Warum es eine Beleidigung für psychisch Erkrankte ist, Trump verrückt zu nennen

Lia Haubner

Wer Donald Trump bei seinen Pressekonferenzen zuschaut, schwankt schnell zwischen Fassungslosigkeit, blanker Wut, Trauer und diesem mulmigen Gefühl im Bauch. Der American Dream existiert noch, wirkt mit einem Mal aber ganz anders als das, was uns Filme, Serien und Barack-Obama-Memes suggeriert haben.

Kein Wunder, dass uns Texte sofort anspringen, in denen Schlagworte wie „Narzisst“ oder „irre“ vorkommen. In den Hintergrund rückt allerdings, was das für Menschen bedeutet, die tatsächlich an einer psychischen Erkrankung leiden.

Daran hat Allen Frances in einem Brief an die New York Times erinnert. Der Professor Emeritus des Duke University Medial College weiß, wovon er spricht. Immerhin war er als Vorsitzender der Arbeitsgruppe tätig, die das Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders IV (D.S.M.-IV) erstellt hat. Darin wird unter anderem das Krankheitsbild der narzisstischen Persönlichkeitsstörung beschrieben.

„Ich habe die Kriterien formuliert, die die Erkrankung definieren und Mr. Trump erfüllt sie nicht. Er mag ein hochgradiger Narzisst sein, doch das macht ihn nicht psychisch krank, weil er nicht an den Beeinträchtigungen leidet, die für eine Diagnose Voraussetzung sind“, schreibt Frances.

„Schlechtes Benehmen ist fast nie ein Zeichen einer psychischen Erkrankung und psychisch erkrankte Menschen benehmen sich fast nie schlecht. Verunglimpfungen mit psychiatrischem Vokabular sind nicht der richtige Weg, um sich Mr. Trumps Angriff auf die Demokratie entgegenzustellen. Er kann und er sollte angemessen für seine Ignoranz, Inkompetenz, Impulsivität und seinem Streben nach diktatorischer Macht bloßgestellt werden.

Seine psychologische Motivation ist zu offensichtlich, um interessant zu sein und sie zu analysieren wird seinem überstürzten Streben nach Macht nicht Einhalt gebieten. Das Mittel gegen ein dystopisches, dunkles Trump-Zeitalter findet sich im politischen, nicht im psychologischen Kontext.“

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