Finanzspritze für taumelnde Baubranche: Milliarden-Ausbau der Bahnstrecken sorgt für Auftragsboom im Tiefbau

Die deutsche Bauindustrie ist angeschlagen. Im August aber legten Aufträge und Umsatz überraschend deutlich zu.  - Copyright: Picture Alliance
Die deutsche Bauindustrie ist angeschlagen. Im August aber legten Aufträge und Umsatz überraschend deutlich zu. - Copyright: Picture Alliance

Für Bahnkunden sind oft ein Ärgernis, für die angeschlagene deutsche Bauwirtschaft aber ein Segen: Die Baustellen an Strecken und Bahnhöfen der Deutschen Bahn. Die Modernisierung der Bahn-Infrastruktur mit vielen Milliarden Euro Staatsgeld stützt jetzt spürbar die Baukonjunktur. Insgesamt erhalten deutsche Baufirmen wieder deutlich mehr Aufträge.

Im August stieg der Auftragseingang im Bauhauptgewerbe bereits im zweiten Monat in Folge. Die Baufirmen bekamen noch einmal 10,8 Prozent mehr Aufträge als im Juli, teilte das Statistische Bundesamt mit. Im Jahresvergleich zum Juli 2022 ergibt sich sogar ein reales Plus von 17,5 Prozent. Dabei sind Preissteigerungen und Kalendereffekte bereits bereinigt.

Nach dem schwachen ersten Halbjahr hat der Bau aber immer noch Aufholbedarf. Trotz des starken August waren die Auftragseingänge in den ersten acht Monaten 2023 real noch um 7,6 Prozent niedriger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die Auftragslücke zum Vorjahr wird aber kleiner.

Getragen wurde die Entwicklung vom Tiefbau, zum Beispiel von Straßen und Wegen, Bahngleisen oder Trassen für die Energieversorgung. Im Tiefbau zogen die Aufträge im Juni im Vergleich zum Juni um 18,6 Prozent an. Auch im Hochbau, der unter dem Einbruch beim Wohnungsbau leidet, gingen immerhin 1,8 Prozent mehr Aufträge ein.

Milliarden für die Bahn als Konjunkturspritze

Der Boom im Tiefbau wird durch Großaufträge befeuert. Dabei spielt der Ausbau der Bahn eine große Rolle. „Diese positive Entwicklung im Auftragseingang ist gut, allerdings ausschließlich auf mehrere Großaufträge im Bahnbau zurückzuführen“, kommentierte der Hauptgeschäftsführer der Bauindustrie, Tim-Oliver Müller. Die Aufträge im Wirtschaftstiefbau hätten sich sogar verdoppelt.

Aus dem Haushalt von Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) investiert der Bund 2023 rund neun Milliarden Euro in die bundeseigene Bahn. Bis 2027 soll die Bahn zusätzlich 12,5 Milliarden Euro aus Sondervermögen des Bundes bekommen.

Der Boom beim Bahnausbau dürfe nicht über die Probleme im Wohnungsbau hinwegtäuschen. Hier gehe der Auftragseingang immer noch weiter zurück. Im August seien die Aufträge für neue Wohnungen noch einmal um 6,5 Prozent unter dem bereits schwachen Vorjahr geblieben. „Die Talsohle im Wohnugnsbau sei noch nicht erreicht und die bisherigen Maßnahmen der Politik reichten nicht, um das Ruder herumzureißen, sagte Müller.

Auch der Umsatz der Bauindustrie legt zu

Nicht nur die Aufträge für die Zukunft stiegen, auch das laufende Geschäft am Bau entwickelte sich im August stabil. Der Umsatz im Bauhauptgewerbe war um 0,1 Prozent höher als vor einem Jahr. Auch diese Steigerung bezieht sich auf die realen Werte. Die erheblichen Preissteigerungen sind herausgerechnet. Nominal, also einschließlich der höheren Preise, stieg der Umsatz sogar um 3,8 Prozent auf 9,9 Milliarden Euro.

Auch hier bleibt aber noch viel Geschäft aufzuholen. In den ersten acht Monaten 2023 blieb der gesamte Umsatz im Hoch- und Tiefbau um 4,0 Prozent unter dem Vorjahr.

Die Zahl der Erwerbstätigen im Bauhauptgewerbe erhöhte sich im Juli 2023 zum Vorjahresmonat um 1,2 Prozent.

Die Stimmung der Bauunternehmen ist eher düster, wenn sie sich auch leicht verbessert. Das ergab die monatliche Umfrage des Ifo-Instituts für ihr Geschäftsklima. Der Index für das Bauhauptgewerbe stieg im Oktober etwas. Die Baufirmen schätzten ihre aktuelle Lage etwas schlechter ein. Für die kommenden sechs Monate waren sie aber immerhin etwas weniger pessimistisch als im September.