Ausschlafen oder auspowern? Wissenschaftler wägen ab

Gesund zu leben erfordert jede Menge Mathematik. Es gilt, Schlaf, Mahlzeiten und Workouts richtig zu proportionieren und die eigene Zeit dementsprechend vorsichtig zu organisieren. Man braucht genug vom einen, um die Wirkung der anderen auszugleichen oder zu vergrößern – und wenn man eins wegnimmt, stimmt im Zweifelsfall die ganze Gleichung nicht mehr. 

Die Dinge werden besonders kompliziert an Morgenden, an denen man im Bett liegend mit sich selbst diskutiert, ob man noch ein Stündchen schläft oder sich ins Fitnessstudio quält. Die Argumente für beide Seiten sind schon hunderte Male gegeneinander abgewogen worden, aber was ist am Ende tatsächlich besser?

"Beides, sowohl Schlaf als auch Training, tragen substantiell zur physischen und geistigen Gesundheit bei", weiß Kelly Glazer Baron, eine klinische Psychologin und Schlafforscherin an der Feinberg School of Medicine. 

Natürlich gibt es keine klare und eindeutige Antwort, dementsprechend ist es wichtig, sich des gegenseitig gewinnbringenden Verhältnisses bewusst zu sein. Die Kombination aus Workout und langen, erholsamen Nächten ist unschlagbar.

Barons Untersuchung beweist, dass mindestens sieben Stunden Schlaf dazu führen, dass man am nächsten Tag länger und härter trainieren kann. Außerdem profitieren Menschen mit Schlafproblemen von einem regelmäßigen aeroben Training. 

Auf lange Sicht sollte man also selbstverständlich ein adäquates Maß von beidem in seine tägliche Routine einbauen, aber die Studie kann bei der Entscheidung in Sonderfällen helfen. Also, wer ausreichend Schlaf (zwischen sieben und neun Stunden) in der Nacht zuvor abbekommen hat, sollte sich am besten aus dem Bett schubsen und ins Fitnessstudio gehen.

Wer aber in den meisten Nächten der Woche weniger als sechs Stunden schläft, sollte sich erst einmal darauf konzentrieren, einen gesunden Schlafrhythmus aufzubauen. Richtig, das ist die Erlaubnis zum Ausschlafen. Die gilt aber nur solange, bis man eine ordentliche Routine etabliert hat.

Wer die komplette Nacht wach war, sollte sich besser nicht zum Training zwingen, da die Koordination und Balance geschwächt sind, sodass die Übungen gefährlicher sind. Außerdem wird sich in solchen Situationen das Workout nur unglaublich viel schwieriger als normal anfühlen, was sowohl die physische als auch mentale Verfassung negativ beeinflusst – und das braucht man bei Müdigkeit nun nicht auch noch.

Wer aber bisher nur ein einziges Mal diese Woche das Fitnessstudio von innen gesehen hat und zudem den Abend zuvor früh ins Bett gegangen ist, hat absolut keine Ausrede. Finger weg von der Schlummertaste und los geht's mit der Bewegung!