Beauty weltweit: Mit Make-Up in den Kampf gegen den Krebs

Eine Krebspatienten trägt sich Wimperntusche auf. Welche Produkte aber geeignet sind und wie man sich schminkt, wenn eine Chemotherapie alle Haare ausfallen lässt, lernen Krebspatienten in speziellen Kursen. Foto: Symbolbild / gettyimages / AndreaObzerova

Sich äußerlich schön fühlen und damit den inneren Kampf unterstützen: Es gibt immer mehr Kosmetik-Angebote für Krebspatienten, die das Wohlbefinden während und nach der Therapie unterstützen sollen.

Die sichtbarste Nebenwirkung einer Chemotherapie ist der Haarausfall. Tücher, Perücken oder ein Rasierapparat helfen Patienten, damit umzugehen. Doch der Körper reagiert vielfältig auf die zehrende und anstrengende Krebsbehandlung. So wird auch die Haut stark angegriffen, bis sie dünn und grau erscheint, wie mit einem Schleier belegt, sie kann dazu sehr sensibel sein und schnell mit Irritationen reagieren. Die gewohnten Kosmetika können Krebspatienten meist nicht mehr nutzen. Deshalb hat „Walgreens“, eine amerikanische Apotheken- und Drogerie-Kette, diese Woche ein neues Programm gestartet.

Ein ganzheitlicher Ansatz mit Medikamenten und Kosmetika

Ziel ist es, Menschen in ihrem Kampf gegen den Krebs auf besondere Weise zu unterstützen. Walgreens möchte ihnen helfen, sich während der inneren Heilung auch äußerlich schön zu fühlen. Dafür verfolgte die Kette bereits vergangenes Jahr in 400 Apotheken unter dem Slogan „Feel More Like You“ einen ganzheitlichen Ansatz und verband dabei medizinische Herausforderungen mit Beauty-Fragen.

Rina Shah, die stellvertretende Geschäftsführerin Walgreens, sagt im Gespräch mit „USA Today“: „Uns ist klar geworden, dass wir uns nicht nur gesundheitlich um Krebspatienten kümmern, sondern auch dabei helfen müssen, dass sie sich wieder wohl und schön in ihrer Haut fühlen. Dann haben wir den Kampf schon halb gewonnen.“


Seit dieser Woche dehnt Walgreens sein Programm deshalb auf über 3.000 Apotheken aus und bietet zudem einen besonderen Service an: Eigens ausgebildete Mitarbeiter helfen Krebspatienten bei der Auswahl ihrer Kosmetika, welche sich etwa bei rissiger Haut oder trockenen Haaren eignet. Sie zeigen den Kunden, wie man Augenbrauen aufmalt, welche Nagellacke feuchtigkeitsspendend sind und welcher Abdeckstift bei fleckiger Haut hilft. Die Beratung ist komplett kostenlos.

Schminken gegen die Ängste

Was Walgreens in Amerika ist, versucht die „DKMS“ (Deutsche Knochenmarkspenderdatei) in Deutschland. Sie bietet unter dem Namen „look good feel better“ zweistündige Kosmetikseminare an. Expertinnen geben darin Tipps „zur Gesichtspflege und zum Schminken“, so schreibt es die Organisation auf der eigenen Internetseite. Maximal zehn Teilnehmerinnen nehmen demnach teil und lernen, wie die äußerlichen Folgen einer Therapie – Hautflecken oder Wimpernverlust – kaschiert werden können. Die „Hilfe zur Selbsthilfe“ wird dabei speziell auf das Alter abgestimmt. Der Kurs ist kostenlos, genauso wie eine Tasche mit 13 Kosmetikprodukten.


Die 28-jährige Natalie, bei der vor einem Jahr Brustkrebs diagnostiziert wurde, schreibt auf der DMKS-Seite: „Es war schön, sich mit Betroffenen auszutauschen. Zumal ich noch ganz am Anfang meiner Erkrankung stand und viele Ängste vorherrschten. Für mich war vor allem der Haarverlust ein großes Thema.“


Für viele Krebspatienten ist es herausfordernd bis energieraubend, sich über Kosmetika zu informieren. Denn viele Inhaltsstoffe sind für die angegriffene Haut und die strapazierten Haare nicht geeignet. Das Start-Up „Oncovia“ hat sich genau diesem Problem angenommen. Es bietet einen eigenen Online-Shop, der sich speziell an Krebspatienten richtet. Die beiden Gründerinnen hatten die Idee, als ihre Mutter an Krebs erkrankte.

Apps zur Bestimmung der Inhaltsstoffe

Im Gespräch mit der Cosmopolitan sagen die beiden Frauen: „Während des ganzen Behandlungszeitraums von unserer Mama haben wir gesehen, wie schwer es ist, die geeigneten Produkte zu finden. Mit Oncovia wollten wir allen Krebspatienten das Leben vereinfachen. Es ist nicht mehr nötig, hier und dort verzweifelt nach Produkten zu suchen. Unsere Plattform bietet neben Experten-Tipps auch einen Blog mit etlichen Beiträgen zum Thema Beauty, mit einigen Interviews sowie Artikeln über inspirierende Projekte.“ Das Portal bietet neben Kosmetikprodukten auch Unterwäsche, Bademode, Turbane und Perücken an.


Hilfreich können auch Apps sein, die genau aufschlüsseln, welche Inhaltsstoffe in Kosmetika enthalten sind. Empfehlenswert ist „Think Dirty“, die App unterstützt das „Clean Beauty Movement“, dass also Schönheitsprodukte nicht mit zweifelhaften Stoffen versetzt sind. Die App möchte deshalb Transparenz in die oft unübersichtlichen und endlosen Produktpaletten der Drogeriemärkte bringen. Die Anwendung ist denkbar einfach: Mit dem Smartphone kurz den Barcode scannen und sofort erscheinen Informationen über Produkt, Herstellung und Inhaltstoffe.


Auch die „EWG’s Skin Deep Cosmetic Database“, die es seit mittlerweile 15 Jahren gibt, funktioniert so. Das fragliche Produkt muss nur in die Suchleiste eingegeben werden. Auf der Homepage schreibt die gemeinnützige Organisation: „Es ist unsere Mission, mit Informationen die Gesundheit und die Natur zu schützen. Dank unserer Datenbank finden Nutzer praktische Hilfe, um sich vor gefährlichen Chemikalien zu schützen.“

Ein Ampelsystem hilft schnell weiter

Interne Wissenschaftler von EWG gleichen dafür Inhaltsstoffe in Schönheitsprodukten mit knapp 60 Datenbanken auf ihre Toxizität ab. Jeder Inhaltsstoff wird dabei mit einem Ampelsystem bewertet, das ermöglicht einen schnellen Überblick für jedes Produkt: Grün bedeutet keine Gefahr – beispielsweise Wasser rangiert hier. Gelb ist gehoben – hierzu gehört etwa das vieldiskutierte Aluminiumchlorid in Deodorants. Und rot zeigt an, dass entweder der Inhaltsstoff verboten, gefährlich oder die Datenlage zu gering ist, um eine Aussage zu treffen.