Beirut: "Baby Shark" wird zum Song einer Bewegung

Die Demonstrierenden in Beirut unterhielten den kleinen Robin während einer Straßenblockade mit dem Kinder-Hit "Baby Shark" (Bild: Screenshot/Facebook)

Es gibt vermutlich kaum Eltern auf der Welt, die den Kindersong “Baby Shark” nicht kennen. In Beirut wurde er jetzt allerdings von Demonstrierenden auf ganz besondere Art und Weise performt.

Im Libanon gibt es seit Tagen heftige Proteste gegen die Regierung. Steuererhöhungen und Korruption treiben die Libanesen auf die Straße, vor allem in der Hauptstadt Beirut ist das Leben nahezu lahmgelegt. Zahlreiche Plätze und Straßen sind blockiert, im ohnehin notorisch verstopften Verkehrssystem der Stadt bewegt sich oft wenig. So erging es auch Eliane Jabbour, die auf dem Heimweg in ihrem Auto in eine Demonstration geriet. Als sie die Demonstranten bat, nicht so laut zu schreien, weil ihr Sohn Robin neben ihr schlafend im Auto saß, überlegten diese sich eine besondere Variante. Spontan änderten sie die Protestrufe in den Kinder-Hit “Baby Shark”, Inklusive Choreografie, Händeschnappen und Tanz, einer der Sänger “schwamm” sogar wie ein Fisch um das Auto herum, um den Kleinen zu begeistern. Mutter Eliane filmte die Sonderaufführung und die Reaktion ihres Sohnes.

“Baby Shark” kommt ursprünglich aus Südkorea. Das Unternehmen Pinkfong hatte das Musikvideo 2016 auf YouTube veröffentlicht, dort hat es inzwischen 3,7 Milliarden Klicks. Sie hätten aber trotz des großen Erfolges wohl kaum damit gerechnet, dass es einmal zum Lied einer Protestbewegung werden könnte. Nachdem das Video von Eliane Jabbour viral gegangen war und fast eine viertel Millionen Klicks verzeichnete, übernahmen auch andere Demonstrierende den Song. Immer wieder war er zwischen anderen Protestrufen auf Demos zu hören.

Auch nach dem Wochenende gingen die Libanesen wieder auf die Straße, um für eine bessere Politik zu demonstrieren. (Bild: Reuters/Mohamed Azakir)

Das alberne Lied sorgt für kleine Momente der Erleichterung, denn die Lage im Libanon ist heikel. Seit Jahren herrscht Krieg im Nachbarland Syrien, die gleiche Riege aus Politikern beherrscht seit Jahrzehnten das Land und beutet es schamlos aus. Gleichzeitig funktioniert die elementare Versorgung der Bevölkerung mit Wasser, Strom und Müllabfuhr nur unzulänglich. Dabei steigen die Preise vor allem für importierte Güter und die Pensionen werden gekürzt.

Der ursprüngliche Funke, der die aktuellen Proteste auslöste, war eine Steuer auf WhatsApp, die das kostenlose Telefonieren betroffen hätte. Das war zu viel für die politisch frustrierten Libanesen, die jetzt auf den Demos fordern: “Stürzt alles.” In dieser angespannten Lage ist das “Baby Shark”-Video ein verbindendes Element. Und auch dem kleinen Protagonisten gefällt es mittlerweile. Obwohl es in dem Video ein wenig so aussieht, als wenn Robin nicht allzu überzeugt von der Performance der Demonstrierenden ist, sei er inzwischen selbst ein großer Fan seines viralen Videos. Reuters gegenüber sagte seine Mutter: “Auch wenn er im Video ein bisschen verwirrt wirkt, jetzt fängt er immer sofort an zu lachen, wenn er es anschaut.”