Beauty-Weltweit: Ein Mund in Herzform. Im Land des Lächelns sind schmale Lippen der neueste Schrei.

Thailänderinnen bevorzugen Herzchenmünder, und legen sich dafür gerne unters Messer. Foto: Instagram (beauty_spotter)

Im Westen wünschen sich die Frauen einen Schmollmund, in Asien – schmale Lippen, am besten in Herzform! Besonders in Thailand gelten Schlauchbootlippen à la Angelina Jolie als unschön. Der Renner sind Lippenverkleinerungen. Das Resultat sieht eher gruselig aus.

Bei dem Eingriff, der eine knappe Stunde dauert, wird an der Lippeninnenseite ein Stück Schleimhaut mit Bindegewebe herausgeschnitten und die Lippe vertikal genäht. Ist vom Patienten eine Herzform gewünscht, wird die Oberlippe passend „bearbeitet“.

Lippenverkleinerungen sind nicht mehr rückgängig zu machen. Hier wurde “überschüssiges” Bindegewebe aus den Lippen entfernt. Foto: Instagram (illona.dz)

Zehn Tage nach der OP sollen sich die Fäden bereits auflösen – und die Lippen wieder einsatzbereit sein. Bis dahin gilt für die Patienten Flüssigkost. Was aussieht wie ein „harmloser“ Routine-Eingriff für junge Mädchen – auf vielen Instagram-Bildern blitzen noch die Zahnspangen hervor – ist tatsächlich eine nicht zu unterschätzende OP, die viele Nebenwirkungen mit sich bringen kann. Anders als Lippenvergrößerungen, können Verkleinerungen nicht mehr rückgängig gemacht werden. Selbst eine mit Hyaluron oder Botox aufgespritzte Lippe bringt das verlorene Bindegewebe nicht zurück.

Meist sind es junge Frauen, die sich eine herzförmige Oberlippe wünschen. Foto: Instagram (upscalemagazine)

Thailändische Kliniken werben mit Preisen ab rund 400 Euro – pro Lippe. In westlichen Ländern kann der Eingriff, je nach Land und Stadt, mehrere Tausend Euro kosten.

Entstanden ist der Trend bereits vor fünf bis zehn Jahren, als junge Frauen versuchten der thailändischen Schauspielerin Pachrapa Chaichua nachzueifern. Diese hat sie nämlich – die begehrte herzförmige Oberlippe. Ob von Natur aus, ist unklar. Denn fast jedes Sternchen in Thailand, ob Mann oder Frau, hat sich schon einmal unters Messer gelegt. Fakt ist, die Schauspielerin ist für viele jungen Mädchen in Thailand schlicht das Schönheits-Idol schlechthin.

Thailändische Kliniken werben mit den “krachap lips” – und verdienen damit ein Heidengeld. Foto: Instagram (secclinic)

In Thailand heißt der Trend „krachap lip“, benannt nach einer ulkigen Wasserkastanie, die wie Büffelhörner oder eine fliegende Fledermaus geformt ist.

Risiken der Lippenreduktion

Eine Transgender-Frau, die ihren Namen der Presse nicht nennen wollte, erzählte der Bangkok Post, dass ihre Oberlippe zu stark verkleinert worden war und ihr Zahnfleisch beim Lächeln nun stark hervorschaue.

Bei der 25-jährigen Thai Mint entwickelten sich nach der Operation Keloide, gutartige Tumore, die im Zuge des Heilungsprozesse auftreten können. Sie musste noch einmal genauso tief in die Tasche greifen um sich die Wucherungen an der Lippe entfernen zu lassen. Das Resultat: Mints Oberlippe geriet so dünn, dass sie ihren Mund nicht mehr vollständig öffnen kann.

Andere Frauen beklagten, dass ihr Mund nach dem Eingriff eine Lücke hätte und nicht mehr schließe.

In circa 80% der Fällen sind es junge Frauen, die sich eine Lippenverkleinerung wünschen, doch auch immer mehr junge Männer lassen sich operieren. Foto: Instagram ( mor.ple_surgery)

Dr. Pusi Jittilaongwong ist einer der gefragtesten Spezialisten für Lippenreduktionen in Thailand. Die Beliebtheit dieses Eingriffs führt er unter anderem darauf zurück, dass Thais abergläubisch seien und davon überzeugt, eine „krachap lip“ bringe ihnen Wohlstand und Glück. Er schätzt, dass 70-80% der weltweiten Lippenreduktionen an Thais durchgeführt werden, gefolgt von Koreanern und Malaien.

Nach maximal zehn Tagen soll die Wunde verheilt sein. Die Nebenwirkungen aber sind größer, als von vielen Patienten erwartet. Foto: Instagram (mor.ple_surgery)

Sein Kollege Dr. Chamnong Chirawichada ist ein vehementer Kritiker des neuen Trends. Auf internationalen Konferenzen spricht niemand über die „krachap lip“. „Das ist ein Thai-Ding.“ Tausende von Anfragen habe er in den letzten Jahren zurückgewiesen. „Diese Sache mit den Lippen ist ein nationales Problem. Ich gebe dem Internet die Schuld daran.“ Auf Instagram sind aktuell über 5000 Einträge zum hashtag #lipreduction zu finden. Einmal schickte Dr. Chirawichada eine Thai-Patientin aus Deutschland nach Hause. „Ich sagte ihr, Ausländer mögen große Lippen und warnte sie, dass ihr Mann sich von ihr scheiden lassen könnte.“

Fotos: Instagram (Screenshot)