Ist das betrunkenes Alter Ego unser wahres Ich?

Es ist ein bekanntes Szenario: Am Morgen wacht man mit einem riesen Kater auf. Dann tauchen nach und nach Erinnerungen an die letzte Nacht auf. Schuldgefühle und Scham lassen den Kater noch schlimmer werden. Waren das wirklich die eigenen Worte? Hat man das wirklich getan? Nun, wir waren betrunken und wir wissen ja alle, dass man betrunken Dinge sagt, die man nicht wirklich meint. Oder?? Wir alle versuchen, uns hinter unserem betrunkenen Alter Ego zu verstecken, aber was ist, wenn dies dein wahres Ich ist? 

Studien haben jetzt herausgefunden, dass Alkohol nicht unbedingt die eigene Persönlichkeit verändert. Die Wissenschaftler untersuchten, wie betrunkene Menschen sich selbst sehen, wenn sie getrunken haben, und wie nüchterne Menschen sie einschätzen. Es scheint, als wären wir betrunken oder nüchtern immer noch dieselbe Person.

Kandidaten, die Alkohol konsumiert hatten, gaben ihrer Persönlichkeit niedrigere Werte in den Bereichen Bewusstsein, Offenheit und Liebenswürdigkeit. Dafür schätzten sie sich selbst höher in den Bereichen Extrovertiertheit und emotionaler Stabilität ein. Die nüchternen Beobachter sahen nur einen Unterschied, wenn es um die Extrovertiertheit geht.

Laut Rachel Winograd, einer Juniorprofessorin an der University of Missouri im amerikanischen St. Louis, ist das wahre Ich das alltägliche Ich. Wir zeigen nur verschiedenen Aspekte unserer Persönlichkeit in unterschiedlichen Situationen. Es ist ja auch kein Wunder, dass man sich beim Mädelsabend mit den besten Freundinnen anders verhält als beim Tee mit der Schwiegermutter. 

Rachel sagt, dass das betrunkene Alter Ego nur eine andere Seite unserer Personalität darstellt. "Das alkoholisierte Ich ist nur eine weitere Side von uns. Das Ich, das eigentlich die Kontrolle über alles hat, das gesund isst, das alles zusammenhält – das ist das wahre Ich. Gönnen wir uns etwas Anerkennung."

Das sind doch eigentlich ganz gute Nachrichten, oder?