Beauty weltweit: Männer, keine Angst vor'm Schminktisch!

Maria Timtschenko
Freie Journalistin
Müde Männerhaut? Die lässt sich mittlerweile nicht mehr nur mit Hautcremes bekämpfen. Auch Männer greifen zum Make-Up. Foto: Getty Images / svetikd

Schminken, das ist ja in vielen Köpfen immer noch Frauensache. Aber das ändert sich nun. Nicht nur, dass große Modemarken wie Chanel kürzlich Make-Up, Augenbrauenstift und Lippenbalsam für den Mann herausgebracht haben, sondern es gibt auch immer mehr Männer, die keine feminine Seite an sich fühlen und trotzdem in die Schminkkiste greifen. 

Es gibt sie schon: die super geschminkten männlichen Werbeikonen. Auf Instagram wimmelt es nur so von ihnen. Besonders in den USA sind die Beautyboys äußerst beliebt. Einer von ihnen ist Manny Gutierrez. Er hat 4,7 Millionen Abonnenten und ist als erster Mann der Hauptdarsteller in einer Maybelline-Kampagne geworden. Ebenfalls männlicher Nachfolger für zahlreiche berühmte Frauen wie Katy Perry und Taylor Swift ist James Charles Dickinson. Er hat 10,6 Millionen Follower und wirbt für eines der größten US-Kosmetikunternehmen “Covergirl”.

Geschminkte Männer werden oft gehänselt

Und auch in Deutschland werden die geschminkten Jungs auf Instagram immer mehr. Einer von ihnen ist Theo Vanity, der immer wieder mit seinen Followern, auch bei Youtube, über Anfeindungen aufgrund seines Make-Ups spricht. So geschehen auch beim Briten Scott Laplanche. Der damals 20-Jährige wurde vergangenes Jahr von seinem Arbeitgeber, dem Elektronikwarenhändler “Currys PC World” gebeten, sich nicht mehr die Augenbrauen zu schminken, Wimpern zu tuschen, Wangen zu rougen oder Lippenstift zu verwenden. 


Der junge Mann war darüber völlig entgeistert und postete seinen Ärger auf Facebook. Dazu schrieb er: „Viele meiner weiblichen Kolleginnen tragen Make-Up, also tue ich das auch. Ich werde mein Make-Up natürlich nicht entfernen, solange all meine anderen (weiblichen) Kolleginnen weiterhin als die fabelhaften Menschen zur Arbeit kommen können, die sie sind.“

Rückschrittliche Dienstanweisungen wie diese sollten im 21. Jahrhundert eigentlich längst der Vergangenheit angehören, schließlich sind auch Stellenausschreibungen heutzutage mit: “männlich / weiblich / divers” gekennzeichnet. Umso beeindruckender, dass Scott den Mut fand, sich dagegen zu wehren, obwohl er erst ein Dreiviertel Jahr dort arbeitete. In Social Media wurde er dafür gefeiert. Über 23.000 Reaktionen bekam er auf seinen Beitrag, er wurde über 3000 Mal geteilt.

Doch nicht nur Männer, denen es nichts ausmacht, ob man ihnen ansieht, dass sie geschminkt sind oder nicht, greifen mittlerweile zu Make-Up. Auch andere Kandidaten sind es leid, dass Frauen Pickel, Augenränder und Rötungen überdecken dürfen, wenn es nach alten gesellschaftlichen Konventionen geht, und Männer sich der Öffentlichkeit in all ihrer Natürlichkeit präsentieren müssen.

Chanel bringt Männer-Make-Up auf den Markt

Für die, und für alle anderen, hat beispielsweise der Kosmetikriese Chanel eigens Männerprodukte auf den Markt gebracht. In der Serie Boy De Chanel findet man seit November im Online-Shop und ab Januar in den Stores weltweit einen Augenbrauenstift, Make-Up und Lippenbalsam. Zeit seiner Existenz hat die Marke mit Geschlechterklischees gebrochen und von Anfang an auch Kleidung für Frauen hergestellt, die bis dato nur in der Männergarderobe zu finden waren.

Natürlich könnten Männer sich in den Drogeriemärkten auch einfach Make-Up kaufen, dass ursprünglich für Frauen entworfen worden war, allerdings, so Chanel, seien ihre Produkte besser auf die Bedürfnisse der Männer abgestimmt. Sie sind matt, lang anhaltend, einfach aufzutragen und beinhalten einen Lichtschutzfaktor. Das wichtigste aber: Sie sind nahezu unsichtbar. Denn die meisten Männer wollen immer noch nicht geschminkt aussehen.

 

Auch bei der Höhle der Löwen wurde kürzlich ein Make-Up für den Mann vorgestellt. Frank Hard aus Köln präsentierte den “Man Upgrader”. Lob bekam er dafür vor allem von Frank Thelen. Der sagte: “Ich freue mich einfach, dass ich hier in den Höhle der Löwen so ein hochwertiges Produkt in den Händen halten darf. Ich kann den billigen Ramsch nicht mehr ertragen.” Die gute Verarbeitung, das schicke Logo – all das begeistert Thelen. Er sagt: “Dieses Produkt wird brutal durch die Decke gehen.” 

Doch andere Löwen wie Dagmar Wöhrl waren nicht derart überzeugt. Sie sagte: “Der Markt ist noch nicht reif dafür.” Und auch Ralf Dümmel glaubte, dass es einen Grund dafür gäbe, wenn so etwas noch nicht von großen Konzernen gemacht würde. Dann werde es wahrscheinlich nicht gebraucht. Fehlanzeige! Chanel hat vorgemacht, was nun sicher viele Kosmetikhersteller nachmachen werden. Ein Schritt mehr ist damit gemacht – in eine noch gleichberechtigtere Welt.