Beauty-Test: Kosmetik speziell für Frauen und Männer - gibt es da wirklich einen Unterschied?

Carolin Klar
Freie Autorin für Yahoo Style
Männerpflege, Frauenpflege – gibt es wirklich einen Unterschied, zum Beispiel bei Cremes? (Bild: Getty Images)

Macht es Sinn, dass es verschiedene Cremes, Shampoos & Co. für Sie und Ihn gibt? Oder ist die Gender-Zuordnung eine reine Vermarktungsstrategie? Wir haben Produkte für Frauen und Männer getestet und miteinander verglichen.

Gender-Marketing in der Kosmetikindustrie

Kosmetikfirmen haben Männer als sinnvolle, eigene Zielgruppe für Cremes & Co. ausgemacht und sprechen sie gezielt mit Männerserien an. Männer haben eine andere Haut als Frauen, und ihre Haarpflege ist meist eine andere. Die Produkte wollen sich um entsprechende Bedürfnisse kümmern.

Der Hauptunterschied zwischen Männerhaut und Frauenhaut liegt laut einer Untersuchung von Dr. Stefanie Lübberding und Kollegen von der Universität Hamburg im Talggehalt und pH-Wert. Beide sind bei Männern höher als bei Frauen und an der Wange am höchsten (Männer 4,78, Frauen 5,27). Der Hamburger Studie zufolge verliert zudem die Haut von Frauen bis 50 deutlich mehr Feuchtigkeit als die von Männern.

Nicht nur die Haut ist verschieden, sondern auch die Haare

Was die Haare angeht, liegen die Unterschiede in der Struktur und in der Pflegeroutine. Männer haben dickere Haare. Sie waschen sich die Haare außerdem meist öfter, teilweise täglich. Deshalb sind die Shampoos für sie milder. Frauen haben oft längeres Haar, das in der Regel seltener gewaschen wird. Viele Frauen stylen ihr Haar häufiger, auch mit heißen Geräten wie Glätteisen oder Lockenstab – und leider nicht immer richtig, was das Haar strapazieren kann. Deshalb stecken mehr pflegende Zusatzstoffe in Frauenshampoos.

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Frauen kaufen meist anders als Männer

Inzwischen füllen spezielle Männerprodukte in Drogeriemärkten und -abteilungen eigene Regalreihen. Trotzdem haben Frauen noch die größere Auswahl im Label-Dschungel des Kosmetikangebots. Markt- und Zielgruppenforschungen behaupten, dass die weibliche Kundin kritischer ist, sich differenzierter mit Produkten auseinandersetzt und mehr auf Optimierung bedacht ist als die männliche Kundschaft.

Das Verpackungs- und Produktdesign von Kosmetik

Für Männer oder für Frauen? Die Produkte für Sie und Ihn bedienen nicht immer Stereotypen. (Bild: Carolin Klar)

Obwohl die Gender-Grenzen heutzutage verschwimmen, kommen gewisse Stereotypen, die als typisch weiblich und als typisch männlich gelten, bei der Kosmetik durch. Optisch setzten die Marken bei Männerkosmetik oft auf dunkle und starke Farben wie Grau und Schwarz. Bei Tiegeln und Tuben für Frauen sind eher zarte und edle Töne wie Rosa, Lila und Gold im Spiel.

Inhaltsstoffe, Düfte und Produktnamen

Zudem gibt es Inhaltsstoffe und Düfte, die gern bei Männerprodukten zum Einsatz kommen: Hopfen, Koffein, Aktivkohle, Zedernholz, Ingwer, Minze oder Menthol zum Beispiel. Frauenprodukte enthalten vorzugsweise Vanille, Rosen, Wasserlilien, Kaktusfeigen oder Mandelblüten.

Produkte mit Kamille oder Früchten wie Grapefruit, Apfel oder Orange sind von der Duftnote her zumindest geschlechtsneutral. Aber natürlich ist auch die Wortwahl eine andere bei Frauen- und Männerprodukten. Die Duschgels für Frauen tragen Namen wie „Blütenzauber“, „Lucky Moments“ oder „Warming Happy Hugs“ – die für Männer bemühen andere Anglizismen, wie etwa „Ice Dive“, „Power Fresh“ oder „Clean Meshup“. Was ein Produkt kann, wird für die weibliche Zielgruppe oft sinnlicher und umfangreicher beschrieben. Dazu gleich mehr bei den einzelnen Produkten, die getestet wurden.

Produkte für Frauen und Männer im Vergleich

Feuchtigkeit, Pflege, Volumen: Für Frauen und Männer gibt es von manchen Marken entsprechende Produkte. Wir haben zwei ähnliche Gesichtscremes, Duschgels und Shampoos aus der Linie für Männer und aus der Edition für Frauen verglichen und wollten wissen: Wo gibt es Unterschiede?

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Gesichtscreme für Sie und Ihn im Test

Die Creme für Frauen ist rosa und riecht blumig. Die Creme für Herren ist weiß und riecht dezent maskulin. (Bild: Carolin Klar)

Im Test ist eine 24-Stunden-Feuchtigkeitspflege für alle Hauttypen von L‘Oréal: „Hydra Active 3“ für Frauen und „Hydra Intensive“ für Männer.

Verpackung und Inhaltsstoffe: Beide helfen der Haut, sich zu regenerieren und versorgen sie 24 Stunden lang mit Feuchtigkeit. Die Verpackung für die Damencreme thematisiert etwas ausführlicher die frühzeitige Hautalterung durch äußere Belastungen wie Stress und Umweltverschmutzung. Männer hingegen werden übersichtlich und knapp mit Worten, die Stärke und Know-How vermitteln über das Können der Creme informiert, was dann so klingt: „Die Formel mit leistungsfähigem Aktiv-Wirkstoffkomplex stärkt die natürliche Widerstandskraft der Haut“.

Bei der Texturbeschreibung gibt sich das Herrenprodukt praktisch („zieht schnell ein“), während das Damenprodukt das weibliche Publikum mit den Attributen „reichhaltig und zart schmelzend“ überzeugen will.

Farbe und Geruch: Die Creme für Frauen ist rosa und riecht dezent blumig. Die Konsistenz: cremig und soft. Die Pflege für Ihn ist weiß, riecht angenehm zurückhaltend. Von der Konsistenz her ist die Männerpflege cremig aber fester, etwas gallertartig, und im Vergleich nicht so schön wie die der Damencreme. Sie lässt sich dadurch auch nicht so gut mit dem Finger aus dem Tiegel aufnehmen.

Produktwirkung: Nachdem Frauenhaut mehr Feuchtigkeit braucht als Männerhaut (siehe oben), ist die Erwartung beim Vergleich: mehr Feuchtigkeit im Damenprodukt. Die Liste der Inhaltsstoffe liest sich für jedes Produkt anders, und die genaue Rezeptur ist das Geheimnis der Hersteller. Insofern weiß man natürlich nicht, ob in der Damencreme mehr Feuchtigkeit drin steckt oder nicht. Vom Gefühl her spenden beide viel Feuchtigkeit.

Die Männercreme zieht nicht schneller ein als die Damencreme. Die Begriffskombi „reichhaltig und zart schmelzend“ – wie sie auf dem Damenprodukt steht –, hätte bei dem Männerprodukt aber auch gepasst.

Die versprochene Frische beim Produkt für Ihn ist zu spüren. Irgendwie mentholartig, ganz schwach, aber meine Haut kommt damit nicht klar und wird leicht rot, daher breche ich den Test mit der Männercreme nach zwei Tagen ab. Die Damencreme habe ich eine Woche lang getestet und benutze sie gerne weiter.

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Duschgel für Frauen und Männer: Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Auf den zweiten Blick fallen die eher femininen und maskulinen Attribute im Design auf: für Damen die Lila-Töne auf dem Packaging, für Männer die eckige Form. (Bild: Carolin Klar)

Für den Test wählten wir die Pflegedusche einer Serie für empfindliche Haut: die „Creme Sensitive“ von Nivea und „Sensitive“ von Nivea Men.

Verpackung und Inhaltsstoffe: Das Duschprodukt für Damen beruhigt mit Kamillenextrakt. Die Männer-Edition pflegt hingegen mit Bambusextrakt.

Neben dem Pflegefaktor will das Produkt bei Männern mit Beschreibungen wie „milde Erfrischung“ und „langanhaltende Frische“ punkten. Für Damen werden charmante Adjektive wie „samtweich“, „verwöhnend“ und „geschmeidig“ auf dem Etikett verwendet.

Wie der Blick ins Männerregal gezeigt hat, geben sich Kosmetikprodukte für Männer gern praktisch. Die Pflegedusche von Nivea etwa kann (wie viele Männerduschgels) nicht nur für den Körper, sondern auch im Gesicht und fürs Haar verwendet werden. Frauen würde man das offensichtlich nicht explizit empfehlen, vermutlich weil Männerhaut- und haare anders sind als die von Frauen.

Der pH-Wert der beiden Duschcremes ist gleich. Sie sind laut Etikett pH-neutral und haben somit einen pH-Wert von 5,5. Die „potentia Hydrogenii“ (übersetzt: die Konzentration der Wasserstoff-Ionen) ist wichtig für den Erhalt des Säureschutzmantels der Haut. Es ist gut, wenn der pH-Wert eines Produkts dem pH-Wert der Haut möglichst ähnlich ist. Dass er bei Männern und Frauen unterschiedlich ist (unter 5 und über 5), wird von genderspezifischer Kosmetik nicht berücksichtigt. Die Männer- und die Frauenduschcreme beeinflussen den pH-Wert der Haut aber auf jeden Fall positiv! Leitungswasser, mit dem wir uns duschen, hat vergleichsweise einen viel stärker von der Haut abweichenden pH-Wert, nämlich ungefähr 7.

Geruch: Die Duschcreme für Damen riecht dezent und etwas feminin (trotz des Inhaltsstoffs übrigens nicht nach Kamille). Die Pflege für Herren duftet klar erfrischend. Bambus ist ein Süßgras und der Duft des Duschgels weckt durchaus Assoziation mit einer saftigen, frischen Pflanze.

Produktwirkung: Das Herrenprodukt hat die gleiche Konsistenz wie das für Damen. Nach dem Duschen hinterlassen beide Duschcremes eine Art Film auf der Haut, wohl um ein „geschmeidiges“ Hautgefühl zu vermitteln, wie es die Verpackung für Damen verspricht. Ob jeder das gut findet, ist die Frage. Nach dem Abtrocknen ist es jedenfalls weg. Der Geruch bleibt eine Weile auf der Haut. Von der Pflege her kann ich keinen Unterschied zwischen den beiden Produkten feststellen. Nur der Duft macht also den Unterschied aus.

Shampoo für Frauen oder Männer im Test

Die vegane Linie des Schauma-Shampoos richtet sich mit Kräuter-Extrakten an Frauen und mit Hopfen-Extrakten an Männer. (Bild: Carolin Klar)

Für die Haare haben wir zwei Shampoos mit veganen Formeln von Schauma verwendet: das „7 Kräuter Shampoo“ für Damen und das „For Men Shampoo“ mit Hopfen-Extrakt für Herren.

Verpackung und Inhaltsstoffe: Das Haarprodukt mit der Pflanze, die man zum Bierbrauen einsetzt, richtet sich in Wort- und Bild deutlich an den Mann und bestärkt damit einmal mehr Klischees. Das Kräuter-Shampoo können natürlich auch Männer verwenden, aber Mann möchte wahrscheinlich lieber ein für ihn entwickeltes Produkt verwenden, auf dem ein Männergesicht zu sehen ist. Auf dieses mögliche Bedürfnis zielt zumindest das Gender-Marketing ab.

Beide Shampoos enthalten Mikronährstoffe, keine Parabene und keine Silikone. Sie kräftigen und pflegen die Haare und verleihen Volumen. Die sonst gern auf Männerkosmetik angepriesene Frische wird diesmal auf dem Damenprodukt erwähnt, während beim Männershampoo – wie bereits bei der Gesichtscreme – auf den Stärke-Faktor gesetzt und „kraftvolles Volumen“ und „griffiges Haar“ versprochen wird.

Geruch: Das Männerprodukt riecht eher maskulin und erfrischend, während das Damenprodukt durch seinen schwer definierbaren aber neutralen Geruch Frauen und Männern gefallen kann.

Produktwirkung: Dass das Frauenshampoo die Haare mehr pflegt, fällt gleich nach der ersten Haarwäsche mit dem Männershampoo auf. Mit dem Männerprodukt stehen meine schulterlangen Haare ungewöhnlich ab, und sie wirken geradezu irritiert. Nach dem Föhnen lassen sie sich schwer in Form bringen und bändigen. Dies änderte sich auch bei weiteren Waschgängen nicht. Klar: Das Männerprodukt ist für (kürzeres) Männerhaar geeignet. Das Frauenshampoo ließ meine Haare gut aussehen.

Es ist also nicht verwunderlich, dass Männer mit längeren Haaren lieber zu einem Frauenshampoo greifen – und es macht offensichtlich Sinn! Wenn ein Mann ein Shampoo aussucht, muss er sich auf jeden Fall bewusst sein, welche Bedürfnisse sein Haar hat. Er sollte nicht nur nach dem Geschlecht gehen, das auf der Verpackung steht.

Fazit

Unterschiede lassen sich beim Verpackungs-Design, der Zielgruppenansprache, den Inhaltsstoffen und bei den Duftstoffen feststellen (sofern ein Produkt Duftstoffe enthält).

Bei der Gesichtspflege sollten wegen der unterschiedlichen Hautbedürfnisse Frauen auf jeden Fall bei Frauen- und Männer bei Männercremes bleiben.

Bei der getesteten Duschpflege fanden sich die Unterschiede lediglich in den Duftstoffen. Hier schadet sich bestimmt keiner, wenn er das Duschgel verwendet, das fürs andere Geschlecht gedacht ist.

Bei der Haarpflege zählt nicht, ob eine Frau oder ein Mann sie benutzen möchte, sondern die Haarlänge und Pflegeroutine.

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