Vielschichtigkeit von Arthritis-Schmerz zu verstehen und Möglichkeiten zu finden, wie erkrankte Menschen besser damit umgehen können.“

Alexandra Thompson