Beschämend: Ölfirma nutzt Arbeiter als menschlichen Desinfektionsmittelspender

So wäre die Hygiene-Aktion in Ordnung gewesen, ohne einen Arbeiter dabei zu entwürdigen.(Bild: REUTERS/Ann Wang)

Vielleicht sollte die Aktion als Scherz gemeint sein, doch nun bekommt eine saudi-arabische Ölfirma einen gerechtfertigten Shitstorm zu spüren, nachdem sie Fotos eines “menschlichen Desinfektionsmittelspenders” postete.

Am 10. März war das Foto aufgetaucht, das einen Gastarbeiter zeigt, der in der Firma Aramco mit einer blauen Maske in einem weißen Kasten steht, in dessen Mitte ein Desinfektionsmittelspender angebracht ist.

Auf einem zweiten Foto ist zu sehen, wie ein Mann im Anzug sich an dem Spender bedient. Auf der Rückseite des Kastens sind Anweisungen zum korrekten Händewaschen angebracht. Nachdem der saudi-arabische Schauspieler und Produzent Hisham Fageeh die Bilder auf Twitter geteilt hatte, erntete die Firma einen wahren Shitstorm.

Fageeh selbst nannte die Fotos “ein Geschenk von Aramco”. Denn die Diskriminierung aufgrund der sozialen Klasse in dem Golfstaat sei kaum besser zu demonstrieren, als mit diesen Bildern. Ob die Fotos tatsächlich auch jetzt aufgenommen wurden, oder nur wegen der Corona-Welle aktuell wieder aufgetaucht sind, konnte nicht geklärt werden.

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Aramco will von nichts gewusst haben

Von Seiten der Ölfirma gab es eine formale Entschuldigung. In dem Statement, das Aramco via Twitter veröffentlichte, hieß es, die Firma sei sehr “unzufrieden mit diesem “missbräuchlichen Verhalten”. Laut Aramco habe man dem niemals zugestimmt. Andernfalls hätte man dieses Verhalten unverzüglich gestoppt. Auf Twitter schrieben User allerdings, dass in dem Foto deutlich das Hauptquartier der Firma in Dhahran zu erkennen sei.

Das Statement war auch eine Reaktion auf die vielen Kommentare, die sich unter dem Post sammelten und Aramco an den Pranger stellten. Ein User kommentierte das Foto mit: “Wer auch immer diese Idee hatte, sollte das Desinfektionsmittel benutzen, um sein rückständiges Denken damit zu säubern.”

Abdelrahman Boland, ein Illustrator aus Kuwait, veröffentlichte auf seinem Instagram-Account eine Karikatur des Fotos. Auf seiner Illustration ist der gleiche Arbeiter zu sehen, diesmal rinnt ihm eine Träne die Wange hinunter.

Saudi-Arabien ist berüchtigt dafür, dass dort ausländische Arbeitskräfte unter furchtbaren Bedingungen arbeiten, die teilweise an moderne Sklaverei erinnern. Über neun Millionen Gastarbeiter arbeiten in dem Königreich, die niedrigeren Positionen werden oft von Arbeitern aus Afrika und Südostasien besetzt. Dass diese Ausbeutung nun noch im Zusammenhang mit der kursierenden Angst vor dem Coronavirus auftaucht, erscheint besonders perfide.

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