Barbie auf Youtube: Wird das Püppchen zum Rolemodel für Kinder?

Maria Timtschenko
Freie Journalistin
Auch auf dem deutschen Channel von Barbie hat sie schon 13 Folgen ihres Vlogs hochgeladen – und Begeisterung geerntet. Foto: Screenshot / Youtube / Barbie

Barbie war schon Influencerin als das noch “Vorbild” hieß. Darüber brauchen wir uns nicht zu streiten. Und mittlerweile hat die Püppi nicht nur ihre eigene Netflix-Serie, sondern auch einen Youtube-Channel. Doch wer glaubt, darin gehe es nur um Klamotten, Style und Haare, der irrt. Barbie zeigt hier wieder einmal: “Ich kann mehr als ihr denkt!”

“Haters gonna hate.” Das wusste Barbie lange bevor der Taylor-Swift-Song herauskam. Deswegen hat sie sich auch nichts daraus gemacht, dass sie jahrzehntelang als zu dünn beschimpft wurde, als unförmig, als zu blond, zu blauäugig, zu wohlhabend, zu mädchenhaft, zu, zu, zu…

Sie wusste: Man kann es nicht allen recht machen. Und vielleicht wollte sie sich auch nicht auf ihren Körper reduzieren lassen. Denn das ist es doch, was alle Menschen, die Barbie herablassend ansahen und sie als schlechtes Vorbild für Mädchen deklarierten, mit ihr machten. Sie sahen Barbie und sahen nur eine dünne Frau. So als wäre es legitim, Menschen lediglich nach ihrer Körperform zu beurteilen: “Der ist aber dick.” und “Die hat aber Cellulite.” Barbie war nicht wirklich das Problem, es waren jene Menschen, die sie auf Äußerlichkeiten reduzierten und nicht sahen, dass sie schon Astronautin war, Chirurgin, Pilotin und Soldatin, als in der BRD Frauen noch die Unterschrift ihres Mannes einholen mussten, um einen Vertrag zu unterzeichnen. 

Doppelgängerin: Diese Stars gibt es auch als Barbie

Und das ist die andere Seite der Medaille: Menschen, die Barbie glorifizieren. Als selbständige Frau, die ständig arbeitet, keine Kinder bekommt, lediglich einen Hund in der Tasche mit sich führt. Mal ist sie mit Ken zusammen und mal mit dem anderen Barbieboy. Barbie als Traumhaus-, Sportboot- und Flugzeugbesitzerin. Barbie als überzeugte Feministin. Na, na, na. Ist das vielleicht ein bisschen viel der Ehre?

Barbies Youtube-Videos sind im 21. Jahrhundert angekommen, sie sind gut animiert und eingesprochen, Barbie behandelt wichtige Themen, sie läuft herum und motiviert die Kids, die ihr zusehen. Foto: Screenshot Youtube / Barbie

Fest steht: Barbie ist jetzt auf Youtube. Und dort präsentiert sie sich nicht nur in ihrer vollen Schönheit, sondern auch mit einer besonderen Message. So versucht sie zum Beispiel die berühmten Social-Media-Challenges in eine sinnvolle Richtung zu lenken. Auf ihrem englischsprachigen Kanal hat sie eine Folge veröffentlicht, in der sie Mädchen dazu auffordert, sich weniger zu entschuldigen. Besonders Frauen würden viel zu oft “Sorry” sagen. Beispielsweise wenn sie das Essen zurückgehen lassen möchte, weil es kalt ist, sagen sie: “Entschuldigung, könnten Sie es für mich aufwärmen?” Oder wenn sie jemand anrempelt, würden sie, obwohl ohne Schuld, noch ein kurzes “‘Tschuldige” hinterherrufen.

Youtube-Challenge für Mädchen: weniger entschuldigen!

Barbie sagt: Das ist unnötig. “Sag lieber ‘Danke, dass Sie mein Essen aufwärmen’ oder, wenn dich jemand anrempelt ‘Kein Thema’. Das gibt dem Gespräch eine ganz neue Dynamik.” Mit ihrem Anliegen hat sie recht: Eine Studie der kanadischen Waterloo-Universität fand 2011 heraus, dass sich Frauen deshalb häufiger entschuldigen, weil sie schneller die Notwendigkeit dafür sehen. Männer hingegen sagen erst, dass ihnen etwas leidtut, wenn sie wirklich Mist gebaut haben. Dass eine Entschuldigung bei Frauen häufig als deeskalierende Strategie gemeint ist oder, dass sie lediglich höflich wirken soll, verstehen viele andere Menschen jedoch nicht. Weniger entschuldigen – Challenge accepted, Barbie!


Außerdem stellt die computeranimierte Puppe auf Youtube weibliche Vorbilder vor, und erklärt die Notwendigkeit derartige Vorbilder zu haben. Diese entspringen dem echten Leben, beispielsweise erklärt Barbie auf kindgerechte Weise die Arbeit und die Bedeutung der Künstlerin Frida Kahlo.

Im Video: Frida Kahlo als Barbie-Puppe oder lieber digital?

Barbie – die Motivationstrainerin

Außerdem motiviert Barbie: Sie will, dass junge Menschen ihre Träume verwirklichen und erzählt von ihrer aufgeweckten Schwester Chelsea, die in der Klasse ausgelacht wurde, weil sie meinte, sie wolle Präsidentin werden. Barbie erklärt: “Dass wir überhaupt sagen müssen ‘Frauen können auch Präsidentin werden’ klingt schon danach, als wäre das irgendwie unnormal. Aber Frauen sind Präsidentinnen, Frauen sind Anführerinnen.” Sie ist der Meinung, dass Worte uns beeinflussen und eine Richtung weisen können, die uns an uns zweifeln lassen oder Rollenbilder vermitteln, die Barbie aufbrechen will.

 

All das ist Barbies Youtube-Vlog. Das ist natürlich auch eine gezielte Marketingstrategie. Der Barbie-Konzern hat verstanden, dass sich über diesen Kanal, ihre Zielgruppe ganz neu erreichen lässt. Während Mamis Barbie für überholt halten und an den Puppenregalen in der Spielzeugabteilung vorbeigehen, wenden sich Kinder jetzt über Youtube wieder Barbie zu – und wollen sie kaufen. Denn darum geht es am Ende ja hauptsächlich. Aber: Barbie vermittelt auf ihrem Youtube-Kanal mehr Inhalte und Werte als die Plastikpuppe selbst noch vor 50 Jahren ihren Konsumenten mitgeben konnte – und das ist das Besondere.

Auch diese Beiträge könnten Sie interessieren:

Folgt uns auf Facebook und Instagram und lasst euch täglich von Style-Trends und coolen Storys inspirieren!