Beyoncés Vater Mathew Knowles hat Brustkrebs: Das solltest du über die männliche Krankheitsform wissen

Mathew Knowles, der Vater von Beyoncé, hat über seinen Kampf gegen den Brustkrebs gesprochen. (Foto: Getty Images; Illustration von Nathalie Gonzalez für Yahoo Lifestyle)

Mathew Knowles, der Vater von Beyoncé, hat kürzlich bekanntgegeben, dass er sich wegen Brustkrebs in ärztlicher Behandlung befindet. Das ist sicherlich für viele eine Überraschung, denn nicht jeder weiß, dass Männer – wenn auch recht selten – an dieser Krebsart erkranken können.

„Es ist wichtig, dass Männer offen darüber sprechen, wenn sie Brustkrebs haben“, sagte er gegenüber „Good Morning America“ am Mittwoch. „Ich würde mir wünschen, dass sie es offen sagen, wenn sie die Krankheit haben, so dass wir korrekte Zahlen und bessere Forschung bekommen... Männer wollen es lieber geheim halten, weil es ihnen unangenehm ist. Es gibt dafür aber keinen Grund.“

Knowles erzählt, dass er im Juli eine einseitige Mastektomie hatte – ein chirurgischer Eingriff, bei dem das gesamte Brustgewebe entfernt wird. Er will sich auch die zweite Brust im Januar entfernen lassen. Er sagt, dass sich dadurch das Risiko, dass der Krebs streut, von 5 auf 2 % verringern werde. Gemeint sind damit Metastasen, über die Brustkrebszellen in andere Bereiche des Körpers streuen. Es gibt dafür keine Heilung.

Der Oktober ist der Monat für Brustkrebs-Bewusstsein – also die ideale Zeit, um mehr über die Erkrankung zu lernen. Diese betrifft – obwohl bei Männern selten – immerhin einen von 833 Männern und eine von 8 Frauen im Laufe ihres Lebens. Ende 2019 wird es unter Männern in den USA laut der amerikanischen Krebsgesellschaft ungefähr 2.670 neu diagnositizierte Fälle geben (zum Vergleich: Bei Frauen werden es schätzungsweise 268.600 Fälle sein).

Was du über männlichen Brustkrebs wissen solltest

Lasst uns zu Beginn des #BreatCancerAwareness Monats daran denken, dass auch Männer Brüste haben und sie in ALLE klinischen Studien und in die Forschung einbezogen werden sollten. #MenHaveBreastsToo #BreastCancer

Ja, Männer haben Brüste

„Auch wir sind Säugetiere”, sagt Dr. Harold Burstein, Brustonkologe im Dana-Farber Cancer Institute in Boston, gegenüber Yahoo Lifestyle. „Aber obwohl Männer Brüste haben, setzt bei uns nicht die Enwicklung ein, die es bei Frauen mit der Pubertät und dann Schwangerschaft gibt.“ Er sagt, dass dies wohl zu der Unwissenheit darüber betrage, dass auch Männer Brustgewebe haben. „Der Hauptgrund, warum man wenig von Männern hört, die Brustkrebs haben, ist, dass es sehr selten vorkommt. Auf 100 Frauen mit der Erkrankung kommt etwa ein Mann.“

Es ist dieselbe Krankheit, von der Frauen betroffen sind

„Grundsätzlich ist der Brustkrebs mehr oder weniger derselbe“, sagt Burstein. Bis zu 90 % der Fälle bei Männern haben den Hormonrezeptor-Status, der als Östrogenrezeptor-positiv und HER2-negativ bekannt ist. Die Symptome bei Männern sind dieselben wie bei Frauen: Ein schmerzfreier Knoten oder eine Verhärtung des Brustgewebes, Veränderungen der Haut im Brustbereich (Dellen oder Schuppen), Veränderungen beim Erscheinungsbild der Brustwarze oder Austritt von Flüssigkeit aus der Brustwarze (wie bei Knowles). Auch die Behandlungsansätze sind dieselben - chirurgische Eingriffe, Strahlentherapie, Chemotherapie oder Hormontherapie. Burstein sagt: „Männer haben sehr ähnliche Ergebnisse wie Frauen. Da wir aber bei Männern keine Mammografien durchführen, wird der Krebs manchmal aber später entdeckt.“

Daher ist es so wichtig für Männer, dass sie „ein allgemeines Körperbewusstsein“ haben. Wenn sie Veränderungen oder „etwas, das nicht stimmt“ bemerken, sollten sie ihren Arzt aufsuchen und es untersuchen lassen, sagt Burstein.

„Es gibt einen Grund dafür, dass unser Slogan „Hab keine Angst, dich selbst zu berühren“ lautet“, erklärt Bret Miller, Gründer der „Male Breast Cancer Coalition“.

Männern schweigen lieber, da es immer noch ein Stigma gibt

“Es ist eine Frauenkrankheit“, „es ist unmännlich“, „Männer können es nicht haben, weil sie keine Brüste haben““ sind laut Miller, der den Brustkrebs besiegt hat, alles Gründe dafür, dass Männer Brustkrebs mit Scham verbinden. Er gründete die Organisation vor sechs Jahren, um Betroffenen Unterstützung zu bieten, und sagt: „Es gibt immer noch Menschen, die nicht wissen, dass auch Männer an Brustkrebs erkranken können. Es ist verrückt.“ Miller fügt hinzu, dass es daher so wichtig sei, dass Menschen wie Knowles offen über ihre Diagnose sprechen. So „helfen sie dabei, Bewusstsein für die Früherkennung zu schaffen und dabei eine „Zusammen sind wir stark“-Einstellung zu schaffen. Sie zeigen so außerdem, dass mehr Forschung für männlichen Brustkrebs notwendig ist.

Bisher hat die Forschung Brustkrebs bei Männern vernachlässigt – das kann sich aber bald ändern.

Die Gesundheitsbehörde „Food and Drug Administration” (FDA) drängt jetzt laut Richtlinien aus dem August darauf, dass mehr Forschung betrieben werden soll und dass männliche Brustkrebspatienten in klinische Studien miteinbezogen werden. „Weniger als ein Prozent aller Brustkrebserkrankungen tritt bei Männern auf, aber bei Männern wird die Krankheit eher entdeckt, wenn sie älter sind und der Krebs bereits fortgeschritten ist. Da Brustkrebs bei Männern selten ist, wurden sie bisher in der Regel nicht in klinische Studien zur Behandlung von Brustkrebs miteinbezogen. Dadurch gibt es einen Datenmangel und ihre Behandlung basiert grundsätzlich auf Studien und Daten, die Frauen betreffen“, bemerkte Dr. Richard Pazdur, Leiter des Onkologischen Kompetenzzentrums der FDA und geschäftsführender Direktor des Büros für Hematologie- und Onkologie-Produkte im Zentrum für Medikamentenbewertung und Forschung des FDA. „Während einige durch die FDA genehmigte Behandlungen geschlechtsneutral sind, sind viele Therapien nur für Frauen genehmigt, und wir brauchen weitere Daten, um Anhaltspunkte für Kennzeichnungen auch bei Männern zu unterstützen.“

Es ist für Männer genauso wichtig wie für Frauen, sich auf Mutationen des BRCA-Gens testen zu lassen.

„Eine der wenigen bekannten Ursachen von männlichem Brustkrebs ist eine erbliche Prädisposition, die einen etwas höheren Anteil von Männern als Frauen betrifft“, sagt Burstein. Weitere Faktoren sind unter anderem das Alter, die Familiengeschichte, das angeborene Klinefelter-Syndrom und Kontakt mit schädlicher Strahlung.

Knowles hat mitgeteilt, dass sein BRCA-Test (ein Bluttest, bei dem über die DNA Mutationen der für Brustkrebs anfälligen Gene BRCA1 und BRCA2 identifiziert werden) ergeben habe, dass eine Mutation in seinem BRCA2-Gen vorliege. Dadurch müsse er sich „um vier Dinge sorgen: Prostatakrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs, Melanome und Brustkrebs. Ich muss für den Rest des Lebens aufpassen und alle Möglichkeiten zur Früherkennung in Anspruch nehmen: Ständige Mammogramme, ständige Prostatauntersuchungen und MRTs.“

Burstein betont, dass „alle Männer, bei denen Brustkrebs gefunden wurde, sich auf eine Genmutation testen lassen sollten“, was größtenteils mit Präventionsmöglichkeiten zusammenhängt. Dazu gehört die beidseitige anstatt nur einseitige Mastektomie, bei der die zweite Seite präventiv entfernt wird. Und auch weil die Mutation das Risiko für die anderen von Knowles aufgezählten Krebsarten erhöht, sollte das Wissen darüber die Männer theoretisch dazu bringen, sich regelmäßig untersuchen zu lassen.

Besonders Menschen, die die BRCA2-Mutation in sich tragen, haben ein sechsprozentiges Risiko, im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs zu erkranken, sagt Leigha Senter-Jamieson, eine lizenzierte Genberaterin im Krebs-Kompetenzzentrum der Ohio State Universität. „Die meisten erkranken nicht daran, aber das Risiko ist immer noch sehr viel höher als bei Männern normalerweise“, sagt sie. Dieses liegt in der Regel bei 1 zu 100.

„Männer werden manchmal bei Untersuchungen nicht zu ihrer Familiengeschichte in Bezug auf Brust- oder Eierstockkrebs befragt“, bemerkt Senter-Jamieson. Und das, obwohl die Antwort oftmals Aufschluss darüber geben könnte, ob sie auf eine BRCA-Genmutation getestet werden sollten oder nicht. Etwas anderes, das Männern mit diesen Mutationen oft nicht bewusst ist, ist, dass die Genveränderungen „auf ihre Kinder denselben Einfluss haben wie die Mutation einer Frau“ – noch ein Grund, sich testen zu lassen.

„Wenn bekannte Menschen ihre Geschichten teilen, ist das eine gute Sache“, fügt sie hinzu. „Sowohl für Menschen, die sich testen lassen, als auch für Menschen wie mich, die den Patienten die richtigen Fragen stellen müssen.“

Beth Greenfield