Bekannte Unternehmen, die 2019 verschwunden sind

Ann-Catherin Karg
Freie Journalistin

Auch im Jahr 2019 mussten einige bekannte Marken und Unternehmen Insolvenz anmelden. Euler Hermes, der weltweit führende Kreditversicherer, listete auf, dass allein in den ersten neun Monaten des Jahres 27 deutsche Unternehmen pleitegegangen sind. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutete das einen Zuwachs von 42 Prozent. Diese fünf Unternehmen hat es auch erwischt.

70 Jahre nach der Gründung muss der Freizeitgerätehersteller Kettler seine deutschen Werke im Oktober 2019 endgültig schließen. (Bild: Getty Images)

Kettler

Die Sportartikel- und Gartenmöbel-Marke Kettler erwischte es 2019 zum dritten Mal – diesmal allerdings endgültig. Das Unternehmen, das 70 Jahre lang auf dem Markt war, musste seine deutschen Werke endgültig schließen. "Ein Kettler wie bisher wird es zukünftig nicht mehr geben“, sagte der Rechtsanwalt Martin Lambrecht, der die Unternehmensführung in dem Ende Juli eingeleiteten Insolvenzverfahren berät, der Deutschen Presse-Agentur. "Wir können die Produktion nicht weiterführen. Sie ist in der heutigen Struktur nicht mehr lebensfähig.“ Die 1949 gegründete Firma ist durch das Kettcar und Campingartikel bekannt geworden. Laut der Firma wurden vom Kettcar, einem lange Zeit sehr beliebten Kinderspielzeug, bis heute mehr als 15 Millionen Exemplare verkauft. 1980 nahm der Duden das Kettcar sogar als Gattungsbegriff ins gleichnamige Wörterbuch auf.

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René Lezard

"René Lezard wird abgewickelt“: So lautete im Oktober ein Titel in der "TextilWirtschaft“, einer deutschen Fachzeitschrift für die Textilbranche. Das mainfränkische Modeunternehmen hatte im Juli Insolvenz angemeldet. Trotz "eines sehr intensiven Investorenprozesses und diversen Interessenten“ sei "keine finale Lösung für die Fortführung der Marke René Lezard gefunden“ worden, sagte die Geschäftsführerin Isabella Hierl gegenüber "FashionUnited“. Letzte Rettungsgespräche seien im Oktober "leider gescheitert“. Angeblich hatte der türkische Textilproduzent Cemsel Tekstil Interesse signalisiert, über eine Kapitalerhöhung die Mehrheit des Unternehmens zu übernehmen, doch die Finanzspritze blieb aus. In guten Zeiten hatte René Lezard rund 400 Mitarbeiter beschäftigt, die Hälfte davon in der Firmenzentrale, die andere in den deutschen Verkaufsläden.

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Die deutsche Thomas Cook war in den Sog der Pleite der britischen Mutter geraten und hatte am 25. September einen Insolvenzantrag gestellt. (Bild: Getty Images)

Thomas Cook

Der 25. September 2019 war ein Tag, der in Deutschland große Aufregung auslöste. Da meldete der Reiseveranstalter Thomas Cook nämlich Insolvenz an – und rund 140.000 Kunden saßen zeitweise an ihren Urlaubsorten fest. Allein die Kosten für Rückflüge der im Urlaub überraschten Reisenden und die Entschädigungen für ausgefallene Reisen betrugen laut dem Versicherungskonzern Zurich um die 347 Millionen Euro. Die Aufregung war so groß, dass die Bundesregierung erklärte, sie springe für Thomas-Cook-Kunden in die Bresche und übernehme einen Teil der Schäden. Im November wurde schließlich bekannt, dass eine Rettung des Unternehmens nicht gelingt und damit auch alle Reisen für 2020 abgesagt werden. Alle Thomas-Cook-Marken werden eingestellt.

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Eisenmann

Der Anlagenbauer Eisenmann hat im Juli Insolvenz anmelden müssen, da sich das württembergische Familienunternehmen laut "Handelsblatt“ mit einigen Großprojekten verhoben hatte. Eisenmann hatte 2017 noch einen Umsatz von rund 723 Millionen Euro erwirtschaftet und beschäftigte zuletzt mehr als 3000 Mitarbeiter in 15 Ländern. Im Gegensatz zu den vorherigen Unternehmen gibt es für den Lackierspezialist aber noch Hoffnung: Medienberichten zufolge ist der staatliche chinesische Maschinenbau-Konzern Sinomach stark an einer Übernahme interessiert. Im Dezember berichtete die "Automobilwoche“, bei den Gesprächen werde auch eine einjährige Beschäftigungssicherung für die Eisenmann-Mitarbeiter verhandelt.

Die Fluggesellschaft mit fast 1700 Mitarbeitern hatte Anfang Februar Insolvenz angemeldet und den Flugbetrieb eingestellt.

Germania

Die endgültige Pleite der Fluglinie Germania im April traf viele Personen hart, um die 1.700 Mitarbeiter verloren ihren Job. Anfang des Jahres wurde die Insolvenz der Airline mithilfe einer Finanzspritze von 15 Millionen Euro noch kurzzeitig abgewandt, im Februar beantragte Germania aber Insolvenz und stellte umgehend den Flugbetrieb ein. Zum 1. April kam schließlich der Geschäftsbetrieb zum Erliegen, seitdem werden keine Gehälter mehr bezahlt. Die Pleite hatte nicht nur Auswirkungen auf die Beschäftigten, sondern auch auf viele Kunden: Um die 600.000 Fluggäste sollen laut dem "Handelsblatt“ Germania-Flüge gebucht und bezahlt haben, die schließlich gecancelt worden sind. Der Insolvenzverwalter hat noch einiges an Arbeit vor sich.

Auf einige Piloten können sogar noch weitere Unannehmlichkeiten zukommen. Der Insolvenzverwalter fordert von knapp 100 ehemaligen Germania-Piloten Rückzahlungen, zum Teil geht es dabei um höhere fünfstellige Beträge. Im Fokus stehen dabei Darlehen zur Finanzierung der Lizenzen, die Piloten brauchen, um bestimmte Flugzeugtypen fliegen zu können. Diese hatte die Fluggesellschaft vorfinanziert.

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