„Benching“: Warum dieser Dating-Trend gerade ein Comeback erlebt

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„In der einen Minute sprechen wir darüber, wie wir eine neue Wohnung einrichten würden, und in der nächsten fühlt sich der Versuch, bloß auf einen Kaffee zu gehen, wie schmerzhaftes Zähneziehen an.“

Rory* und Alex’ Dating-Geschichte ist voller emotionaler Höhen und Tiefen.

„Ich hatte mich davor mit so vielen anderen Leuten unterhalten, dass ich eine ziemlich ungefilterte Version meiner selbst war, als ich Alex kennenlernte – ich schätze, ich hatte zu diesem Zeitpunkt einfach genug von Smalltalk“, erzählt sie mir.

„Als wir uns dann mit der Zeit besser kennengelernt hatten, stellten wir fest, dass wir viel gemeinsam haben und sich etwas Ernstes aus unserer Bekanntschaft entwickeln könnte.“

Einen Monat später, zog Alex bei Rory ein, während ihre Mitbewohnerin verreist war.

„Das Ganze fühlte sich so easy an, und ich hatte schon lange keine solch enge Verbindung mehr zu jemandem gehabt. Ich weiß, dass sich viele von uns die erstbeste Person schnappen, um den Winter nicht alleine überstehen zu müssen. Bin ich also naiv, weil ich dachte, dass die Sache zwischen uns anders sei?“

Rory und Alex lernten sich während der Lockdown-Zeit kennen. Ihre Bekanntschaft entwickelte sich zu einer Turbo-Beziehung, einer Art Situationship, die während der Pandemie entstanden ist. Wie der Name es schon verrät, wird die Sache zwischen zwei Menschen schnell ernst – so, als würde das Ende der Welt bald kommen und als ob wir nicht mehr viel Zeit fürs Daten übrig hätten. Auch dafür gibt es eine Bezeichnung: „Apocolypsing“.

Am Anfang ist so eine Beziehung eine herrliche Ablenkung – und es gibt wirklich keinen besseren Zeitpunkt, um eine:n Partner:in zu finden, als während einer Pandemie. Was ist aber aus diesen Turbo-Beziehungen geworden, nachdem die Lockdowns vorbei und die Grenzen wieder offen waren? Nun, offenbar nicht viel.

„Alex und ich sehen uns immer noch ab und zu. Manchmal machen wir auch ein bisschen rum, aber im Großen und Ganzen scheint sie einfach froh darüber zu sein, dass ich nicht mehr ihre Lockdown-Partnerin bin“, sagt Rory.

Damit ist Rory sicherlich nicht die Einzige, die nach einer Erfahrung mit Apocolypsing jetzt mit dem Dating-Phänomen „Benching“ zurechtkommen muss, oder?

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Benching, ein Begriff aus der Dating-Welt, der seit den 2000er-Jahren gebräuchlich ist. Diese Bezeichnung bezieht sich auf das Verhalten einer Person, die sich eine andere warmhält, weil sie entweder noch nicht bereit dazu ist, sich zu binden, oder einfach nicht genug für ihr Gegenüber empfindet, um etwas Ernsteres aufzubauen.

Die Pandemie hat Singles ohne Frage einen Strich durch die Rechnung gemacht. Da wir nach Monaten im Lockdown wieder ins soziale Leben eintauchen können, können Turbo-Beziehungen anfangen, zu kriseln und der Beziehungsstatus wird unklar. Rory kann ein Lied davon singen.

„Ich weiß nicht einmal, ob wir eigentlich noch zusammen sind, aber seinen Accounts in den sozialen Medien zufolge sieht es so aus, als hätte er Spaß mit anderen Leuten“, sagt Jay*, 24.

„Ich dachte, Trennungsangst könnte zu unserem größten Problem nach der Lockdown-Zeit werden oder dass wir immer noch so viel Zeit miteinander verbringen würden wie währenddessen. Jetzt muss ich mich aber immer mehr und mehr an den Gedanken gewöhnen, dass ich möglicherweise nur benutzt worden bin.“

Als der erste Lockdown angekündigt wurde, begann Jay, sich mit Sam zu verabreden. Obwohl die beiden nie vereinbart hatten, dass sie keine anderen Leute daten könnten, fühlte sich die Erfahrung, plötzlich auf der Ersatzbank zu landen, wie ein „Schleudertrauma“ an.

„Ich bin überhaupt nicht romantisch. Ich glaube nicht an den Einen bzw. die Eine oder Seelenverwandte oder so etwas in der Art. Trotzdem fühlt es sich beschissen an, wenn jemand, mit dem du dich in den letzten Monaten bis zu fünf Mal pro Woche getroffen hast, plötzlich keinen Bock mehr auf dich hat, sobald sein Terminkalender wieder voll ist.“

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Das könnte erst der Anfang einer ganzen Reihe von neuen Dating-Trends im kommenden Jahr sein. Solange du aber Leute in deinem Leben hast, die dich unterstützen, und du dir dessen bewusst bist, dass Dating eine etwas holprige Angelegenheit sein kann – und auf keinen Fall ein Spiegelbild deines Selbstwerts ist – dann kann dich eigentlich nichts umhauen.

Egal, wie es dazu kommt: Auf der Dating-Ersatzbank zu landen, ist ein schreckliches Gefühl und leider etwas, was vielen von uns jetzt in der Dating-Welt widerfährt. Obwohl es aber keinen richtigen oder falschen Weg gibt, mit einer solchen Situation umzugehen, ist es wichtig, darauf zu achten, was dir emotional nützt. Wenn du Zeit und Energie in eine Person investierst, die dich bloß warmhält, wirst du nicht nur enttäuscht werden, sondern so vielleicht auch die Tür zu anderen, gesünderen Optionen verschließen. Vergiss dabei nicht: Die Welt ich auch für dich wieder offen.

Und zuletzt: Wenn eine Person nicht checkt, was für du ein guter Fang bist, dann ist sie es nicht wert.

*Namen wurden von der Redaktion geändert.

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