Betrug in China: Familienmitglieder heiraten 23 mal in zwei Wochen für neue Wohnungen

Moritz Piehler
Freier Autor
Gleichzeitig wie hier bei dieser Massenhochzeit in Hangzhou haben die Familienmitglieder wenigstens nicht geheiratet. (REUTERS/Stringer )

Die Wohnungsnot ist in China groß, da wurde eine Familie erfinderisch und heiratete untereinander 23 mal innerhalb von zwei Wochen um Wohnungen zu bekommen.

Die Behörden der Stadt Lishui in der chinesischen Provinz Zhejiang sind dabei, ein komplettes Dorf in der Nähe der Stadt zu sanieren. In China ist es gängige Praxis, dass ganze Dörfer und Stadtviertel abgerissen werden, um Neubaugebiete zu schaffen. So auch in dem Dorf bei Lishui. Jedem dort gemeldeten Bewohner wurde aber als Ersatz eine Neubauwohnung mit mindestens 40 Quadratmetern versprochen. Da dachte sich ein gewitzter Mann namens Pan, dass sich die Regelung etwas erweitert interpretieren ließe.

Wie der Nachrichtensender CNN auf seiner Website berichtet, heiratete er prompt seine dort lebende Ex-Frau, um sich eine der begehrten Neubauwohnungen zu sichern. Nicht mal eine Woche später ließ er sich allerdings wieder scheiden. Und zwar, um seine Schwester zu heiraten, die sich wie ihr Bruder und frischer Ehemann auch in dem Dorf registrieren ließ. Das gleiche Spiel folgte noch einmal mit seiner Schwägerin. Der Vater war sogar noch etwas dreister, er heiratete parallel mehrere Verwandte und selbst vor der eigenen Mutter machte er nicht halt. Insgesamt elf Familienmitglieder waren an der Wohnungsbeschaffungsmaßnahme beteiligt. Pan selbst heiratete nach Angaben der Chinesischen Behörden gar drei mal in nur einer Woche.

Chinesisches Dorf in der östlichen Zhejiang Provinz nahe Lishui. (Costfoto / Barcroft Media / Barcroft Media via Getty Images)

Irgendwann wurden die zahlreichen Hochzeiten und Neuanmeldungen in dem Dorf dem Sanierungsko­mi­tee verdächtig. Sie strengten Untersuchungen an und kamen der Familie schnell auf die Schliche. Alle elf beteiligten Familienmitglieder wurden zunächst verhaftet, sieben kamen auf Bewährung wieder frei. Im Gefängnis von Lishui erwarten die Angeklagten im Falle einer Verurteilung wohl deutlich schlechtere Wohnverhältnisse als in den erhofften Neubauten.

Der dreiste Betrugsversuch schlug auch Wellen auf chinesischen Social-Media-Plattformen. Auf Weibo, der chinesischen Variante von Twitter, schrieb ein User: “Selbst Drehbuchautoren hätten es nicht gewagt, sich so eine Handlung auszudenken.” Und ein anderer stellte eher das System in Frage: “Es gibt ganz offensichtlich Schlupflöcher im System. Kann man der Familie denn vorwerfen, dass sie gierig geworden ist?”