Aufgedeckt: Rückerstattungsbetrug bei Amazon und Co.

Sandra Alter
·Freiberufliche Journalistin
·Lesedauer: 3 Min.

Ware behalten und Geld zurückbekommen – wie das geht, ließen sich hunderte Kunden gegen Gebühr von Internetkriminellen zeigen. Jetzt drohen allen Beteiligten Haft- oder Geldstrafen.

Close up of delivery man keeping cardboard packages at doorstep.
(Bild: Getty Images)

Wer als Schnäppchenjäger in den Kanälen des Messengers Telegram unterwegs ist, sollte sich vor allzu günstig klingenden Angeboten in Acht nehmen. Dahinter könnte eine Betrugsmasche wie die der German Refund Crew stecken. Die Telegram-Gruppe hatte ihren Kunden ein Coaching angeboten, wie sich Waren bestellen und behalten lassen, aber das Geld im Nachhinein zurückerstattet wird.

Mehrere hundert Ermittlungsverfahren eingeleitet

Aufdeckt wurde der Rückerstattungsbetrug von C’t. Das Magazin für Computertechnik hatte laut seinem aktuellen Bericht sechs Monate im Darknet sowie auf Telegram recherchiert, mit welchen Methoden Betrüger beim Onlineshopping Händler um ihre Waren bringen.

Im Fokus stand dabei die German Refund Crew. Wie C‘t nun mitteilt, wurde die Telegram-Gruppe mit mehreren hundert Teilnehmern bereits im Oktober vom Bundeskriminalamt in einer groß angelegten Aktion übernommen und die Daten ausgewertet. Nun laufen sowohl Ermittlungen gegen die Organisatoren, als auch die Kunden.

Coaching und Telefonservice

Anders als bei der Warenbeschaffung mit Hilfe von Strohmännern, soll es zum Geschäftsmodell der German Refund Crew gehört haben, Kunden gegen Gebühr einen Rundum-Service für Rückerstattungsbetrug zu bieten. Dazu habe sowohl ein Coaching als auch ein Telefonservice gehört, der die Rückabwicklungsgespräche mit den Händlern führte. Als Gegenleistung sollen Kunden zwischen 20 und 27 Prozent des jeweiligen Warenwerts in Bitcoin oder an ein PayPal-Konto bezahlt haben. Zum Angebot habe die Beschaffung von Waren über Onlinehändler wie Amazon und Zalando gehört.

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Umfangreiche Datensammlungen

Um sicherzustellen, selbst nicht betrogen zu werden, habe die German Refund Crew einen regelrechten „Daten-Striptease“ von ihren Kunden verlangt, der neben Name und Adresse auch die Kreditkartendaten, den Telegram-Account sowie eine Liste der bestellten Waren umfasste.

„Damit konnte die German Refund Crew auch sicherstellen, selbst nicht betrogen zu werden – und hätten die Kunden nach Belieben damit erpressen können, die Daten an die Ermittlungsbehörden weiterzugeben. Für Ermittler sind solche Datensammlungen Gold wert, zumal es sich um die wahren Namen und Adressen der Kunden handelt“, schreibt das Magazin.

Fünf verschiedene Betrugsmethoden

Insgesamt habe die German Refund Group mit fünf verschiedenen Betrugsmaschen gearbeitet, auf die C’t im aktuellen Bericht aus Rücksicht auf die noch laufenden Ermittlungen nicht näher eingehen will. Ein wesentlicher Punkt seien jedoch die durch Corona bei vielen Paketdiensten geänderten Zustellvorschriften gewesen, durch die etwa Unterschriften bei Empfangsbestätigungen wegfallen oder Pakete einfach abgestellt werden. So könne sich die ordnungsgemäße Zustellung nicht beweisen lassen und im Zweifel müsse der Paketdienst den Warenwert ersetzen.

Tragweite lässt sich schwer abschätzen

„Wie verbreitet Rückerstattungsbetrug ist, lässt sich kaum abschätzen. Selbst die Landeskriminalämter haben darüber keine Informationen, denn es gibt in der Kriminalstatistik dafür keinen eigenen Schlüssel“, so C’t.

Im Fall der German Refund Group gehe es um mehrere hundert Taten, die in einem Zeitraum von nur gut vier Monaten begangen wurden und einen Schaden von mehreren hunderttausend Euro verursachten.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt aktuell wegen Betrugs sowie Anstiftung zum Betrug. Den Kunden drohen nun Freiheitsstrafen bis zu fünf Jahren oder Gelstrafen.

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