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Aufschieberitis hat nichts mit Zeitmanagement zu tun, sondern ist ein emotionales Problem – man kann es überwinden

Ein übergeordnetes Ziel könne euch dabei helfen, Prokrastination zu überwinden, meint der Autor Petr Ludwig. - Copyright: Phynart Studio / Getty Images
Ein übergeordnetes Ziel könne euch dabei helfen, Prokrastination zu überwinden, meint der Autor Petr Ludwig. - Copyright: Phynart Studio / Getty Images

Wer kennt es nicht? Eigentlich rückt die Deadline für die Steuererklärung, die Präsentation für den Chef oder die Bachelorarbeit immer näher. Aber die Lust, sich endlich mal diesen Aufgaben zu widmen, hält sich in Grenzen. Stattdessen gehen wir lieber spazieren oder setzen uns gemütlich vor den Fernseher – ein klassischer Fall der Aufschieberitis, auch Prokrastination genannt.

Prokrastinieren bedeutet, Aufgaben aufzuschieben, die eigentlich erledigt werden müssen. Viele Menschen glauben, dass schlechtes Zeitmanagement dahinter steckt. In seinem Buch "Schluss mit Prokrastination: Wie man aufhört zu verschieben und anfängt zu leben" thematisiert der Autor Petr Ludwig aber, dass vor allem emotionale Probleme schuld daran sind. Dazu gehören etwa Versagensängste, mangelnde Willensstärke und fehlende Motivation.

Glücklicherweise gibt es jedoch Strategien, um Prokrastination zu überwinden. Einige davon verriet Ludwig in einem exklusiven Interview in dem Podcast "Write About Now".

1. Findet ein übergeordnetes Ziel

Menschen, die prokrastinieren, fehlt es häufig an Motivation. Und dieses Problem lässt sich meist darauf zurückführen, dass sie kein übergeordnetes Ziel in ihrem Leben haben. Ludwig rät Betroffenen daher, in sich hineinzuhorchen und wieder eine Art Bestimmung zu finden. Welche Aufgaben macht ihr wirklich gerne? Was gibt euch das Gefühl von Erfüllung? Welche Stärken habt ihr und wie könnt ihr sie täglich einsetzen? Diese Fragen solltet ihr euch laut Ludwig stellen, um einen tieferen Sinn in euren Tätigkeiten zu erkennen. Dadurch schöpft ihr neue Motivation, kommt besser in den Flow und erlebt während der Arbeit positive Gefühle.

2. Habt Spaß

Menschen neigen dazu, sich mehr auf ihr Ziel als den Weg dorthin zu fokussieren. Ludwig zufolge solltet ihr aber auch versuchen, die einzelnen Arbeitsschritte zu genießen. "Wenn man den Prozess genießt, hat man Spaß an dem, was man tut und schiebt es nicht auf", erklärte er in dem Podcast.

3. Unterteilt große Aufgaben in kleinere Arbeitsschritte

Manche Aufgaben sind einfach so groß, dass uns schon der bloße Gedanke daran überfordert. In diesen Fällen neigen viele Menschen dazu, in eine Art Schockstarre zu verfallen und gar nicht erst mit der Arbeit anzufangen. Dieses Problem verhindert ihr laut Ludwig am besten, indem ihr die Aufgabe in kleinere Arbeitsschritte unterteilt. So gelingt es euch, Prioritäten besser zu setzen, wodurch "die sehr intensiven negativen Emotionen gegenüber der Aufgabe nachlassen und eure Willenskraft einsetzt", erklärte er. Das aktiviere die Belohnungszentren in unserem Gehirn und führe zu größerer Zufriedenheit.

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Infografik: Wenn der Kopf Schwierigkeiten macht | Statista
Infografik: Wenn der Kopf Schwierigkeiten macht | Statista

4. Geht einfühlsam mit euch selbst um

Prokrastination zu überwinden, ist keine leichte Aufgabe. Trotz ernst gemeinter Kampfansage kann es ab und zu vorkommen, dass ihr wieder in alte Verhaltensmuster verfallt. Lasst euch davon aber nicht entmutigen. Und vor allem: Bestraft euch nicht dafür, wenn ihr erneut eine Aufgabe aufschiebt. Übt euch stattdessen in Selbstvergebung, empfiehlt Ludwig. Er meint: "Manchmal geht es einfach darum, sich zu verzeihen und neu anzufangen."

Wie effektiv Selbstvergebung im Kampf gegen das Prokrastinieren sein kann, zeigt auch eine Studie der Carlton University aus dem Jahr 2009. Studienanfänger, die eine Prüfung aufgeschoben und sich dafür selbst vergeben hatten, schoben nämlich nachweislich mit geringerer Wahrscheinlichkeit auch die zweite Prüfung auf.

Update im März 2024: Inhalt überprüft und aktualisiert

stm