Aufregung im Unterhaus: Brexit-Hardliner Rees-Mogg hält während Debatte Nickerchen

Jacob Rees-Mogg lümmelte sich am Dienstag während einer zentralen Brexit-Debatte im britischen Parlament auf seiner Bank zurecht. (Bild: House Of Commons/PA Wire/dpa)

Jacob Rees-Mogg ist nicht einfach irgendein Politiker von der Hinterbank, nein, er ist der Vorsitzende des Unterhauses und ein Brexit-Hardliner. Dennoch setzte er lümmelnd sein Statement – das viele als „respektlos“ betitelten.

Es war eine der wichtigsten politischen Debatten, die jemals im jahrhundertealten britischen Unterhaus geführt worden war. So zumindest beschreibt der „Guardian“, über was am Dienstag im Londoner Parlament lautstark gestritten wurde: Wie scheidet Großbritannien am 31. Oktober aus der Europäischen Union aus? Gibt es noch eine Einigung oder erfolgt der Austritt „ungeregelt“, also ohne „Deal“?

Setzen Sie sich endlich richtig hin!

Während zahlreiche Abgeordnete in lauten Redebeiträgen Argumente austauschten, demonstrierte der Brexit-Hardliner und Vorsitzende des Unterhauses, Jacob Rees-Mogg, seine Meinung auf andere Weise: Er streckte sich über drei Sitzplätze der grün bezogenen Bank aus und schloss zeitweise sogar die Augen. Diese Art, sein Desinteresse auszudrücken, hielt er für eine ganze Weile aufrecht – selbst, als andere Abgeordnete ihn zur Ordnung riefen und ihn aufforderten, sich endlich richtig hinzusetzen. Doch Rees-Mogg tat nichts dergleichen, er harrte aus, grinste nur manchmal oder richtete sich die Brille.

Caroline Lucas, Mitglied der Grünen, verurteilte ihn dafür. Sie sagte während der Debatte: „Viel wurde heute über Demokratie gesprochen, gleichzeitig drückte der Vorsitzende mit seiner Körpersprache den ganzen Abend über seine Verachtung gegenüber diesem Parlament und dem Volk aus.“ Für das schriftliche Protokoll fügte sie hinzu, dass Rees-Mogg über „drei Sitze liegt, als würde er einem stinklangweiligen Thema lauschen“.

Die Bildmontagen lassen nicht lange auf sich warten

Anna Turley, Abgeordnete der Labour-Partei, fotografierte Rees-Mogg in seiner Pose und veröffentlichte das Bild auf Twitter. Dazu schrieb sie: „Die Verkörperung von Arroganz, Selbstgerechtigkeit, Respektlosigkeit und Verachtung für unser Parlament.“ Mittlerweile gefällt ihr Beitrag über 80.000 Menschen, er wurde zudem fast 30.000 Mal geteilt.

Und wie das eben so ist, mit Twitter, dauerte es nicht lange, bis die ersten Bildmontagen von Rees-Mogg ihre Likes sammelten. Wie der etwa schläfrig auf dem seit drei Jahren sinkenden Pfund-Kurs liegt oder wie er plötzlich untenrum andere Kleidung trägt.

Oder wie er es sich auf dem Sofa der Simpsons bequem macht.

Oder wie er den Platz der ertrinkenden Ophelia in einem Gemälde einnimmt.

Die Abstimmung verliert er

Rees-Mogg fand übriges doch noch seinen aufrechten Sitz. Nämlich als das Ergebnis einer Abstimmung, eine Niederlage für ihn und seine Regierung, verkündet wurde. Damit wurde ein Gesetz auf den Weg gebracht, das einen No-Deal-Brexit verbieten soll. Anna Soubry, ehemals Tory-Abgeordnete, quittierte Rees-Mogg plötzliches Interesse am parlamentarischen Alltag zum Ende hin wie folgt: „Das Ergebnis brachte sogar den Vorsitzenden dazu, sich wieder gerade hinzusetzen.“