Beauty weltweit: Schönheit Made in Germany – "G-Beauty"

Naturkosmetik verzichtet auf synthtische Inhaltsstoffe, oft sogar auf haltbar machende Alkohole. Beispiele sind Weleda und Dr. Hauschka. Doch G-Beauty, der Schönheitstrend aus Deutschland hat noch eine andere Dimension. Foto: Symbolbild / gettyimages / kerdkanno

Naturkosmetik oder Hightech: Hinter dem Trend „G-Beauty“ stecken zwei unterschiedliche Ideen. Auf der einen Seite nachhaltig produzierte Kosmetik, auf der anderen Seite hochtechnologische Schönheit aus dem Labor. Eine Bestandsaufnahme.

Man könnte sagen, es ist der Ritterschlag der Schönheitsindustrie. Man könnte auch sagen, es ist einfach ein simpler Werbetrick. Vermutlich liegt die Wahrheit dazwischen. Fakt ist, nur wenige Länder haben es bislang geschafft, nationale Kosmetik-Routinen zur Marke zu erheben. Da ist einerseits die vielschichtige K-Beauty aus Südkorea und andererseits die elegante J-Beauty aus Japan. Jetzt folgt: „G-Beauty“ – Schönheit Made in Germany. Das „G“ verspricht: simple, effektive Kosmetik, die natürlich und „clean“ ist. Dafür stehen vor allem Marken wie „Weleda“ oder „Dr. Hauschka“, die seit Jahrzehnten im Geschäft sind.

Rob Keen, er verantwortet das Geschäft von Weleda in Nordamerika, sagt im Gespräch mit der „New York Times“: „Wir kontrollieren sehr präzise die Inhaltsstoffe, die wir für unsere Produkte herstellen.“ Weleda, das sich bereits seit 1921 auf Naturkosmetik spezialisiert, hat seither die nachhaltige und ökologische Produktion ihrer Pflanzenextrakte perfektioniert. „Bei vielen anderen Marken weiß man hingegen nicht so genau, wo sie ihre natürlichen Inhaltsstoffe herbekommen“, sagt Keen. Auch deshalb konnte im vergangenen Jahr Weleda die Verkäufe allein in den USA um 19 Prozent steigern. Zu den bekannten Kunden gehören: Viktoria Beckham, Adele oder Rihanna. Deutsche Naturkosmetik goes Hollywood.

Die Aufmerksamkeit begann mit der Eigenblut-Therapie

Neben Weleda war ebenfalls ganz klar Wegbereiter des Trends: Dr. Hauschka. So schreibt es zumindest „Harper’s Bazaar“. Rudolf Hauschka begann demnach bereits in der 30er-Jahren damit, Cremes ohne synthetische Stoffe, ohne konservierenden Alkohol und „nach Leitsätzen der anthroposophischen Medizin“ zu entwickeln. Ziel seiner Produkte sei es, der Haut ganzheitlich zu dem ihr innewohnenden Gleichgewicht zu verhelfen. Egal, ob Wundklee, Melisse oder Rosenblüten, die meisten Wirkstoffe würden noch heute im hauseigenen Kräutergarten angebaut.

Hinter G-Beauty stecken aber auch die Namen Dr. Barbara Sturm und Dr. Augustinus Bader – die „Doctor Brands“. Ihre Produkte stehen für wissenschaftliche Innovationskraft, aber auch für absolut hochpreisig.

Die „Vogue“ schreibt etwa über Barbara Sturms „Calming Serum“, es sei wie eine Atempause für Haut und Seele. Das wiederum erreiche sie mit Hightech. Ihre Produkte entstammen der Molekular-Medizin. Bekanntheit erlangte Sturm anfangs vor allem in den sozialen Medien für die „Eigenblut-Therapie“. Auf ihrer Internetseite schreibt sie darüber: „Dem Patienten wird Blut entnommen, das anschließend aufbereitet wird. Am gleichen Tag wird das Eigenblut-Präparat in die Haut injiziert.“ Das glätte Falten, wirke aufbauend und antientzündlich, fördere die Hautregeneration und verlangsame die Hautalterung.

In ihrer „Sturm Clinic“ in Düsseldorf bietet sie aber auch „gewöhnliche“ Behandlungen an, wie Botoxspritzen in die Stirn (ab 200 Euro), die Mesotherapie gegen feine Falten (ab 450 Euro) oder ein Augenbrauenlifting (ab 600 Euro). Wer hingegen ein Produkt für den besonderen Moment und zum selbst Aufbringen möchte, dem empfiehlt Sturm ihr „Super Anti-Aging Serum“. Im Interview mit der „Vogue“ sagt sie darüber: „Das ist mein SOS-Produkt für den roten Teppich mit Antioxidantien und dem Feuchtigkeitsspender Hyaluron“. Kostenpunkt auf Amazon: 479 Euro für 30 Milliliter.

Ebenfalls Hightech und Highprice sind die Produkte von Augustinus Bader. Der Gründer selbst ist Biomediziner und Stammzellenforscher. Seine Produkte regen angeblich den „natürlichen Verjüngungsprozess der Haut“ an. Schönheit aus dem Labor also – die Vogue fasst es so zusammen: „Die begehrten Produkte sind streng wissenschaftlich, gründlich geprüft und in der Wirkung zuverlässig – eben von deutschen Ätzten kreiert.“

Gütesiegel deutscher Produkte wie ein Biosiegel im Supermarkt

Die Anti-Aging-Pflege „The Cream“ von Bader, „geeignet für Mischhaut und fettige Haut“, die „die Haut bei feuchtem Klima spürbar mit Feuchtigkeit versorgt“ und „ideal für die tägliche Hautpflege“ ist, kostet dabei 225 Euro. Inhalt: 50 Milliliter. Dazu ein Satz: „Unsere ikonische Größe sollte ungefähr sechs Wochen mit der empfohlenen Anwendung halten.“

Doch der Preis steht dem Erfolg wohlweislich nicht im Weg. Zumindest, wenn man in den entsprechenden Etablissements nachfragt. So erzählt Jessica Richards, ihr gehört die einflussreiche Boutique „Shen Beauty“ in Brooklin, der New York Times: „Unsere Kunden sind begeistert, weil Kosmetika aus Deutschland den hohen Europäischen Standards gerecht werden müssen. Das bedeutet automatisch, dass sie kaum Toxine beinhalten.“ Im gleichen Artikel sagt Cassandra Grey, ihr gehört das Luxusgeschäft „Violet Grey“ in Los Angeles: „Unsere Kunden suchen gezielt das ‚Made in Germany‘-Symbol auf unseren Hautprodukten, so wie sie das auch bei der Bio-Zertifizierung auf Tomaten machen.“ Die erfolgreichsten drei Marken, die sie führe, kämen alle aus Deutschland.

Fazit: Erfolg oder Zerreißprobe?

Was also steckt hinter G-Beauty? Auf der einen Seite ein wahnsinnig kostspieliger Trend, der wohl vor allem im Hollywood-Kosmos zur Anwendung kommt. Das gilt für die sogenannten Doctor Brands.

Was auf der anderen Seite die nachhaltige und ganzheitliche Naturkosmetik angeht, die schon seit Jahrzehnten unbeirrt ihren Weg geht: Für sie kann die internationale Aufmerksamkeit nicht nur Erfolg bringen, sondern sogar zur Zerreißprobe werden. Denn Nachhaltigkeit bedeutet auch immer, dass es Grenzen der Produktion gibt. So steht auf DrHauschka.de: „Im Laufe der Zeit entwickelte sich eine ganz eigene Kosmetikkultur, die eines zum Ziel hat: nachhaltig beständige Werte für Menschen zu schaffen, anstelle von schnellem Profit.“ Wollen wir es hoffen.