Beauty weltweit: Das Kopftuch als vielfältiges Accessoire

Maria Timtschenko
Freie Journalistin
Kopftücher erfreuen sich wieder großer Beliebtheit. In einer langen Tradition stehend, bindet man sie heute auf die wohl vielfältigste Weise aller Zeiten. Foto: Getty Images / Alena Gamm / EyeEm

Kopftücher tragen Menschen in unterschiedlichen Lebensumständen. Manche lieben es während einer Cabriofahrt damit ihr Haar zu bändigen, andere binden es sich im Hippiestyle für ein Festival. Für wieder andere ist es Ausdruck ihres religiösen Glaubens und manche bedecken nach einer Chemotherapie ihr kahles Haupt, um es beispielsweise vor der Sonne zu schützen. Das Kopftuch ist das wohl vielfältigste Accessoire, das wir haben.

Kulturell hat das Kopftuch eine lange Geschichte. Es gehörte jahrzehntelang zu den Trachten der Frauen in vielen Teilen der Welt – in manchen Gebieten hält es sich bis heute, beispielsweise in Indien, wo Frauen ihren Kopf mit einem Sari bedecken.

In Deutschland ist es besonders von den Trümmerfrauen zum Ende des Zweiten Weltkrieges getragen worden. Es half dabei, dass ihnen bei der harten Arbeit nicht die Haarsträhnen ins Gesicht fielen oder die Sonne zu stark auf den Kopf knallte. Es schützte ihre Haare vor dem Staub des Schutts, in den der Krieg ihre Häuser gelegt hatte.

Eine Art Renaissance erlebte das Kopftuch als modisches Accessoire in den Zeiten von Grace Kelly und Audrey Hepburn, die beiden Hollywoodstars setzten das Tuch gekonnt in Szene, auch wenn damals hauptsächlich die traditionelle Bindungsweise im Vordergrund stand, bei der das Tuch dreieckig war oder zu einem Dreieck gefaltet und unter dem Kinn verknotet wurde. Eine Trageweise, wie man sie heute von Frauen in der Landwirtschaft ebenso kennt wie von Queen Elizabeth II.

Doch mittlerweile finden auch andere Arten, den Kopf zu betuchen, Eingang in die Modeblogs. Beispielsweise: der Turban. Als etwas, das man hauptsächlich mit ägyptischen Scheichs verbindet, ist es durchaus gängig geworden, seinen Kopf damit zu verschönern. Wie man das genau macht, das zeigt euch in diesem Video eine Ex-Germanys-next-Topmodel-Kandidatin Julia:

Auf Festivals gehört ein Bandana zur Grundausstattung. Das viereckige Tuch wird auf dem Hinterkopf zusammengebunden und fungiert so als eine Art “Mütze”. Die Haare hängen in schönen Beachwaves unten heraus und alles schreit einfach nur: “Ich liebe den Sommer!”

Ein Bandana kann aber auch als Untergrund für einen Hidschab verwendet werden, um die Haare auf der Stirn zu verbergen. Ein Hidschab ist eine Art Schleier, der von vielen Frauen im Islam getragen wird. Die eigenen Haare verbergen zu wollen, kann für die jeweiligen Frauen verschiedene Gründe haben: Tradition beispielsweise, ebenso wie religiöses Selbstverständnis. Das Kopftuch kann von Musliminnen genauso als Accessoire verwendet werden, wie es atheistische Frauen oder Frauen anderen Glaubens tun. Es kann aber auch religiöse Vorschrift sein, aufgrund der Gesetze des eigenen Landes und eine Frau kann sich auch durch den Druck aus ihrem sozialen Umfeld, aus ihrer Familie, gezwungen fühlen, den Hidschab zu tragen.

Für all diejenigen, die es freiwillig tun, gibt es zahlreiche Möglichkeiten, eine Hidschab zu binden. Denn wie genau sie ihren Kopf damit bedecken, das steht jeder Muslima frei. Je nach Anlass wird dann das Aussehen des Hidschab verändert. Auf Youtube zeigen zahlreiche modebewusste Musliminnen wie man den Hidschab nach Lust und Laune bindet. Die Jahreszeit spielt wiederum eine wichtige Rolle bei der Auswahl des Stoffes für den Hidschab. Im Sommer werden dann eher leichte, helle Stoffe verwendet, wie Seide oder Chiffon. Im Winter bestehen die Tücher eher aus Pashmina oder Alpaka und halten so schön warm.

Übrigens: Auch im Christentum wird das Kopftuch von orthodoxen Frauen streng getragen. Ebenso ist es bei einigen mennonitischen Gemeinschaften Tradition. Und auch im Judentum ist es für verheiratete Frauen Brauch, ihr Haar zu bedecken.


Es gibt zahllose weitere Möglichkeiten, sich ein Kopftuch zu binden. So setzen viele Frauen auf den Rockabilly-Look. Sie kaufen sich ein viereckiges Tuch mit einem Print drauf und binden es dann so um den Kopf, dass sie es vorn verknoten, allerdings muss immer eine hoch tupierte Haartolle vor dem Knoten herausgucken, um den perfekten Look zu erzielen.

Wieder andere knüpfen an die Vorbilder der 20er Jahre an und binden sich ihr Tuch streng um den Kopf, kreieren dann aber an der Seite, ähnlich eines Fascinators, eine Schleife oder einen extravaganten Knoten, der als Hingucker dient. Und manche mögen es auch einfach, sich im Stil der 68er ein Band um die lockeren Haare zu binden, und so einen Look irgendwo zwischen Hippie und Indianermädchen zu schaffen.

Dass all diese Variationen möglich sind, das kommt besonders einer Gruppe zugute. Jenen nämlich, die ein Kopftuch tragen müssen, weil sie keine Haare mehr haben.

Camilla, Herzogin von Cornwall, lässt sich von einer Krebspatientin Tracy Jameson  zeigen, wie sie ein Kopftuch bindet. Foto: Chris Jackson – WPA Pool/Getty Images

Eine Chemotherapie ist für viele Betroffene der einzige Weg gegen ein Krebsgeschwür im eigenen Körper anzugehen. Dabei kämpft man nicht nur gegen wahnsinnige Schmerzen an, gegen Übelkeit, gegen Schwäche, gegen die eigene Trauer, gegen Wut, gegen das Aufgeben. Dabei fallen einem auch die Haare aus. Und dann gibt es da das Kopftuch. Das einem nicht nur hilft, die Kopfhaut vor gefährlicher Sonneneinstrahlung zu schützen, sondern, das auch dafür sorgt, auf der Straße Normalität herzustellen. Das Kopftuch, das einen nicht sofort bloß stellt, sondern die fehlenden Haare überdeckt, für diejenigen, die sich schwer tun, ihren Verlust zu akzeptieren. Das Kopftuch kann für sie mehr leisten, als nur hübsch auszusehen. Es ist ein Hilfsmittel in den schwersten Zeiten.