Außerirdisches Leben: Sind wir nicht allein im Universum?

Der Mensch neigt dazu, seine Umwelt zu erforschen, um sie besser zu verstehen. So auch das Universum, dessen immense Größe allein uns schon daran zweifeln lässt, ob wir die einzigen Lebensformen sind, die dort leben. Seit Jahrzehnten verfolgt die Wissenschaft unterschiedliche Projekte, die außerirdisches Leben aufspüren sollen. Jedoch ist es uns bisher nicht gelungen, einen Beweis für die Existenz intelligenter Lebensformen zu erbringen.

Dabei beschäftigt die Suche nach außerirdischem Leben seit langer Zeit Wissenschaftler in aller Welt und heutzutage sind wir in der Lage, unser Sonnensystem und unsere Galaxie so genau zu erforschen wie nie zuvor. Je mehr wir über unser Universum erfahren, desto wahrscheinlicher wird es, dass wir nicht die einzigen Wesen sind, die dort leben. Doch warum ist es uns bisher nicht gelungen, einen konkreten Beweis für außerirdisches Leben zu finden? Inzwischen gibt es zahlreiche Theorien, die versuchen, diese Umstände zu erklären. 

Als erstes, wie hoch ist überhaupt die Existenzwahrscheinlichkeit? Es wird geschätzt, dass allein unsere Galaxie aus 100 bis 400 Milliarden Sternen besteht. Viele davon könnten von Planeten umgeben sein, auf denen Leben möglich wäre. Wissenschaftler haben errechnet, dass es in der Milchstraße wahrscheinlich Milliarden von Planeten gibt, die sich in der bewohnbaren Zone eines Sonnensystems befinden und auf denen Leben möglich wäre. 

Organisationen wie die NASA, die Europäische Weltraumorganisation und die SETI-Forschung (Search for Extraterrestrial Intelligence) befassen sich seit Langem mit Programmen, die außerirdisches Leben aufspüren sollen. Mithilfe von gigantischen Funkmasten und Radioteleskopen wird zum Beispiel nach extraterrestrischen Funksignalen gesucht. Andere Methoden versuchen helle Lichtblitze aufzuspüren, die ein Zeichen für Laserstrahlen sein könnten.

Technisch gesehen sind Radiowellen die am häufigsten verwendete Methode zum Aufspüren außerirdischem Lebens. Allerdings bergen sie auch eine Reihe von Problemen. So könnten wir zum Beispiel einfach nicht über die richtige Technologie verfügen, um Signale aus dem Weltraum zu interpretieren. Außerdem müssen die Signale auf die Erde gerichtet sein und dürfen aus keiner zu großen Entfernung gesendet werden. Da die Menschheit selbst erst seit circa einem Jahrhundert in der Lage ist, per Radioübertragung zu kommunizieren, konnten wir bisher auch nur Signale empfangen, die von einem Ort stammen, der nicht weiter als 100 Lichtjahre von der Erde entfernt ist.

Der italienische Physiker Enrico Fermi versuchte in den 1950er-Jahren, den Fakt, dass wir bisher noch nicht auf Leben im Universum gestoßen sind, mit seinem Fermi-Paradoxon zu begründen. Fermi fragte sich, warum es uns noch nicht gelungen war, außerirdisches Leben zu beobachten, obwohl die Wahrscheinlichkeit für dessen Existenz doch so extrem hoch sei. Er folgerte daraus, dass entweder die Beobachtungen oder die Annahmen zu hinterfragen seien.

Ein Teil des Fermi-Paradoxons ist das Konzept des „Großen Filters“. Laut dieser Theorie erreichen Zivilisationen nur selten eine Stufe, auf der interstellare Raumfahrt möglich ist. Davor steht eine zivilisatorische Barriere, die nur selten überwunden wird. Diese Barriere oder dieser Filter könnte eine Herausforderung oder Bedrohung sein. So könnte die Entwicklung höherer Intelligenz extrem selten sein und praktisch nie vorkommen. 

Eine weitere Theorie, die den fehlenden Beweis außerirdischen Lebens zu begründen versucht, ist die Zoo-Hypothese. Diese Hypothese geht davon aus, dass außerirdische Lebensformen existieren und diese das Leben auf der Erde kennen. Allerdings vermeiden diese Lebensformen den Kontakt, um unsere primitive Spezies aus der Ferne zu beobachten.

Dann gibt es die Theorie des genetischen Flaschenhals. Diese Theorie geht davon aus, dass irgendwo im Universum Leben existierte. Dies habe aber nie die gleichen Bedingungen wie auf der Erde gehabt und konnte sich deswegen nicht im selben Maße entwickeln. So könnten zum Beispiel instabile Ökosysteme oder sich verändernde Planeten zum Aussterben geführt haben, bevor sich eine Form von höherer Intelligenz entwickeln konnte.

Interessant ist auch die Idee extraterrestrischer Ozeane. Unter der Eisoberfläche einiger Monde von Jupiter und Saturn entdeckten Wissenschaftler riesige Ozeane. In diesen Meeren könnte sich theoretisch Leben entwickelt haben und immer noch existieren. Allerdings müssten die Lebensformen eine enorme Anstrengung auf sich nehmen, um an die Oberfläche der Planeten zu gelangen – und von dort weiter zu uns.

Eine weitere Theorie besagt, dass unser Sonnensystem zu jung ist, um bereits von Außerirdischen entdeckt worden zu sein. Selbst wenn diese sich in unserem Teil der Galaxie aufgehalten hätten, hätte die Erde wahrscheinlich noch nicht existiert.

Oder sind sie vielleicht bereits hier? Es gibt aber auch eine Theorie, die davon ausgeht, dass Außerirdische bereits unter uns leben. Evan Solomonides, ein wissenschaftlicher Mitarbeiter am astrophysischen Institut der Cornell University in US-Bundesstaat New York veröffentlichte eine Studie über die Wahrscheinlichkeit eines Kontakts mit Außerirdischen. Er kam zu dem Schluss, dass es nur eine Frage der Zeit sei, bis dieser stattfinde, die Menschheit aber etwas Geduld haben müsse. Er weißt darauf hin, dass wir bis heute gerade einmal unsere nächste Umgebung im Universum erkundet haben. Um in die Reichweite eines Kontakts mit Außerirdischen zu gelangen, müssten wir weitere 1.500 Jahre warten.