Beauty weltweit: Mode, die immer wiederkehrt

Ein Second-Hand-Shop bietet Kleidung ein zweites Leben. "Circular Fashion" möchte dieses Prinzip steigern: Bis die Kleidung nicht mehr tragbar ist. Dann soll sie umweltschonend in den Ressourcen-Kreislauf der Natur zurückgegeben werden. Foto: Symbolbild / gettyimages / jennifer m. ramos

Eine Entwicklung, die der Fast Fashion und der immer schnelle werdenden Abfolge neuer Trends und Kollektionen entgegensteht, ist die „Circular Fashion“. Dahinter steckt die Idee, dass ein Kleidungsstück mehrere Leben hat.

Kaufen, tragen, pflegen, verkaufen, tragen, pflegen, … Mode, die sich im Kreis dreht, heißt „Circular Fashion“. Die Idee dahinter: Kleidung, die nicht mehr passt oder nicht mehr gefällt, wird nicht weggeworfen. Sie wird also nicht einfach nur linear genutzt. Sie wird stattdessen weitergegeben. Oder zum Händler oder Produzenten zurückgebracht, zerlegt und als Rohstoff für neue Kleidung genutzt.

Die Bezeichnung geht laut „circularfashion.com“ zurück auf die Schwedin Anna Brismar. Die hat im Jahr 2014 ein Fashion-Event, in dem es um nachhaltige Mode gehen sollte, so benannt. Jahre später, als sich der Begriff längst verfangen hatte, legte sie folgende Definition für Circular Fashion fest:

Kleidung, Schuhe oder Accessoires werden von Anfang an mit dem Ziel designt und hergestellt, so lange wie möglich verantwortungsvoll und in der wertvollsten Form getragen und weitergegeben werden. Die dafür eingesetzten Rohstoffe sollen nachhaltig produziert werden. Ist die Kleidung für den Menschen nicht mehr von Nutzen, wird sie in ihre Bestandteile zerlegt und der Natur zurückgegeben.

Ein zweites Leben für unsere Kleidung – es geht um mehr, als „Second Hand“

Mit anderen Worten: Zirkuläre Mode soll langlebig sein, Ressourcen-schonend hergestellt, keine Umweltgifte enthalten, sie soll recyclebar und biologisch abbaubar sein. Die Materialien sollen regional produziert werden und dabei höchsten arbeitsethischen Anforderungen entsprechen. Die Kleidung soll so lange wie möglich getragen werden, indem gut auf sie Acht gegeben und sie bei einem Schaden repariert und aufbereitet wird. Mit der Zeit soll sie mit mehreren Trägern geteilt werden. Zuletzt sollen ausgediente Stücke ein zweites Leben bekommen, indem sie entweder neu designt oder als Rohstoff zu neuer Kleidung umgeschneidert werden.

Wieso das nötig ist, beschreibt die „Harpers Bazaar“ in einem großen Übersichtsartikel. Demnach werden jährlich 300.000 Tonnen an Kleidung weggeworfen und zerstört. Und nicht recycelt. Im Interview sagt Stella McCartney, eine Pionierin für Nachhaltigkeit in der Mode-Branche: „Die Zukunft der Mode ist zirkulär. Sie muss es sein.“ Wieso? Das erklärt sie anhand einer eindrucksvollen Rechnung: „Von heute an bis in sechs Jahren sammeln wir global so viel Kleidungs-Müll an, wie die Weltbevölkerung momentan wiegt. Das können wir nicht länger ignorieren.“

Vorbild H&M

Doch um eine Idee, wie Circular Fashion, großzumachen, braucht es Einfluss. Einfluss, wie es „H&M“ hat: Denn bis 2030 plant die schwedische Bekleidungskette, alle Produkte aus recycelten oder erneuerbaren Materialien herzustellen. Hinter dem Projekt „100% Circular & Renewable“ steckt die Idee des Unternehmens, Mode nicht mehr linear für nur einen Träger herzustellen. Sondern jedem Bekleidungs-Stück nach dem Tragen zu einem zweiten, dritten oder vierten Leben zu verhelfen.

Doch der Weg dahin ist weit, deswegen muss ein Zwischenziel her. Und das soll schon nächstes Jahr erreicht werden: Ab 2020 will H&M jährlich 25.000 Tonnen getragene Kleidung, die Kunden zurückgebracht hat, einsammeln. Diese Altkleidung will das Unternehmen dann als Rohstoff für die Produktion neuer Linien und Kollektionen nutzen.

Zwar kommt die Initiative aus dem Unternehmen selbst heraus. Zeitgleich steht H&M aber als Vorbild einem Programm der Europäischen Kommission vor – der „European Circular Economy Stakeholder Platform“. Auf dieser Plattform möchte H&M die Prinzipien der Circular Fashion groß- und vorzumachen.

Und H&M ist auf einem guten Weg: Im Dezember 2017 hat die Europäische Kommission einen Zwischenbericht veröffentlicht. Die darin erreichten Kennzahlen lauten wie folgt: 35 Prozent des Materials, das H&M vor zwei Jahren verarbeitet hat, stammte bereits aus erneuerbaren Quellen. 59 Prozent der eingesetzten Wolle entstammte Farmen, die sie organisch produziert hatten. Außerdem wurden insgesamt 17.771 Tonnen bereits getragene Kleidung eingesammelt.

Bis 2040 will H&M übrigens nicht nur zirkulär, sondern sogar Klima-positiv produzieren – doch das ist ein noch viel ehrgeizigerer und größerer Plan.

Alte Kleidung, neu gedacht

Bis dahin springen hoffentlich zahlreiche Unternehmen auf den Zug der Circular Fashion auf. Ein aktuelles Beispiel ist Silfir, die „Soft Workwear Uniform“ von Hannah Kromminga. Der „Tagesspiegel“ hatte vergangene Woche über das Kickstarter-Projekt der Berliner Designerin berichtet. Kromminga plant demnach ein „ultimatives Outfit, das fast jeder Frau zu fast jedem Anlass passen soll: Es besteht aus einer Jacke mit aufgesetzten Taschen, einer gerade geschnittenen Hose mit Gummibund und einem Shirt.

Aber es steckt noch mehr dahinter, als nur gute Passform. Denn mit der Uniform kommt eine zwei-Jahres-Garantie: In der Zeit können die Stücke eingeschickt, repariert, gefärbt oder recycelt werden. Am Ende steht: kein Müll. Denn das Material ist vollständig wiederverwertbar, aus jedem Garn entsteht irgendwann neue Kleidung.