Beim Sandklau erwischt: Touristen drohen sechs Jahre Gefängnis

Der Sand auf Sardinien sieht wunderschön aus - besonders, wenn er an Ort und Stelle bleibt. (Foto: Getty)

Erst sammelten zwei Touristen kiloweise sardischen Sandstrand ein, jetzt könnte sich ihr Urlaub unerwartet verlängern. Den beiden Sanddieben drohen mehrere Jahre Gefängnis.

Als zwei französische Touristen die Fähre zurück in ihre Heimat nach Toulon besteigen wollten, wurden sie von der Polizei gestoppt. Sie waren aufgefallen, weil sie insgesamt 14 Flaschen mit Sand bei sich führten. Die Polizei sicherte fast 40 Kilogramm feinsten sardinischen Sand im Hafen von Porto Torres aus den Plastikflaschen der Touristen.

Sie hätten lediglich ein Souvenir mitbringen wollen, beteuerten die beiden Sanddiebe. Sie seien sich nicht bewusst gewesen, etwas verbotenes zu tun, als sie ein Stück Strand aus Chia im Süden der Insel einpackten. Der Sand auf Sardinien gilt als besonders weiß und fein und ist deshalb sehr beliebt als Mitbringsel. Kein Wunder also, dass der Diebstahl inzwischen streng geahndet wird. Bei Sandklau werden Geldstrafen bis zu 3000 Euro verhängt und sogar Haftstrafen zwischen einem und sechs Jahren können drohen.

Sand Mafia

Es handelt sich keineswegs um einen Einzelfall, denn der Sanddiebstahl ist zu einem echten Problem auf Sardinien geworden. Fast zehn Tonnen Sand, den Touristen mitnehmen wollten, stellte die Polizei allein in den letzten Sommerwochen in Olbia sicher. Inzwischen gibt es sogar eigene Sand-Patrouillen an den Stränden der Insel, um den Sandklau zu bekämpfen. Dazu wurden Schilder aufgestellt, die explizit die Mitnahme von Sand verbieten. Selbst das Auswärtige Amt warnt davor auf seiner Website, und fügt hinzu, wie sehr der Diebstahl von Sand, Steinen und Muscheln der Umwelt auf den Inseln schaden könne.

Nicht nur Touristen verschärfen das Problem. Da Sand eine Grundlage für zahlreiche Industrieprodukte ist, wächst der illegale Handel stetig. Kaum ein Gegenstand, der nicht in irgendeiner Form auf die Quarzkörner angewiesen ist. Von Glas über Zahnpasta bis zu Smartphones - überall steckt Sand mit drin. Nach Wasser ist er inzwischen der zweitwichtigste Rohstoff der Welt. Das führt dazu, dass auch das illegale Geschäft boomt. In Indien beispielsweise haben längst mafiöse Organisationen das Sand-Geschäft übernommen. Sie gelten als besonders brutal und undurchdringlich.

Reuige Sanddiebin

Mancher Sanddieb bereut sein Vergehen im Nachhinein. Eine ehemalige Sardinienbesucherin schickte im Jahr 2016 ein Päckchen Sand zurück auf die Insel Burdelli, nahe Sardiniens, die für ihren pinken Strand berühmt ist. Dazu schickte die Frau eine Entschuldigungskarte mit den Worten: “Ich habe in einigen Zeitungen und im Fernsehen gesehen, wie der Sand entsteht und wie wichtig er ist, nun fühle ich mich schuldig.” Gesetzliche Folgen hatte sie im Gegensatz zu den auf frischer Tat ertappten Franzosen allerdings nicht mehr zu befürchten. Ihr Sandklau lag ganze 29 Jahre zurück.

Sand ist zu einem der wichtigsten Rohstoffe weltweit geworden. (Foto: Getty)

In jedem Fall empfiehlt sich im Urlaub: Bei Souvenirs sollte man sich mit der örtlichen Gesetzeslage auseinandersetzen. Das Mitbringen von natürlichen Gegenständen wie Steinen und Muscheln ist nicht nur in Sardinien, sondern auch an vielen anderen touristischen Orten verboten.