Tierischer Traubenexperte: Schwarzbär erweist sich als Weinkenner

Moritz Piehler
Freier Autor
"Hat hier jemand Pinot Noir gesagt?" Ein kalifornischer Schwarzbär erweist sich bei seinen nächtlichen Beutezügen als Weinkenner (Symbolbild: Getty Images)

Wenn man Landwirtschaft betreibt, muss man damit rechnen, ab und zu Tieren zu begegnen. Ein kalifornisches Weingut hat allerdings regelmäßigen Besuch von einem ganz besonders bärigen Gast. Und der hat auch noch einen exquisiten Geschmack.

Auf den körnigen Nachtaufnahmen, die der Navarro Vineyard auf seiner Facebookseite veröffentlichte, ist er gut zu erkennen: Ein ziemlich kräftiger Schwarzbär schleicht über das gut 16 Hektar große Weingut. Er scheint auf der Suche nach irgendetwas zu sein, guckt sogar zweimal kurz in die Kamera und tatsächlich wendet er sich dann den Weintrauben zu und futtert sie genüsslich. Aber es sind nicht irgendwelche Reben, die sich Meister Petz herausgepickt hat. Er isst ausschließlich Pinot-Noir-Trauben, die sieben anderen dort angebauten Sorten lässt er unberührt.

“Er frisst nur die Premiumfrüchte”, erzählt Weinbauer Aaron Bennet der “Los Angeles Times”. Doch er sieht die nächtlichen Besuch dennoch sehr gelassen: “Ich bin froh, dass er den teuersten Wein mag, den wir anbauen. Für uns ist es ja nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Wir freuen uns, dass der Bär da ist.” Ob der Bär wirklich solch ein Weinkenner ist, oder die schwarzen Früchte für ihn einfach nur besser zu erreichen sind als andere, bleibt dahin gestellt.

Schon seit Jahren hatte die Familie Bennett, der das Weingut etwa 110 Kilometer nördlich von Santa Rosa gehört, immer wieder Abdrücke von Bärentatzen und leergefutterte Reben entdeckt. Deswegen hatten sie Kameras aufgestellt, um den Traubendieb zu entlarven, hatten aber erst in diesem Jahr bei ihren Aufnahmen Glück. Die Familie stellte dann einen Zusammenschnitt der Bärenbesuche online, der bereits über 10.000 mal angeschaut wurde. Die Kommentare sind in der überwältigenden Mehrheit positiv und voller Anerkennung für den freundlichen Umgang der Bennetts mit ihrem tierischen Weinverkoster.

Landschafts-Architekten haben bereits vorgeschlagen, Bärenleitern einzuführen, um den Bären einen einfacheren Zugang zu verschaffen und so das natürliche Ökosystem zu unterstützen. Bennett sieht auch das entspannt. “Ein Bär geht eh dahin, wohin er gehen will”, sagte er der “LA Times”. Und schließlich konsumiere der Bär über das Jahr gesehen nur etwa ein Prozent der Trauben, zu verkraftende Einbußen.

Vermutlich käme er in den nächsten Wochen noch ein paar mal, um sich zu bedienen. Dann beginnt die Erntesaison und die dabei eingesetzten Traktoren und Lichter würden ihn fern halten, vermutet Bennett. Doch geht es nach dem Gutsbesitzer, soll es nicht der letzte Besuch gewesen sein. “Wir hoffen, dass er weiterhin jedes Jahr zu uns kommt,” sagt Bennett.