"Atomwaffen" erlaubt, "Iran" nicht: Warum der PayPal-Algorithmus nur bestimmte Zahlungen überprüft

Jennifer Caprarella
Freie Autorin

PayPay-Nutzer aufgepasst: Wer bestimmte Schlagwörter in seiner Bestellung hat, muss derzeit mit Verzögerungen und Blockierung der Zahlung rechnen. Dabei geht der Algorithmus allerdings recht selektiv vor.

PayPal überprüft bestimmte Zahlungen und hält diese dafür teilweise tagelang auf (Symbolbild: Getty Images)

Wer öfter Bezahldienste wie PayPal oder Venmo nutzt, hat es derzeit mit Produkten aus bestimmten Ländern schwer. Das US-Unternehmen muss sich an die Sanktionen seines Heimatlandes gegen Länder wie Iran oder Kuba halten. Schwierig wird es allerdings auch schon, wenn dazu passende Schlagwörter im Betreff enthalten sind. Handel mit Drogen oder Menschen steht - wenn es nach dem Algorithmus geht - weitaus weniger im Weg.

Vor Kurzem berichtete die “WirtschaftsWoche” über einen Selbstversuch, der zeigte, dass Bezahlungen für Bestellungen aus dem Iran von PayPal blockiert werden - selbst, wenn es um harmlose Ware wie Duftreis geht. Das US-Magazin “Jewish Currents” hatte kürzlich sogar Schwierigkeiten, einige Autoren zu bezahlen, weil diese an einem Stück über den Iran mitgewirkt hatten.

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Der Grund: PayPal und seine Tochterfirma Venmo verwenden ein System, das bestimmte Schlagwörter automatisch meldet. Damit soll sichergestellt werden, dass US-Sanktionen eingehalten werden, wie die Zeitschrift “Slate” berichtet. Dazu gehören Wörter wie “Iran” “Cuba”, “Al-Qaeda” oder “Kim Jong-un”.

Zahlungen für Waffen gehen sofort durch

Wer also einem Freund das Geld für die Geburtstagsfeier in der Bar “Cuba Libre” überweisen will, wird zunächst von PayPal überprüft werden und blockiert. Ähnliches erlebten Leute, die an syrische Flüchtlinge spenden wollten und hierfür das Stichwort “Syria” verwendeten. Sobald sich herausstellt, dass keine Aktivitäten stattfinden, die gegen US-Gesetze und Sanktionen verstoßen, wird die Zahlung genehmigt. Dies kann bis zu 72 Stunden dauern.

Absurderweise stellen Schlagworte wie “Terrorist”, “Bomb” (Bombe), “Human trafficking” (Menschenhandel) oder “Nazis” für das System ebenso wenig ein Problem dar wie die Bezeichnungen diverser Drogen wie “Cocaine” (Kokain), “LSD” oder “Meth”. Auch Waffen wie “Glock 43” oder das Sturmgewehr “AK-47” lässt es durchgehen - sogar das deutsche Wort “Atomwaffen” wurde erfolgreich getestet.

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Vermutlich verlässt sich das Unternehmen darauf, dass Drogenhändler ihre Aktivitäten bei einer Zahlung kaum mit dem passenden Schlagwort kennzeichnen würden. In einem Statement gegenüber der Zeitschrift “People” erklärte eine Sprecherin von PayPal, warum lediglich bestimmte Worte überprüft würden: “Unser Ziel ist es, einen so nahtlosen Zahlungsvorgang wie möglich anzubieten, während wir zugleich sicherstellen, dass die Zahlungen auf unserer Plattform mit dem geltenden Gesetz entsprechen.” Man bedauere, dass dadurch Unannehmlichkeiten entstünden und hoffe auf die Geduld der Kunden.